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Wirtschaft und Ethik - kein Widerspruch!

In der öffentlichen Debatte wird häufig ein Gegensatz zwischen Wirtschaft und Ethik konstruiert. Unternehmen wird Ignoranz gegenüber sozialen, ökologischen und humanitären Fragen vorgeworfen. Dies wird durch falsche – oft auf Irrtümern und Missverständnissen beruhende – Behauptungen befördert.

Fakt: Die Wirtschaft übernimmt Verantwortung.
  • Bei der überwältigenden Mehrzahl der deutschen Unternehmen ist gesellschaftliches und soziales Engagement fest in der Unternehmenskultur verankert.
  • Gesellschaftliche Verantwortung ist zu einem Wettbewerbsfaktor geworden: bei der Innovationsfähigkeit, dem Risikomanagement, der strategischen Ausrichtung, der Marktposition und der Motivation der Mitarbeiter.
  • Zahlreiche Unternehmen haben sich freiwillig Leitlinien gegeben, die eine ethische Unternehmenskultur fördern und zu verantwortlichem und nachhaltigem Handeln ermutigen. Die Integration von Werthaltungen in die Governance-Strukturen des Unternehmens ist eine wichtige Aufgabe des Managements.
  • Mit der Orientierung an international anerkannten Leitlinien (z. B. den OECD-Guidelines) stecken international operierende Unternehmen den Rahmen für verantwortungsvolles Handeln im Ausland ab.
  • Zum Schutz der natürlichen Ressourcen sowie von Klima und Umwelt leisten Unternehmen durch Innovationen und neue Technologien einen wichtigen Beitrag, um die Lebensbedingungen nachfolgender Generationen zu erhalten.
Fakt: Arbeitgeber genießen großes Vertrauen.
  • Die Soziale Marktwirtschaft zeichnet sich neben bestehenden Wettbewerbsregeln durch eine Ethik der Verantwortung als Schranke gegen Kontrollverlust und Maßlosigkeit aus. Hier setzen die verschiedenen Kodizes und Leitbilder der deutschen Wirtschaft an.
  • 82 % der Deutschen bringen ihrem eigenen Arbeitgeber sehr großes Vertrauen entgegen: In einem Ranking zur Vertrauenswürdigkeit von Institutionen erreichen die Arbeitgeber in Deutschland die höchste Platzierung – noch vor Ärzten, der Polizei oder Gerichten (Forsa-Institut, 2016).
Irrtum: Gewinne sind unmoralisch.
  • Die erste Aufgabe von Unternehmen besteht darin, die Menschen mit guten und preisgünstigen Produkten zu versorgen.
  • Gewinne sind nötig, denn sie signalisieren, dass das Unternehmen die richtige Strategie am Markt hat.
  • Gewinne ermöglichen Spielraum für Forschung und Innovationen, bilden somit das Fundament für den weiteren Erfolg des Unternehmens und sind für die Sicherung von Arbeitsplätzen notwendig.
  • Was ökonomisch unvertretbar ist, kann nicht moralische Pflicht sein: Betriebswirtschaftlich unverantwortliche Entscheidungen können ein Unternehmen gefährden.
  • Gewinne sind unter der Einhaltung gültiger Regeln und Standards zu erwirtschaften. Schädigendes Verhalten wie z. B. Umweltzerstörung, Korruption oder Ausbeutung darf nicht toleriert werden.
  • Um für Investoren attraktiv zu sein, muss ein Unternehmen die Aussicht auf Gewinne bieten.
Irrtum: Unternehmen handeln bei Produktionsverlagerungen ins Ausland rücksichtslos und vernichten Arbeitsplätze in Deutschland.
  • Grundsätzlich gilt: Als exportorientiertes Land profitiert Deutschland gesamtwirtschaftlich von der Globalisierung außerordentlich stark – auch bei der Beschäftigung.
  • Die deutsche Wirtschaft steht zum Standort Deutschland. Strukturwandel, Wettbewerb und globale Arbeitsteilung machen allerdings ständig Anpassungen und eine Weiterentwicklung der Unternehmen notwendig. Um Zugang zu ausländischen Märkten zu erhalten, die Wettbewerbsfähigkeit und damit langfristig Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, ist die Verlagerung von Teilen der Produktion ins Ausland in vielen Fällen unumgänglich.
  • Eine größere Präsenz auf ausländischen Märkten stärkt die Unternehmen, sichert und schafft Arbeitsplätze in Deutschland.
  • Eine pauschale Verurteilung der Unternehmen ist fehl am Platz – denn: Sind Arbeitsplätze an einem Ort moralisch höherwertig als an einem anderen? Nicht zu vergessen: Auch ausländische Unternehmen schaffen Arbeitsplätze in Deutschland.
  • Investitionen in anderen, oft ärmeren Ländern schaffen dort Arbeitsplätze und fördern zugleich die wirtschaftliche und soziale Entwicklung.
Irrtum: Hohe Managergehälter sind moralisch unvertretbar.
  • In Unternehmen muss das Prinzip von Leistung und Gegenleistung gelten. Nur wer Leistung erbringt, kann dafür eine entsprechende Entlohnung erhalten. Dieses Prinzip ist auf alle Beschäftigten – ganz gleich, ob einfacher Angestellter oder Top-Manager – anzuwenden.
  • Über die Höhe der Gehälter von Managern haben die Firmen selbst zu entscheiden, der Staat bzw. die Politik ist hierfür nicht zuständig.
  • Der allergrößte Teil der Manager und Betriebsräte tut alles für das Wohl ihrer Unternehmen. Aber es gibt – hier wie da – schlechte Beispiele. Deren Fehlverhalten muss Konsequenzen haben, darf aber keinesfalls pauschal dem ganzen Berufsstand angelastet werden.
  • Manager müssen für Fehlentscheidungen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Initiative „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“

Das „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“, das durch das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik moderiert wird, haben 46 Unternehmen und acht Organisationen, darunter auch die BDA, unterzeichnet. Es enthält u. a. Positionen zu folgenden „Konfliktthemen“:

  • Gewinne und Moral
  • Stellenabbau
  • Managervergütung
  • Regelverletzungen
  • Interessensvertretung

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Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

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November 2018