Marktplatzveranstaltung am 4. Juni 2011

Migration. Qualifikation. Integration – Kulturelle Vielfalt und berufliche Perspektiven

Die Podiumsteilnehmer aus Diakonie, Wirtschaft, Schule und Politik waren sich insgesamt einig: Die Versäumnisse der Vergangenheit führen heute zu enormen Herausforderungen im Bildungs- und Sozialbereich. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssen dringend Rahmenbedingungen verändert und Finanzierungslösungen gefunden werden.

Ein Teil der Schüler mit Migrationshintergrund beherrscht kaum die deutsche Sprache richtig. Ein anderer Teil hat hohe Fehlzeiten in der Schule, weil sie ihre Eltern bei Arztbesuchen und Behördengängen als Dolmetscher begleiten müssen. Sie brechen häufiger die Schule ab und haben weitaus schlechtere berufliche Chancen als Schüler ohne Migrationshintergrund. Nur einem Drittel gelingt der Übergang in die Berufsausbildung, beschrieb Frau von Wysocki die aktuelle Situation. Herr Clever bestätigte auf ihre Nachfrage, dass bei den Arbeitgebern noch ein Umdenken erfolgen muss, dass auch Bewerber mit einem ausländischen Namen gute Noten und Potenziale haben.

Frau Dr. Stange war früher selbst als Lehrerin beruflich tätig. Auch für ihr Unterrichtsfach Mathematik stellte sie fest, dass für das Verstehen und für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Beherrschung der deutschen Sprache von großer Bedeutung ist. Ebenso wie Herr Wiethaup forderte sie den flächendeckenden Einsatz von Schulsozialarbeitern. Schulsozialarbeiter können durch einen sensiblen Umgang mit den Jugendlichen viele Nachteile abwenden.

Mit Stärkung der frühkindlichen Bildung, kleineren Gruppen in Kindertagesstätten, kleineren Klassenstärken in den Schulen, Ganztagsunterricht, individueller Förderung und sozialpädagogischer Begleitung benannten Herr Stockmeier und Herr Clever Maßnahmen, die bereits in der Vergangenheit gezeigt haben, dass so unterstützt eine Integration der jungen Menschen mit Migrationshintergrund gelingen kann.

Dabei ist wichtig, als Lehrkräfte, Berufsberater, Sozialarbeiter und Betreuer auch Mitarbeiter einzusetzen, die selbst einen Migrationshintergrund haben und so eher Akzeptanz und einen Zugang zu den Jugendlichen finden. Sie können Vorbilder sein, dass sich die Anstrengung des Lernens lohnt. Und sie können mit ihren Sprachkenntnissen die Elternarbeit unterstützen, denn erst an wenigen Schulen kommen bereits Dolmetscher zum Einsatz. Die bundesweite Umsetzung dieser Maßnahmen hängt von der Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen ab.

Aus Sicht von Frau Dr. Stange ist die Lehramtsausbildung an die Anforderungen, die eine interkulturelle Schule und auch die interkulturelle Berufsorientierung mit sich bringen, anzupassen. Zusätzlich ist das aktuelle Weiterbildungsangebot der Lehrkräfte zu erweitern. Für die Finanzierung der beschriebenen Maßnahmen ist über eine Umverteilung der öffentlichen Mittel nachzudenken. Das aktuelle Zurückfahren der Fördergelder im Bereich der aktiven Arbeitsmarktförderung oder auch das abrupte Beenden erfolgreicher Projekte sei der falsche Weg.

Das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT kann Klein- und Mittelständischen Betrieben mit seiner fachlichen Expertise helfen, partnerschaftlich zwischen Schulen und Betrieben Brücken zu bauen und die interkulturelle Berufsorientierung zu fördern.
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