Feb

11

Zum ersten Mal bei einer Tarifverhandlung

Von Kristian Koll

Jetzt bin ich schon über einen Monat bei Gesamtmetall und habe meine Entscheidung noch immer nicht bereut. Das ganze Team ist nach wie vor sympathisch und der Zusammenhalt enorm.
Es gab ein Seminar für neue Mitarbeiter, dass es mir ermöglicht hat, viele Kontakte zu knüpfen und die Verbandswelt der Metall- und Elektroindustrie kennenzulernen.

Fachlich mache ich immer noch zu 90 Prozent Arbeitsrecht, aber zuletzt kam ein Schmankerl hinzu: Die Tarifrunde 2015 in der Metallindustrie. Man hat es mir ermöglicht, tatsächlich einmal an einer Tarifverhandlung teilzunehmen, in diesem Fall zwischen IG Metall und VME (Metall- und Elektroindustrie Berlin Brandenburg). Es ist natürlich toll, hinter verschlossenen Türen dabei zu sein und zu sehen, wie die Verhandlungsstrategie, die vorher besprochen wurde, dann auch tatsächlich umgesetzt wird. Natürlich kann ich aus Gründen der Vertraulichkeit nicht mehr erzählen, rate aber jedem, dem sich die Gelegenheit bietet, auch einmal an einer Tarifverhandlung teilzunehmen. Das Highlight des Tages ist, wenn abends in der Tagesschau berichtet wird und man mehr weiß, weil man eben dabei war.

Derzeit beschäftigt mich der Mindestlohn sehr stark bzw. die Ausnahmen und Nebenpflichten, die sich hieraus ergeben. Gerade mit neuen Gesetzen muss man als Verbandsjurist sehr oft arbeiten. Das birgt eine Herausforderung der besonderen Art: Wo es weder Kommentare und Rechtsprechung gibt, ist man als Jurist natürlich in der ungewohnten Situation, das Gesetz komplett „freihändig“ interpretieren zu können (mit den gängigen Auslegungsmethoden). Hierbei muss man natürlich objektiv bleiben und in beide Richtungen argumentieren. Einmal ohne Kommentare und Rechtsprechung auskommen zu müssen/dürfen, hat für mich jedenfalls einen besonderen Reiz.

Das war auch schon mein 2. Blog- bis zum nächsten Mal!

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2 Kommentare

Lieber Herr Mustermann,

ich kann Ihnen versichern, dass es sich hier nicht um Realsatire handelt und ich wirklich sehr zufrieden bin. Dass man oft schon nach kurzer Zeit merkt, dass man im falschen Job ist, halte ich nicht für weit hergeholt.

Ich bin sicher niemand, der Probleme nicht anspricht, aber bisher gibt es die schlicht noch nicht. Natürlich gibt es auch beim GFN Programm Minuspunkte: Man wird alle paar Monate versetzt und das Gehalt kann mit Großkanzleien nicht mithalten. Dies ist aber vorher bekannt und man wägt es mit den positiven Seiten ab- nämlich dass man schon bei seinen Freunden ist, während der Kollege aus der Großkanzlei noch arbeitet- und zwar meist den ganzen Tag im Büro, ohne viel raus zu kommen.

Es gibt tatsächlich gute Arbeitgeber in Deutschland und ich habe eben einen davon erwischt- und das ist keine Realsatire :-)

...schon "über EINEN Monat" bei Gesamtmetall und die Entscheidung "NOCH IMMER nicht bereut"? Honi soit qui mal y pense... Überhaupt wirkt dieses ganze Blog wie Realsatire, ob das für das GFN Programm so förderlich ist, wage ich mal zu bezweifeln.