09.02.2007

BDA: Hohe Arbeitskosten nach wie vor gravierender Standortnachteil für Deutschland

Die hohen Arbeitskosten in Deutschland sind nach wie vor ein gravierender Standortnachteil im internationalen Wettbewerb. Mit über 31 Euro je geleisteter Arbeitsstunde muss die deutsche Industrie nach Belgien und Schweden die höchsten Arbeitskosten in der EU bezahlen. Hohe Arbeitskosten mindern die Rentabilität von Investitionen in Deutschland und gefährden damit Arbeitsplätze, erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) anlässlich einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes heute in Berlin.

Die Feststellung des Statistischen Bundesamtes, wonach der Anteil der Lohnzusatzkosten an den Arbeitskosten hierzulande leicht unter dem EU-Durchschnitt liegt, ist zwar rechnerisch richtig. Allerdings hilft ein unterdurchschnittlicher Lohnzusatzkostenanteil nur bedingt, wenn er sich auf ein überdurchschnittliches Lohnniveau bezieht. In absoluten Zahlen ist Deutschland bei den Lohnzusatzkosten daher auch nach wie vor in der Spitzengruppe der EU.

Der im internationalen Vergleich zuletzt unterdurchschnittliche Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland hat die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren immerhin verbessert und maßgeblich zum Aufschwung am Arbeitsmarkt beigetragen. Dieser Erfolgsweg darf nun aber nicht verlassen, sondern muss entschlossen fortgesetzt werden.

Damit Deutschland von seinem hohen Arbeitskostenniveau herunterkommt, muss sowohl bei den Lohn- als auch bei den Lohnzusatzkosten angesetzt werden: Zum einen muss dringend an die insgesamt moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre angeknüpft werden. Dies erfordert Tarifabschlüsse, die den Anstieg der Produktivitätssteigerung in keinem Fall überschreiten. Überhöhte Lohnforderungen, wie zuletzt von der IG Metall empfohlen, würden nicht nur die ohnehin in diesem Jahr nachlassende Wachstumsdynamik weiter schwächen, sondern vor allem die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt gefähren.

Zum anderen sind nach wie vor durchgreifende Reformen der Sozialversicherung dringend erforderlich. Anderenfalls droht langfristig ein erheblicher Anstieg der Beitragssätze und damit ein weiterer Anstieg der Lohnzusatzkosten. Bei der Reform der Pflegeversicherung muss nachgeholt werden, was bei der Gesundheitsreform verpasst wurde. Wenigstens hier muss eine vollständige Abkoppelung der Finanzierung vom Arbeitsverhältnis gelingen.

PRESSE - INFORMATION Nr. 17 / 2007, 09.02.2007
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