Digitalisierung

Die Digitalisierung erfasst weite Lebensbereiche und ist in vollem Gange. Das gilt auch für die Wirtschaft und die Arbeitswelt. Der Veränderungsprozess von Produktion und Dienstleistungen ist grundlegend und nachhaltig. Dies betrifft grundsätzlich jede Branche, jeden Betrieb und jeden Beschäftigten in Deutschland. Das gemeinsame Ziel von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften sollte es sein, das Wachstums- und Beschäftigungspotenzial, das in der Digitalisierung steckt, zu nutzen.
Unter Stichworten wie „Industrie 4.0“ oder „Arbeiten 4.0“ findet eine lebendige Diskussion der wirtschaftlichen Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung statt. Die Beschäftigtenperspektive ist dabei wichtig. Ebenso wichtig ist es, den Blick auf unternehmerische Anforderungen, Marktveränderungen, Kundenverhalten und Fragen der Wettbewerbsfähigkeit zu richten. Denn die Digitalisierung eröffnet für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen neue Chancen. Klar ist, dass Deutschland mit seiner robusten industriellen Basis, seiner Innovationskraft und seiner technologischen Stärke gut aufgestellt ist, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Sich der Digitalisierung zu verweigern und sie nicht als Chance zu begreifen, wäre dagegen ein sicherer Weg zum Wegfall vieler Arbeitsplätze.

Arbeitswelt 4.0 benötigt Arbeitszeit 4.0

Die betriebliche Praxis zeigt, dass das eindimensionale Arbeitszeitmodell, das dem Arbeitszeitgesetz zugrunde liegt, nicht mehr in das Zeitalter der Digitalisierung passt. Starre Regelungen zu Ruhezeiten, täglichen Höchstarbeitszeiten, Aufzeichnungspflichten und Ankündigungsfristen verursachen Probleme und spiegeln nicht mehr die Bedürfnisse von Beschäftigten wie Arbeitgebern. Durch eine gezielte Weiterentwicklung der gesetzlichen und tariflichen Regelungen kann hier neuer Spielraum geschaffen werden. Dabei sollte der deutsche Gesetzgeber den Rahmen nutzen, den ihm das EU-Recht bei der Gestaltung des nationalen Arbeitszeitrechts einräumt. Durch zeitflexibleres Arbeiten werden Einkaufs-, Produktions- und Vertriebsschritte im Betrieb produktiver und effizienter gestalten werden können. Beschäftigte erhalten vor allem mehr Souveränität, um Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Dies kommt dem zunehmenden Bedürfnis der Beschäftigten nach größerer Flexibilität entgegen.

Arbeitsteilung und Flexibilität fördern

Die Digitalisierung fördert und erfordert Arbeitsteilung und Spezialisierung. Spezialisierte Unternehmen erbringen ihre Arbeiten regelmäßig als Projektleistungen. Dazu ist die Vergabe von Werk- und Dienstverträgen genauso notwendig wie flexible Beschäftigungsformen, z. B. befristete Beschäftigung. Die Digitalisierung geht auch mit kurzfristigeren Schwankungen der Auftragslage einher. Beschäftigung wird deshalb stärker als bisher den Anforderungen schwankender Auftragslagen folgen müssen. Daher dürfen Instrumente der Aufgabenteilung, Spezialisierung und Flexibilisierung nicht eingeschränkt werden.

Digitale Kompetenz als Schlüsselqualifikation begreifen

Um die Digitalisierung meistern zu können, muss digitale Kompetenz als Schlüsselqualifikation begriffen werden. Wenn nicht möglichst viele Menschen auf dem Weg in die digitale Wirtschafts- und Arbeitswelt mitgenommen werden, droht eine Spaltung des Arbeitsmarkts zwischen digital Qualifizierten und digital Unqualifizierten. Dieser Gegensatz lässt sich auch für andere gesellschaftliche Bereiche prognostizieren: Ob im Job, als Verbraucher oder Bürger – digitale Kompetenz wird essentiell. Hier liegt die zentrale gesellschaftspolitische Herausforderung der nächsten Jahre: Allen Menschen muss die Teilhabe an der digitalen Welt ermöglicht werden. Dazu ist hauptsächlich eines vonnöten: Bildung. Digitalkompetenzen müssen zukünftig als Schlüssel- sowie Alltagskompetenzen begriffen werden. Dafür besteht ein Qualifizierungs- und Anpassungsbedarf auf allen Stufen des Bildungssystems. Der Sprung in die Industriegesellschaft brauchte eine alphabetisierte Gesellschaft. Eine moderne Gesellschaft wird sich keine digitalen Analphabeten leisten können.

Regelungsmöglichkeiten beim Datenschutz erhalten

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch das Datenaufkommen. Dementsprechend erleben wir auch einer Diskussion über die Gestaltung des Datenschutzrechts. Das ist insofern sinnvoll, als dass der Datenschutz an die rasante Entwicklung neuer Technologien und die weltweite wirtschaftliche Vernetzung anzupassen ist. Grundsätzlich sinnvoll ist es, das Datenschutzrecht in der Europäischen Union zu harmonisieren. Das sollte auch den Beschäftigtendatenschutz umfassen. Und auch das Datenschutzrecht muss sich den durch die Digitalisierung steigenden Flexibilitätserfordernissen stellen. Das heißt vor allem, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter insbesondere durch Betriebsvereinbarungen aber auch in Tarifverträgen konkrete datenschutzrechtliche Vereinbarungen treffen können müssen.
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