Presse-Information Nr. 048/2015

MINT-Lücke mit 164.400 auf Drei-Jahres-Höchststand: Ohne Zuwanderung wäre Lücke deutlich höher

Berlin, 15. Oktober 2015. Den Unternehmen fehlten im September 164.400 Arbeitskräfte im so genannten MINT-Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Dies ist der höchste Stand seit Herbst 2012. Ohne die Zuwanderung der letzten zwei Jahre von qualifizierten Fachkräften etwa aus Polen, Russland, Indien und Spanien würde die Lücke bei über 200.000 liegen.

Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter Kompetenzfeld Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, betont: „Qualifizierte MINT-Zuwanderung stärkt die Fachkräftebasis in Deutschland. Die Aufnahme der Flüchtlinge ist hingegen vor allem eine humanitäre Aufgabe. Um die Flüchtlinge in Arbeit zu integrieren, müssen Sprachkenntnisse und Qualifikationen verbessert werden. Die Herausforderung ist gewaltig: Allein für die schulpflichtigen Flüchtlinge werden zusätzlich 30.000 Lehrer benötigt. Dafür müssen auch pensionierte Lehrkräfte reaktiviert werden.“

Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender der Initiative „MINT Zukunft schaffen“, sagt: „Gerade weil die aktuelle Flüchtlingsmigration nur beschränkt zur MINT-Fachkräftesicherung beiträgt, brauchen wir neben der Ausschöpfung aller einheimischen Potenziale weiterhin Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Drittländern. Deutschland hat zwar eines der liberalsten Zuwanderungssysteme weltweit, aber die Umsetzung ist extrem verbesserungsbedürftig.“

Dr. Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, erklärt: „Leider bestätigt der aktuelle MINT-Herbstreport, dass die Rente mit 63 weiter die Engpässe bei den MINT-Beschäftigten verschärft. Es geht dabei vor allem um die Facharbeiter in den MINT-Berufen, die uns künftig mehr Probleme bereiten werden als die MINT-Akademiker. Ein halbes Jahr nach Einführung der neuen Regelung lag die Beschäftigung in dieser Berufsgruppe um 10.000 Personen niedriger als sie eigentlich hätte sein können.“

Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Bundesverbands der Deutschen Industrie, des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“.

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