04.07.2011

BDA und DGB: Bessere Kinderbetreuung statt Betreuungsgeld

Anlässlich der Anhörung im Deutschen Bundestag zur Einführung eines Betreuungsgeldes erklären BDA und DGB:
Statt ein Betreuungsgeld einzuführen, sollten die Mittel besser in den dringend erforderlichen Ausbau der Kinderbetreuung investiert werden. Das Betreuungsgeld widerspricht den Zielen der Bundesregierung, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern und den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Es würde vielmehr längere berufliche Auszeiten nach sich ziehen, die finanziellen Vorteile einer Erwerbstätigkeit aber verringern. Die Karriere- und Einkommenschancen verschlechtern sich, wenn Eltern über längere Zeit nicht erwerbstätig sind.

Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, erklärt: „Die Einführung des Betreuungsgeldes wäre eine bildungspolitische Katastrophe. Gerade für Eltern aus einkommensschwachen Haushalten ist das ein starker finanzieller Anreiz, ihre Kinder nicht in eine Kita zu schicken. Das belegen die Erfahrungen aus Norwegen und Thüringen. Das nimmt aber gerade den Kindern Chancen einer frühen Förderung, auf die viele angewiesen sind. Mit dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz hingegen haben Mütter und Väter endlich echte Wahlfreiheit, sich auch für Familie und Beruf zu entscheiden. Doch der Ausbau der Kitaplätze geht nur schleppend voran. Die Bundesregierung muss deshalb die jährlich für das Betreuungsgeld vorgesehenen 1,9 Milliarden Euro in den Krippenausbau investieren.“

Alexander Gunkel, Mitglied der BDA-Hauptgeschäftsführung, sagt: „Während mit dem Ausbau der Kinderbetreuung die frühzeitige Rückkehr in den Beruf nach der Elternzeit gefördert wird, setzt das Betreuungsgeld Fehlanreize für längere Erwerbsunterbrechungen. Dabei sind die Unternehmen gerade auf das Potential von Frauen angewiesen. Wir können uns die Förderung langer familienbedingter Auszeiten nicht leisten, wenn wir den Fachkräftemangel reduzieren, Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern abbauen und mehr Frauen in Führungspositionen bringen wollen.“

BDA und DGB waren am 8. Februar 2011 Mitunterzeichner der „Charta für familienbewusste Arbeitszeiten“. Darin verpflichtet sich die Bundesregierung, Fehlanreize zu beseitigten, die einer familienfreundlichen Arbeitswelt entgegenstehen. Aus Sicht von DGB und BDA ist es notwendig, die richtigen Prioritäten zu setzen, in die frühkindliche Bildung zu investieren und auf das Betreuungsgeld zu verzichten.

PRESSE - INFORMATION Nr. 037/2011, 04. Juli 2011

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