Pressekonferenz am 24. November 2010

Aktionsplattform Familie@Beruf.NRW gestartet

Zum Startschuss der neuen Aktionsplattform "Familie@Beruf.NRW" sprach sich der Präsident der Unternehmerverbände NRW Horst-Werner Maier-Hunke für eine familienfreundliche Personalpolitik in den Unternehmen aus. Finden Sie hier das Statement im Wortlaut:

"Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie liegt mir seit vielen Jahren am Herzen. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftebedarfs gewinnt dieses Thema weiter an Bedeutung. Staat, Unternehmen und Beschäftigte müssen hier an einem Strang ziehen.

Vor allem kommt es darauf an, qualifizierten Frauen den Zugang in die Arbeitswelt weiter zu erleichtern. Frauen unterbrechen in der Regel ihre Erwerbsphasen deutlich länger aus familiären Gründen als Männer. Diese familienbedingten Erwerbsunterbrechungen müssen verkürzt werden - auch damit erworbene Qualifikationen nicht veralten. Dies ist im Übrigen das beste Mittel, um die vielfach beklagte, häufig aber überschätzte Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen.

Familienfreundlichkeit ist bereits heute für zahlreiche Unternehmen ein wesentlicher Faktor im Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Ich freue mich daher, dass wir heute gemeinsam diese Aktionsplattform vorstellen. Und ich bin Ihnen, Frau Ministerin, dankbar, dass Sie die von Ihrem Vorgänger gestartete Initiative weiter vorantreiben.

Es gibt für Arbeitgeber zahlreiche Möglichkeiten, Beschäftigte - Frauen und Männer - in der Familienphase zu unterstützen. Viele Unternehmen tun dies bereits! Oft erweisen sich dabei die kleinen Hilfestellungen und unbürokratische Lösungen im betrieblichen Alltag als besonders effektiv.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf zahlt sich aus


Dass familienfreundliche Personalpolitik sich auch für kleine und mittlere Unternehmen auszahlt, hat sich herumgesprochen.
Laut IW messen inzwischen messen vier von fünf Unternehmen (80 Prozent) dem Thema Familienfreundlichkeit eine hohe Bedeutung bei. Im Jahr 2003 taten dies lediglich 46 Prozent. Um Mitarbeitern mit Kindern oder pflegebedürftigen Eltern entgegenzukommen, haben die meisten Unternehmen variable Arbeitszeitmodelle. So bieten fast 80 Prozent der Betriebe Teilzeitarbeitsplätze an. Sieben von zehn Unternehmen setzen auf flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten.

Auch die Unterstützung von Beschäftigten während der Elternzeit hat stark zugenommen. Gut jedes dritte Unternehmen hat Einarbeitungsprogramme für Wiedereinsteiger entwickelt. Jeder vierte Betrieb sichert über Patensysteme den Informationsfluss zu Mitarbeitern in Elternzeit. Und 60 Prozent der Betriebe ermöglichen während der Elternzeit temporäre Vertretungseinsätze oder Teilzeitarbeit.
Dennoch bleibt noch einiges zu tun. Auf der neuen Aktionsplattform präsentieren Unternehmen erfolgreiche Modelle und machen ihre Erfahrungen für andere zugänglich. Insbesondere die zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen in NRW können von solchen guten Beispielen profitieren.

Wir werden bei unseren Mitgliedern dafür werben, die Informationen zu nutzen und sich an dem Unternehmensnetzwerk zu beteiligen. Auch in der Expertengruppe, welche die Aktionsplattform inhaltlich begleitet, arbeiten wir gerne und intensiv mit.

Mehr Flexibilität


Von zentraler Bedeutung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ist und bleibt die Kinderbetreuung. Hier ist zunächst der Staat gefragt, seine Betreuungsangebote weiterzuentwickeln. Moderne Kinderbetreuung muss hochwertig und zuverlässig sein. Sie muss aber ‐ und das will ich hier ausdrücklich betonen - auch flexibel sein und dem Bedarf von Beschäftigten und Unternehmen gerecht werden.
Bei der geplanten Revision des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) sollten daher nicht nur quantitative Verbesserungen, etwa bei der Betreuung unter 3-jähriger, angestrebt werden. Ebenso wichtig sind flexible Nutzungsmöglichkeiten der gebuchten Betreuungszeiten! Betreuungszeiten müssen sich ein Stück weit auch an den Arbeitszeiten von Müttern und Vätern orientieren.
Viele Kooperationen von Unternehmen mit Betreuungseinrichtungen sorgen bereits für zusätzliche Flexibilität, z. B. in den so genannten „Randzeiten“ früh morgens und am Nachmittag. Solche Kooperationen müssen gefördert werden. Sie dürfen nicht durch gesetzliche Einschränkungen behindert werden.

Manchmal würde ich mir auch etwas mehr Beweglichkeit bei den zuständigen Behörden wünschen. Nicht selten scheitern nämlich innovative Projekte unternehmensnaher Kinderbetreuung an einer restriktiven Genehmigungspraxis.

Verbände engagieren sich in der frühkindlichen Bildung


Für die Arbeitgeberverbände ist die frühkindliche Bildung schon seit längerem eine wichtige Aufgabe. Im Rahmen unserer Projekte zur Förderung der MINT-Bildung (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) haben wir in den letzten Jahren rund 4.000 Erzieherinnen weiterqualifiziert. Diese beziehen nun naturwissenschaftliche Experimente in ihre vorschulische Bildungsarbeit ein.

Wirtschaft ein verlässlicher Partner


Zahlreiche Kindergärten in NRW verfügen über Vorlesebibliotheken, die von den regionalen Arbeitgeberverbänden gestiftet wurden. Qualifizierte Vorlesepaten engagieren sich ehrenamtlich in diesen Einrichtungen und tragen so auch zur Sprachförderung bei.
Sie sehen also, Frau Ministerin, bei der Verbesserung der vorschulischen Bildung und einer flexiblen Kinderbetreuung haben Sie in der Wirtschaft einen engagierten Partner."
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