27.05.2020

Digitalisierung der Arbeitswelt: Drei Lehren aus der Krise

Die Corona-Krise hat uns hart und unverhofft getroffen. Mit Pragmatismus, Kreativität und Flexibilität haben wir es geschafft, das Ausmaß der Krise abzufedern – ganz besonders, indem wir verstärkt auf digitale Lösungen setzen. Ohne digitale Tools und mobiles Arbeiten stünden wir heute deutlich schlechter da.
Kommentar der Woche, Angelique Renkhoff-Mücke

Wirtschaftlich, weil viele Unternehmen so ihre Aktivitäten (zumindest eingeschränkt) fortsetzen können. Gesellschaftlich, weil Home-Office dazu beiträgt, die Zahl der Infizierten möglichst niedrig zu halten. Und zuletzt ganz individuell, da private Verpflichtungen und die berufliche Tätigkeit unter einen Hut gebracht werden können.

Vor uns liegt noch ein langer Weg. Doch was können wir bereits jetzt aus der Krise lernen? Was möchten wir nach dieser Ausnahmesituation beibehalten? Diese Fragen haben wir als BDA-Digitalrat vergangene Woche mit dem Bundesarbeitsministerium in einem virtuellen Workshop diskutiert. Drei Punkte waren mir besonders wichtig:

Erstens: Es braucht kein Recht auf Home-Office. Mobiles Arbeiten wird in der Krise so intensiv genutzt wie nie zuvor. Nicht alle Aufgaben können von zu Hause aus erledigt werden. Wir sehen aber, dass es dort, wo es sinnvoll ist, auch genutzt wird. Beschäftigte und Unternehmen finden hier individuelle Lösungen. Das funktioniert hervorragend unbürokratisch und auf einer vertrauensvollen Basis.

Zweitens: Das deutsche Arbeitszeitgesetz gehört modernisiert. Nicht nur Unternehmen müssen flexibler agieren. Auch Beschäftigte möchten flexibler arbeiten dürfen. In der Corona-Krise zeigt sich einmal mehr, wie unzeitgemäß unsere gesetzlichen Vorgaben sind. Für viele Beschäftigte wäre es eine große Erleichterung, die eigene Arbeitszeit flexibler über die Woche verteilen zu können. Flexibles Arbeiten bedeutet schließlich nicht Mehrarbeit. Darüber hinaus setzen die starren elf Stunden Ruhezeit Grenzen, die von der Lebenswirklichkeit längst überholt sind. Wer am Nachmittag Homeschooling mit den Kindern macht, würde vielleicht gern abends länger arbeiten.

Zuletzt: Mehr Mut! Deutschland erlebt gerade einen digitalen Schub in der Arbeitswelt. Vieles, was jetzt funktioniert, ist allerdings nicht auf Dauer angelegt. Virtuelle Betriebsratsarbeit war z.B. über Jahre undenkbar. Jetzt klappt sie ganz unkompliziert. Das muss auch nach Corona möglich bleiben. In Deutschland steckt noch viel digitales Potential. Wir dürfen nicht in alte Muster zurückfallen, sondern müssen die richtigen Lehren aus der Krise ziehen. Hierzu gehört es auch mutig neue Wege zu gehen und Dinge einfach mal auszuprobieren – diesen Schwung sollten wir mitnehmen können und nicht nach der Krise wieder mit bürokratischen Auflagen abwürgen.