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Sachgrundlose Befristungen sind unverzichtbar

Sachgrundlose Befristungen sind ein zentraler Bestandteil des funktionierenden und wettbewerbsfähigen deutschen Arbeitsmarkts. Sie tragen in erheblichem Maße zur Beschäftigung bei. Befristungen mit und ohne Sachgrund bieten Arbeitssuchenden einen erfolgreichen Weg für einen Einstieg oder – gerade nach längerer Arbeitslosigkeit – Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Diese besonderen Chancen befristeter Arbeitsverträge dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Zudem machen befristete Arbeitsverhältnisse nur einen kleinen Teil der gesamten Beschäftigung in Deutschland aus. Trotz Anstiegs der Beschäftigung insgesamt, sinkt der Anteil an Befristungen. Neue Jobs sind eher unbefristet oder werden schnell entfristet. Schließlich sind Befristungen mit Sachgrund mit hohen Unsicherheiten für den Arbeitgeber verbunden, weil sie häufig nicht rechtssicher ausgestaltet werden können.

Fakt: Die sachgrundlose Befristung bietet einen Einstieg in Arbeit

  • Die Chance, direkt aus einer befristeten Beschäftigung mit oder ohne Sachgrund in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Zuletzt wurden 40 % der befristet Beschäftigten unmittelbar in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen (IAB, 2017).
  • Insgesamt erhalten fast drei Viertel der befristet Beschäftigten in ihrem Betrieb eine Anschlussbeschäftigung.
  • Das IAB hat festgestellt, dass ein höherer Anteil sachgrundloser Befristungen in einem Betrieb mit einer höheren Übernahmequote einhergeht. Das zeigt, dass das Ziel der Betriebe ist, regelmäßig langfristige Bindungen an ihre Arbeitnehmer zu knüpfen.
  • Vom Instrument der Befristung profitieren gerade Berufsanfänger und Berufsrückkehrer. Sie unterstützen einen schnellen Einstieg ins Berufsleben, entsprechend ist die Erwerbslosenquote der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland mit 5 % einer der niedrigsten in Europa (zum Vergleich EU: 10 %; Eurostat, 2017). Befristete Arbeitsverhältnisse bieten damit die Möglichkeit, Arbeitslosigkeit zu verhindern oder zu beenden. Sie ermöglichen soziale Teilhabe, die anderenfalls ausbliebe.

Irrtum: Befristete Beschäftigung verdrängt unbefristete Beschäftigung

  • Der Anteil der Befristungen an allen abhängigen Beschäftigungsverhältnissen liegt seit mehr als einem Jahrzehnt stabil unter 10 %.
  • Heute gibt es so viele unbefristete Arbeitsverhältnisse wie noch nie. Im Durchschnitt der letzten Jahre wächst ihr Anteil immer weiter.
  • Der Befristungsanteil ist dabei seit vielen Jahren rückläufig und 2016 auf unter 8 % gesunken (Statistisches Bundesamt, 2017).

Irrtum: Die freie Wirtschaft missbraucht das Instrument der Befristungen

  • Während der Befristungsanteil im öffentlichen Dienst bei 10,4 % liegt, liegt er in der Privatwirtschaft nur bei 6,7 % (IAB, 2015a). Das zeigt deutlich, dass Betriebe nicht wahllos auf die Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung zurückgreifen.
  • Über 60 % der Neueinstellungen in der Privatwirtschaft erfolgen unbefristet (IAB, 2015a).
  • Befristete Arbeitsverhältnisse finden sich insbesondere dort, wo Stellen von öffentlichen Haushalts- und Fördermitteln abhängen, wie im öffentlichen Dienst, in Universitäten und Forschungseinrichtungen. Für solche Arbeitgeber hat der Gesetzgeber einen eigenen Befristungsgrund geschaffen, den er privaten Arbeitgebern vorenthält.

Irrtum: Jeder zweite jüngere Beschäftigte ist befristet beschäftigt (OECD 2015)

  • Nur 21 % der unter 25-Jährigen haben einen befristeten Vertrag (IAB 2015a).
  • Die drastisch hohe Zahl der OECD rührt daher, dass sie die Auszubildenden einbezieht. Das ist irreführend, denn die Ausbildung endet automatisch mit der Prüfung und muss aus diesem Grund zwangsläufig befristet sein. Zudem sind gerade junge Menschen dank ihrer Ausbildung auf dem besten Weg in eine qualifizierte und dauerhafte Beschäftigung.

Rund drei Viertel der befristet Beschäftigten er­halten Anschlussperspektive im selben Betrieb

Anteil Übernahmen und Verlängerungen von befristeten Beschäftigten in %



Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2017


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BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

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T +49 30 2033-1400
August 2017