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Digitale Bildung – jetzt Durchbruch schaffen

Durch die Corona-Krise und die Schließung von Bildungseinrichtungen ist die Digitalisierung im Bildungsbereich neu ins Zentrum gerückt. Schulen mussten sich unvermittelt auf Online-Lernen umstellen. 66 Prozent der Lehrkräfte gaben an, dass ihre Schule auf diese Situation nicht gut vorbereitet war (Deutsches Schulbarometer April 2020). Den größten Nachholbedarf sahen die Lehrkräfte allerdings bei den eigenen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Lernformaten. Jede zweite Lehrkraft hatte nur zu wenigen ihrer Schülerinnen und Schüler regelmäßig Kontakt.  
 
DigitalPakt Schule zügig umsetzen 
 
Von den Mitteln des DigitalPakts Schule ist bislang nur ein Bruchteil abgerufen worden. Dabei ist es dringend notwendig, dass die Schulen gut mit IT-Infrastruktur ausgestattet werden; sie brauchen zudem belastbare Netze (W-Lan) und IT-Support. Teil des DigitalPakts ist die Lehrerfortbildung: Die Länder müssen ihre Lehrkräfte besser und gezielter als bisher für das digitale Lernen weiterbilden. Besonders wichtig ist der Einsatz digitaler Medien, die Nutzung von Lernplattformen und Lernmanagement-Systemen. Fortbildung ist dann effektiv, wenn sie nachgehalten und die Umsetzung begleitet wird. Lehrkräfte müssen zudem Möglichkeiten haben, sich online zu vernetzen, zu kooperieren und professionell weiterzuentwickeln. 
 
Digitale Grundbildung vermitteln 
 
Digitale Bildung ist heute Teil der Allgemeinbildung. Wer sie nicht hat, kann Informationen nicht einordnen, bewerten und selbstbestimmt nutzen. Schülerinnen und Schüler müssen von Anfang an und in allen Fächern mit und über digitale Medien lernen. Jeder junge Mensch soll ein grundlegendes Verständnis für die Digitalisierung und ihre technischen, sozialen und persönlichen Implikationen entwickeln. Lehrkräfte müssen ihre eigenen digitalen Kompetenzen weiter entwickeln, um die neuen Medien nutzen, Inhalte erstellen und den Umgang damit vermitteln zu können. Die Kultusministerkonferenz hat 2016 mit „Bildung in der digitalen Welt“ die digitalen Kompetenzen formuliert, die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen, und 2019 die dafür notwendigen Kompetenzen der Lehrkräfte in den Bildungsstandards ergänzt. Diese gilt es umzusetzen.  
 
Interesse an Informatik wecken 
 
Alle Schülerinnen und Schüler brauchen eine informationstechnische Grundbildung. Darüber hinaus sollte Informatik als Wahl- oder Profilfach an weiterführenden Schulen angeboten werden. Die Neugier und Begeisterung für die digitalen Möglichkeiten soll klischeefrei geweckt werden, auch im Blick auf die Berufs- und Studienorientierung der Jugendlichen. Die Länder müssen deutlich mehr Lehrkräfte für Informatik gewinnen bzw. aus- und fortbilden.   
 
Mit Digitalisierungsperspektive ausbilden 
 
Bei gewerblich-technischen wie bei kaufmännischen und dienstleistenden Berufsausbildungen ist eine Neuausrichtung auf eine verstärkte Prozess- und Digitalisierungsperspektive zu prüfen und ggf. berufsbezogen umzusetzen. Bei vielen Facharbeiterinnen und Facharbeitern in der Industrie z.B. gewinnen neben ihren traditionellen Aufgaben weitere Kompetenzen an Bedeutung wie das Beherrschen von Systemen mit dezentraler Intelligenz, Umgang mit und Analyse von Daten sowie das Sicherstellen eines störungsfreien Anlagenbetriebs. Für berufliche Bereiche, die bislang überwiegend „analog“ geprägt sind, ist es notwendig gezielt Möglichkeiten für technische Zusatzqualifikationen oder Qualifizierungsbausteine im Bereich der Digitalisierung zu schaffen. 
 
Weiterbildung flexibel gestalten  
 
Alle Beschäftigten unabhängig von Branche, Tätigkeit oder Hierarchiestufe müssen sich in immer kürzeren Abständen mit veränderten Arbeitsprozessen sowie neuen Technologien und Arbeitsaufgaben auseinandersetzen. Die Aneignung und Weiterentwicklung digitaler Kompetenzen ist Voraussetzung für die Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit. Unternehmen und Beschäftigte haben dies erkannt: Fast 80 Prozent der Beschäftigten sehen aufgrund technologischer Veränderungen die Notwendigkeit ihre eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.  Pro Jahr investieren die Unternehmen 33,5 Mrd. Euro in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten (IW: Weiterbildungserhebung 2017). Besonders effektiv und auf stetigem Wachstumspfad sind praxis- und arbeitsplatznahe „Training-on-the-Job“-Formate sowie digital gestützte flexible Weiterbildungsangebote, die zu den Bedarfen der Unternehmen und ihrer Beschäftigten passen. 
 
Digitale Bildung an der Hochschule fest verankern 
 
Digitalisierung schafft Instrumente zur Flexibilisierung und Individualisierung. Daher sollten in jedem Studiengang auch E-learning-Elemente zum Einsatz kommen. Auch als Gegenstand der Lehre ist die Digitalisierung in jedem Studiengang fest zu verankern. Digitale Kompetenzen werden für die Studierenden aller Fachrichtungen wichtiger und müssen curricular integriert werden. Damit dies gelingt, brauchen Lehrende an den Hochschulen das notwendige technische und didaktisch-methodische Know-how und müssen gezielt weitergebildet werden. Dies gilt auch für die Lehrerbildung. Hochschulen sollten zudem ihre Angebote an wissenschaftlicher Weiterbildung im Bereich der Digitalisierung zügig ausbauen, gerade angesichts des gestiegenen Bedarfs von Unternehmen und Beschäftigten.

Initiativen der BDA
  • Trägerschaft der halbjährlich veröffentlichten MINT-Reports (mit IW und Gesamtmetall)
  • Mitgliedschaft im Nationalen MINT-Forum
  • Futurework Convention & Festival mit Microsoft 
  • BDA-Digitalrat beim BDA-Präsidium
  • Deutscher Arbeitgeberpreis für Bildung 2020 „Geht nicht – gibt’s nicht. Bildungseinrichtungen zeigen und fördern Problemlösekompetenz“ z. B. Umgang mit Schulschließungen
  • Future Skills Initiative im Netzwerk Berufswahl-SIEGEL 
  • Aktive Mitwirkung in der Bundestags-Enquetekommission „Berufliche Bildung in der digitalen Welt“

Zahlen und Fakten

  • Nur 23,3 Prozent der Lehrkräfte von Achtklässlern setzen täglich digitale Medien im Unterricht ein. Deutschland liegt hier deutlich unterhalb des internationalen Mittel­werts (47,9 Prozent) und des Vergleichswerts der teil­nehmenden EU-Länder (47,6 Prozent), auch wenn positiv zu vermerken ist, dass der Anteil gegenüber 2013 mit 9,1 Prozent gestiegen ist (Quelle: ICILS 2018).
  • 66 Prozent der Lehrkräfte sagten, dass ihre Schule nicht gut auf die aktuelle Situation vorbereitet war. 69 Prozent gaben an, der größte Verbesserungsbedarf bestehe in den Kompetenzen der Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Lernformaten (Quelle: Deutsches Schulbarometer April 2020).
Quellen: ICILS 2018, Deutsches Schulbarometer April 2020

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Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Bildung | Berufliche Bildung
T +49 30 2033-1500
August 2020