Psychische Gesundheit

Wenn über den Anstieg psychischer Krankheitsdiagnosen berichtet wird, dann in aller Regel negativ. Dabei ist dieser Anstieg bei näherer Betrachtung nichts anderes als die logische Konsequenz einer geglückten Enttabuisierung, dank der Betroffene heute bereit sind, sich ihren gesundheitlichen Problemen zu stellen und sich gegenüber Ärzten zu öffnen. Die Arbeitgeber haben diesen Prozess der Enttabuisierung 2013 mit der „Gemeinsamen Erklärung zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt“ zusammen dem Bundesarbeitsministerium und dem DGB bewusst angestoßen. Sie fördern auch weiter den bewussten Umgang mit psychischer Gesundheit in den Unternehmen.

Vielfältige Ursachen für psychische Erkrankungen

Arbeit ist niemals alleinige Ursache für eine psychische Erkrankung (Windemuth, 2014). Psychische Erkrankungen entstehen aus einem Zusammenspiel unserer Biologie (z. B. genetische Veranlagungen), sozialen Faktoren (z. B. elterliche Erziehung), unserer Psyche (z. B. Bewältigungsstrategien bei Konflikten) und starken Stressfaktoren (z. B. ein schwerer Unfall). Daher sind psychische Erkrankungen auch keine Berufskrankheit. Typische Erkrankungen sind Depressionen, Angststörungen oder auch Alkoholabhängigkeit. Burnout ist dagegen keine psychische Erkrankung (auch nicht nach ICD-11), sondern ein Faktor, der die Entwicklung psychischer Erkrankungen beeinflussen kann.

Eine Reihe von Studien zeigt, dass psychische Erkrankungen in der Gesellschaft nicht zunehmen (u.a. Jacobi, Höfler & Strehle et al., 2014; Jacobi & Linden, 2018). Der Wandel der Arbeit bringt also nicht mehr psychische Erkrankungen mit sich (Zielke, 2017). Ursache für den Anstieg der Diagnosen und Frühverrentungen ist vielmehr die gestiegene Akzeptanz von psychischen Erkrankungen (Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung, 2018).

Dennoch möchten Arbeitgeber mögliche negative Einflüsse aus der Arbeit auf die psychische Gesundheit so gering wie möglich halten oder möglichst ganz vermeiden. Daher steht für sie eine gute Arbeitsgestaltung im Mittelpunkt.

Engagement der Arbeitgeber zahlt sich aus

Das erfolgreiche Engagement der Arbeitgeber in diesem Bereich zeigt sich z. B. darin, dass Arbeitstempo und Termindruck sich seit 2005 stetig (Eurofound, 2015) verringern: Während 2005 noch 32 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland angaben, (fast) die ganze Zeit in einem hohen Arbeitstempo zu arbeiten, lag der Anteil 2015 nur noch bei 20 Prozent. Gleiches gilt für den Termindruck. Im Jahr 2005 gaben noch 28 Prozent der Beschäftigten an, (fast) die ganze Zeit unter hohem Termindruck zu arbeiten. 2015 waren es nur noch 22 Prozent. Auch im europäischen Vergleich arbeiten die Beschäftigten in Deutschland mit weniger Zeitdruck als andere Länder. Diese Ergebnisse bestätigt eine repräsentative Erwerbstätigenbefragung (Brodersen & Lück, 2017), die zeigt, dass die große Mehrheit der Beschäftigten ausreichend Zeit für ihre Aufgaben haben. Dies gilt insbesondere für Führungskräfte. Auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen lässt sich kein Anstieg der Belastungsfaktoren feststellen, im Gegenteil, Arbeit unter Zeitdruck sinkt seit 2015 kontinuierlich (Fischmann, 2019). Ein Großteil der Erwerbstätigen in Deutschland (87 Prozent) und auch in der EU (85 Prozent) haben zudem immer oder meistens das Gefühl, sinnvolle Arbeit zu verrichten (Eurofound, 2015).

BDA engagiert sich für mehr Unterstützung der Betriebe

Die Betriebe müssen durch konkrete Hilfestellungen im Umgang mit psychischer Belastung unterstützt werden. Gesetzliche Maßnahmen schaffen nur unnötige Bürokratie und Unsicherheit beim Umgang mit dem Thema im Betrieb.

Die Sozialpartner engagieren sich daher zusammen in der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie, die verständliche und kostenfreie Handlungshilfen, Praxistipps und Umsetzungsempfehlungen zum Arbeitsschutz herausgibt. Die BDA arbeitet zudem mit den Experten von psyGA zusammen („psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“, ein Projekt der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)), welches ebenfalls praxisnahes Wissen verständlich aufbereitet zur Verfügung stellt. Nicht zuletzt unterstützt die BDA verschiedenste Projekte z. B. des RKW Kompetenzzentrums und der Offensive Mittelstand, die sich besonders mit Veränderungen und psychischer Gesundheit im Rahmen von Digitalisierung, Arbeit 4.0 bzw. Wandel der Arbeit bei kleinen und mittelständischen Unternehmen beschäftigen.

Zudem unterhält die BDA eigene Netzwerke und Plattformen, in denen sich Arbeitgeber und Arbeitgebervertreter regelmäßig zu Fragen der psychischen Gesundheit und der beschäftigungsorientierten Arbeitsgestaltung austauschen und den Kontakt zu Forschern und Experten pflegen.
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