16.11.2017

MINT-Lücke erreicht mit 290.900 fehlenden Arbeitskräften neuen Rekordstand – Politik muss dringend gegensteuern

Den Unternehmen fehlten im September 290.900 Arbeitskräfte im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), ein Anstieg um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Diese „MINT-Lücke“ hat damit ein neues Allzeit-Hoch seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011 erreicht. Vor allem IT-Fachkräfte werden für die Gestaltung des digitalen Wandels in den Unternehmen händeringend gesucht.
Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln: „Die Zuwanderung hat seit Ende 2012 in starkem Maße zur MINT-Fachkräftesicherung beigetragen. Ohne das hohe Beschäftigungswachstum unter Ausländern in den MINT-Berufen würden heute zusätzlich 118.100 MINT-Kräfte fehlen. Erste Erfolge zeigen sich dabei auch bei der Zuwanderung von Akademikern aus Drittstaaten. Um langfristig den Beitrag der Zuwanderer zur Fachkräftesicherung zu stärken, sollte ein Einwanderungsgesetz die Regeln transparenter gestalten und Möglichkeiten zur potenzialorientierten Zuwanderung verbessern. Um Netzwerke zur Zuwanderung auch stärker im Osten zu schaffen, sollten die Studienplätze für international Studierende in den MINT-Fächern ausgebaut werden.“

Dr. Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall: „Die Digitalisierung stellt unsere Unternehmen vor große Herausforderungen. Um die Chancen dieser Technologie besser zu nutzen, brauchen wir mehr Fachkräfte und eine leistungsfähige Infrastruktur: Die Hochschulen sollten stärker ausbilden, um die Verfügbarkeit von IT-Experten flächendeckend zu sichern. Die Politik ist aufgefordert, den Breitbandausbau vor allem in ländlichen Regionen schneller voranzutreiben. Um die digitale Bildung an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen voranzubringen, muss der schon lange angekündigte Digitalpakt endlich umgesetzt werden.“

Thomas Sattelberger MdB, Vorstandsvorsitzender der Initiative „MINT Zukunft schaffen“: „Ein führendes Hightech-Land wie Deutschland ist wie kein anderes auf gut qualifizierte MINT-Fachkräfte angewiesen. Unser Ziel ist, dass Deutschland auch in 2030 und weit darüber hinaus Schrittmacher der weltweiten Innovationen bleibt. Die größer werdende MINT-Lücke zeigt: Es ist höchste Zeit, dass die Politik das Ruder herumreißt und diese gefährliche Abwärtsspirale durchbricht. Wir brauchen nicht nur die besten Informatiker, Ingenieure und Naturwissenschaftler, sondern auch eine hochkarätige Exzellenz-Initiative Berufliche Bildung und insbesondere eine Investitionsoffensive in erstklassige Berufsschulen. Die Berufsschulen dürfen nicht länger die Stiefkinder der Bildungspolitik sein, sondern müssen endlich auf Augenhöhe mit den allgemeinbildenden Schulen spielen.“

Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirt-schaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Bundesverbands der Deutschen Industrie, des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“.
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