28.05.2019

Mobiles Arbeiten nur auf freiwilliger Basis

BDA AGENDA | Thema der Woche
Mobiles Arbeiten ist ein Bestandteil der Arbeitswelt. Ein Rechtsanspruch darauf führt aber in die Irre

Die fortschreitende Digitalisierung trägt dazu bei, dass immer neue Möglichkeiten für mobiles Arbeiten entstehen. 61 Prozent aller Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern, die Option zum mobilen Arbeiten an. Bei den großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten beträgt der Anteil sogar 94 Prozent (Destatis 2017).

Agilität, um auch Kundenwünsche schnell zu erfüllen, wird zunehmend zum Grundprinzip in vielen Unternehmen. Dabei sind flexible Arbeitsorte auch eine wichtige Möglichkeit, dienstliche und private Verpflichtungen für die Beschäftigten zu vereinbaren. Solche Möglichkeiten lassen sich durch Anpassungen vor allem im Arbeitsrecht noch ausbauen. Das bestehende Arbeitsrecht weist zurück in die Zeit von Arbeiten 2.0. Es entspricht häufig nicht mehr den Möglichkeiten und Chancen von Arbeiten 4.0. Wer mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei Arbeitszeit und Arbeitsort unterstützen will, muss also an das Grundproblem heran: das Arbeitsrecht fit für die Zukunft und die Arbeitswelt 4.0 zu machen.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Diskussion über die Einführung eines Rechtsanspruchs auf mobiles Arbeiten in höchstem Maße künstlich und überflüssig. Die beiderseitige Motivation, mobiles Arbeiten und Homeoffice dort einzusetzen, wo es möglich und sinnvoll ist und wo es die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtert, würde durch einen starren Rechtsanspruch beseitigt.

Rechtsansprüche drohen zu einer Spaltung der Belegschaft zu führen, da nicht alle Beschäftigte einen Rechtsanspruch nutzen können, wie etwa Kraftfahrer oder Pflegekräfte. Auch Verwerfungen am Arbeitsmarkt können ausgelöst werden: Arbeitgeber, die schon heute erhebliche Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu rekrutieren, werden in diesem Bemühen zusätzlich behindert, wenn sich Berufsanwärter, motiviert von einem Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten eher für Beschäftigungen entscheiden, in denen dies möglich ist.

Verfassungsrechtlich fragwürdig

Was bleibt von der grundgesetzlich geschützten Unternehmerfreiheit? Die Ausgestaltung des Arbeitsortes muss sich ebenso wie die Arbeitszeit grundsätzlich nach den Wünschen und Anforderungen der Kunden richten. Sie stellen durch ihre Nachfrage den Betrieb und auch die Arbeitsleistung sicher. Das Weisungsrecht des

Arbeitgebers hinsichtlich des Arbeitsortes und der Arbeitszeit ist daher konstitutiv für die Arbeitsbeziehungen und verfassungsrechtlich abgesichert.

Ein solcher Rechtsanspruch würde weitere Fragen aufwerfen: Wie ist mit dem Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung umzugehen, wenn der Beschäftigte einen Rechtsanspruch auf Homeoffice hat, der Arbeitgeber gleichzeitig für die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften verantwortlich ist und daher zu Kontrollzwecken Zugang zur Wohnung des Beschäftigten, der im Homeoffice tätig wird, benötigt?

Es sind vielerlei gesetzgeberische Flankierungen zur Förderung des mobilen Arbeitens und Homeoffice denkbar, wie z. B. Erleichterungen im Bereich des Arbeitsschutzes und Klarstellungen im Bereich des Datenschutzes. Ein gesetzlicher Anspruch würde in keiner Weise der Förderung dieses Instruments dienen und neue Chancen der Digitalisierung in diesem Bereich abwürgen.