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Dokumentation

Forum „Herausforderung demografischer Wandel – Perspektiven für eine alternde Gesellschaft“

„Die alternde Gesellschaft ist eine Chance, die wir ergreifen müssen!“

Unser erstes Forum auf dem 2. ÖKT startete mit einem Thema, das seit einigen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit erfährt: Der demografische Wandel. Auf unserem Podium diskutierten Dr. Bernd Britzke, Institutsleiter Deutsche MTM-Vereinigung, Annelie Buntenbach, Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand Deutscher Gewerkschaftsbund und Dr. Ing. Hans-Joachim Wolff, Vorstandsvorsitzender Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Dr. Peter Janßen, Geschäftsführer in der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW, moderierte die Runde.

Herr Janßen startete die Runde mit einer positiven Botschaft: In den vergangenen fünf Jahren ist die Erwerbstätigenquote älterer Menschen von rund 45 Prozent auf gute 55 Prozent angestiegen. Damit liegt Deutschland über dem OECD-Durchschnitt. Das freute auch Annelie Buntenbach, die es begrüßte, dass heute mehr Menschen länger in Lohn und Brot bleiben können. Herr Wolff betonte, es müsse trotzdem noch mehr in die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer investiert werden. Das betrifft nicht nur, aber hauptsächlich die Arbeitgeber, denn die Gestaltung der Arbeitsplätze hängt von den Unternehmen ab. Er unterstrich in diesem Zusammenhang, dass die DGUV die Unternehmen in diesen Fragen berät. Das ist vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen wichtig, die teilweise gar nicht wissen, welche Werkzeuge und Methoden es in diesem Bereich gibt und welche sinnvoll sind. Die Bandbreite ist groß. In einem sind sich alle einig: Es gibt zwar einige Unternehmen, auch kleine und mittlere, die als Leuchttürme mit guten Systemen zur Optimierung der Arbeitsabläufe voran gehen, doch muss mehr getan werden. Dabei sind auch die Arbeitgeberverbände gefragt, die Angebote der DGUV verstärkt an die Mitgliedsunternehmen zu transportieren.

Herr Wolff stellte neben der Bedeutung von ergonomischen Arbeitsplätzen insbesondere auch das psychische Wohlergehen und die Freude an der Arbeit der Mitarbeiter in den Vordergrund. Um dem demografischen Wandel effektiv zu begegnen, müssten die Unternehmen alles daran setzen, optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen – nicht nur für ältere Arbeitnehmer, auch für die jungen Mitarbeiter. Wenn die Jüngeren effektiv arbeiten, kommt dies auch den Alten zu Gute. Letztlich ist es ein Dreiklang aus Prävention, Gesundheitsmanagement und auch der Wiedereingliederung von zeitweise arbeitslosen Menschen in den Betrieb, die eine optimale Nutzung aller Potentiale gewährleistet. Herr Dr. Britzke unterstrich, dass sich der einzelne Mitarbeiter selbst darüber im Klaren sein muss, dass es an ihm liegt, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.

Das zweite große Thema des Forums war die Frage, wie sich die Tarifpartner an der Bewältigung der Herausforderung des Demografischen Wandels beteiligen können. In einigen Branchen gibt es bereits eigene Tarifverträge, die den demografischen Wandel in den Blick nehmen. Die Tarifpartner verpflichten sich unter anderem dazu, Altersstrukturanalysen durchzuführen, Modelle zum gleitenden Übergang zu entwickeln und Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Gerade die chemische Industrie sticht in diesem Bereich als gutes Beispiel hervor.

Für Frau Buntenbach können tarifliche Lösungen allerdings nur eine Begleitung sein, sie fordert eine Flankierung mit gesetzlichen Regelungen. Bei Herrn Wolff stößt dieser Vorschlag auf Skepsis. Für ihn ist der betriebliche Konsens am Besten. Denn nur so können optimale branchenspezifische Lösungen entwickelt werden, sonst müssten die Gesetze auf die einzelnen Branchen runter gebrochen werden.

Auf die letzte Frage, „Wo stehen wir in zehn Jahren? Wie sieht unsere Arbeitswelt dann aus?“ gaben alle Diskutanten sehr unterschiedliche Antworten. Der Arbeitswissenschaftler Britzke wünscht sich, dass die Leistungsforschung verstärkt weiterentwickelt wird, da Leistung immer wichtiger wird. Er hält es für äußerst wichtig, dass die Jugend für die neuen, anspruchsvollen Aufgaben von heute fit gemacht werden. Dazu braucht es Wissen und Leistungsbereitschaft. Er schaut guten Mutes nach vorn. Anders Frau Buntenbach, sie fürchtet eine Aufspaltung der Gesellschaft in zwei Lager und sieht es als wichtige Aufgabe der Gewerkschaften an, den Bereich der so genannten „Guten Arbeit“ zu vergrößern. So hält sie ein Anreizsystem für Arbeitgeber für sinnvoll, dass gute, langfristige Arbeitsbedingungen belohnt.
Am positivsten blickte Herr Dr. Wolff in die Zukunft. Er sieht in der alternden Gesellschaft eine Chance für uns alle, die wir ergreifen sollten. Er ist sich sicher: Er muss ein Gesamtkonzept aus mehr Qualifizierung, mehr Flexibilität und mehr Investitionen in den Gesundheitsschutz her.
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