Krankenstand

Krankheitsbedingte Fehlzeiten weiter auf niedrigem Niveau

Der Krankenstand bewegt sich mit 4,3 Prozent im Jahr 2016 weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Als die Lohnfortzahlung im Jahr 1970 eingeführt wurde, lag dieser noch bei 5,6 Prozent. Neben dem individuellen Gesundheitsverhalten, das von großer Bedeutung ist, sind mehrere Faktoren für diesen langfristigen Trend verantwortlich.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Produktions- und Beschäftigungsstrukturen erheblich verändert: Waren 1970 von allen Erwerbstätigen noch 8 Prozent in der Land- bzw. Forstwirtschaft und Fischerei sowie 47 Prozent im Produzierenden Gewerbe tätig, sind es heute nur noch 1 bzw. 18 Prozent. Spiegelbildlich dazu hat der Anteil der Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich von 45 Prozent auf 75 Prozent stark zugenommen (Statistisches Bundesamt 2017). Durch das Wachstum des Dienstleistungssektors – hier vor allem der wissensbasierten Dienstleistungen – und den Rückgang des Produzierenden Gewerbes sowie des Baugewerbes haben körperlich belastende Tätigkeiten für viele Beschäftigte an Bedeutung verloren. Daher geht der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft – unabhängig von Verbesserungen der Arbeitsbedingungen auch im Produzierenden Gewerbe – mit einem insgesamt sinkenden Krankenstand einher.


Deutlicher Rückgang der Arbeitsunfälle

Seit 1970 ist die Zahl der Arbeitsunfälle je 1.000 Vollzeitbeschäftigte („Vollarbeiter“) sehr deutlich von fast 103 auf nur noch 21,9 (2016) zurückgegangen. Die Investitionen der Arbeitgeber in Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz haben den Fehlzeitenstand aufgrund von Arbeitsunfällen überaus kräftig gesenkt.

Qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen können ohne leistungsfähige und leistungsbereite Beschäftigte nicht erbracht werden. Immer mehr Unternehmen betreiben daher neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsschutz betriebliche Gesundheitsförderung bzw. ein betriebliches Gesundheitsmanagement.

Auch die Maßnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung und der gesetzlichen Unfallversicherung zur Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen haben zugenommen. Durch die allgemeine Verbesserung der Gesundheit der Beschäftigten wird neben der Leistungsfähigkeit auch der Krankenstand positiv beeinflusst.


Krankenstandsrückgang nicht nur medizinisch begründet

Neben dem Gesundheitszustand der Mitarbeiter haben auch andere Umstände maßgeblichen Einfluss auf den Krankenstand. Insbesondere besteht ein Zusammenhang zur jeweiligen Arbeitsmarktlage: Während bei hoher Arbeitslosigkeit Befindlichkeitsstörungen weniger häufig als Anlass für eine Krankschreibung genommen werden, steigt die Fehlzeitenquote bei verbesserter Arbeitsmarktlage tendenziell an.

Für ein hohes Ausmaß an sog. motivationsbedingten Fehlzeiten sprechen auch die erheblichen, medizinisch nicht begründbaren regionalen Krankenstandsunterschiede – bei den Mitgliedern der Techniker Krankenkasse reichte die Spannbreite 2016 von 12,4 Arbeitsunfähigkeitstagen in Baden-Württemberg bis zu 19,5 Arbeitsunfähigkeitstagen in Mecklenburg-Vorpommern (TK Gesundheitsreport 2017). Immer mehr Betriebe erkennen diesen Zusammenhang und versuchen, den motivationsbedingten Krankenstand zu begrenzen. Bewährt haben sich insbesondere Rückkehrgespräche, aber auch erweiterte Verantwortungs- und Handlungsspielräume für die Mitarbeiter.

Kosten der Entgeltfortzahlung bleiben hoch

Die Entgeltfortzahlung bei Krankheit, Mutterschaft und Heilverfahren ist nach wie vor die mit weitem Abstand teuerste ausschließlich vom Arbeitgeber finanzierte Sozialleistung. Nach dem aktuellen Sozialbudget beliefen sich die Entgeltfortzahlungskosten 2016 auf 43,3 Mrd. Euro. Hinzu kommen insbesondere noch die hierauf fälligen Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung. Hieraus resultieren zusätzliche Kosten von etwa 9,5 Mrd. Euro. Alleine die Kosten für die Entgeltfortzahlung entsprächen 4,0 Beitragssatzpunkten in der Krankenversicherung. Daneben finanzieren die Betriebe die Krankengeldzahlungen der Krankenkassen anteilig mit. Dieser Posten schlug 2016 bei ihnen mit etwa 3,2 Mrd. Euro zu Buche. In der Summe ergeben sich daraus für die Betriebe Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten von ca. 56,0 Mrd. Euro pro Jahr.
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