28.05.2007

FLEXICURITY: Europas Arbeitsmärkte modernisieren – Mehr Sicherheit durch größere Beschäftigungschancen

Europa braucht eine Politik, bei der mehr Beschäftigungssicherheit für die Arbeitnehmer durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Vordergrund steht. Ziel muss es sein, dass Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz verlieren, schneller als bisher wieder in eine neue Beschäftigung kommen. Flexicurity bedeutet, Menschen Sicherheit durch mehr und neue Beschäftigungschancen zu geben, anstatt sich auf den Schutz des einzelnen Arbeitsplatzes zu beschränken, erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände heute in Berlin.

Flexicurity ist zur Priorität der deutschen Ratspräsidentschaft geworden. Gemeinsam mit den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden der kommenden EU-Präsidentschaften, Portugal und Slowenien, sowie Dänemarks hat die BDA die Kernelemente einer europäischen Flexicurity-Strategie herausgearbeitet:
    • Ein einfaches, transparentes und berechenbares Arbeits­recht, das eine flexible und rasche Anpassung der Unter­nehmen ermög­licht und damit den Auf­bau von Beschäftigung fördert;
    • eine effiziente Arbeitsmarktpolitik, die Arbeitslose früh­zeitig aktiviert und sie schnell wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert;
    • nachhaltig finanzierbare soziale Sicherungssysteme, die dem Einzelnen eine zuverlässige Basis­sicherung bei Arbeitslosigkeit gewährleisten und einen Fall ins Bodenlose verhindert; sowie
    • moderne und lebenslange Weiterbildungsformen, die die Innovations- und Wettbe­werbsfähigkeit der Unternehmen bzw. die Be­schäftigungsfähig­keit der Arbeitnehmer fördern.
Repräsentative Studien zeigen, dass in Ländern mit einem rigiden Arbeitsrecht und einer überproportional hohen Langzeitarbeitslosigkeit die Arbeitnehmer auch die größte Angst vor Arbeitslosigkeit haben. Demgegenüber haben Arbeitnehmer viel weniger Angst vor Arbeitslosigkeit in denjenigen Ländern, die ein flexibles und modernes Arbeitsrecht haben, das die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützt nstatt sie zu behindern.

Sieben von zehn EU-Bürgern bejahen zudem die Aussage, ‚dass Arbeitsverträge flexibler werden sollen, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu erleichtern’ (Eurobarometer 2006). Dieses repräsentative Ergebnis beweist, dass die EU-Bürger genau wissen, dass Beschäftigungsaufbau nur möglich ist, wenn Neueinstellungen nicht zum unkalkulierbaren Risiko für den Arbeitgeber werden. Angesichts dieser hohen Zustimmung ist es unverständlich, wenn die Politik vor der notwendigen Flexibilisierung des Arbeitsrechts zurückschreckt.

In der globalisierten Wirtschaft ist die schnelle Anpassungsfähigkeit an neue Wettbewerbssituationen und Markterfordernisse überlebenswichtig; nur so können auch möglichst viele Jobs in Deutschland gehalten werden. Die EU-Staaten sollten politisch jetzt die Weichen für moderne Arbeitsmarktverfassungen stellen, die den notwendigen sozialen Schutz mit der erforderlichen Beweglichkeit am Arbeitsmarkt verbindet.

PRESSE - INFORMATION Nr. 44 / 2007, 28.05.2007
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