Durchlässigkeit der Bildungsbereiche

Bildungswege eröffnen, Talente fördern

Mangelnde soziale und strukturelle Durchlässigkeit im Bildungssystem behindern die Entfaltung aller Potenziale und gefährdet die Fachkräftesicherung. Kein Bildungsweg darf zur Sackgasse werden. Wir brauchen zwischen allen Bildungsbereichen Brücken und Übergänge.

Die Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen ist eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwendigkeit. Das gilt für die gesamte Bildungskette, von der frühkindlichen und schulischen bis hin zur beruflichen und akademischen Bildung. Einem durchlässigen Bildungssystem stehen in Deutschland allerdings immer noch soziale und strukturelle Hindernisse entgegen. Der Zugang zu Bildung hängt auch aktuell noch zu stark von der sozialen Herkunft ab – dabei gilt es gerade mit Blick auf die Fachkräftesicherung, alle Bildungsressourcen zu mobilisieren.

Die strukturellen Hindernisse wurden in den letzten Jahren zwar gemindert, gesetzliche Grundlagen wurden geschaffen. Diese müssen jedoch noch weit besser ausgeschöpft werden. So nützt z.B. die prinzipielle Öffnung der Hochschulen für Studieninteressierte ohne Abitur nur dann, wenn die Hochschulen auch ihr Angebot an flexiblen, berufsbegleitenden Studiengängen auch im Bachelor-Segment deutlich erhöhen.

Berufsbegleitendes Lernen ermöglichen – Leistungsanrechnung verbessern

Beruflich Qualifizierte streben eine wissenschaftliche Weiterqualifizierung meist parallel zum Beruf an. Hochschulen müssen auf diese Nachfrage mit einem Ausbau ihrer berufsbegleitenden Studienangebote reagieren. Deren Anteil am gesamten Lehrangebot der Hochschulen ist zwar in den letzten Jahren gestiegen, liegt aber nach wie vor auf niedrigem Niveau. Wichtig für den Erfolg weiterbildender Studiengänge ist, dass Hochschulen die berufliche Erfahrung der Teilnehmer berücksichtigen und einbeziehen. Dazu gehört auch die Anrechnung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen: Hochschulen müssen den von der KMK eröffneten Rahmen zur Anrechnung auf bis zu 50 Prozent eines Curriculums weit stärker nutzen. Zudem gilt es, Studieninteressierte besser über Möglichkeiten der Anrechnung zu informieren.


Durchlässigkeit in beide Richtungen fördern

Durchlässigkeit bedeutet nicht nur Wege von der beruflichen Bildung in die Hochschulen – auch der umgekehrte Weg muss zukünftig noch weit stärker bekannt gemacht werden. Dies ist nicht nur für Studienabbrecherinnen und -abbrecher relevant, die nach ihrem Abbruch eine duale Ausbildung aufnehmen und für die es auch in der höheren Berufsbildung attraktive Angebote gibt. So ist es bspw. möglich, dass Studienabbrecher mit mindestens 90 erworbenen ECTS und zwei Jahren Berufserfahrung direkt die Aufstiegsfortbildungsprüfung zum/zur Handelsfachwirt/in absolvieren können.

Aber auch für erfolgreiche Hochschulabsolventinnen und -absolventen bietet die berufliche Bildung Chancen. Hier sind alle Beteiligten - Hochschulen, Unternehmen, Akteure der Berufsbildung – in der Pflicht, verstärkt über die Möglichkeit einer Ausbildungszeitverkürzung bzw. des unmittelbaren Einstiegs in die berufliche Fortbildung statt Ausbildung zu informieren. Angebote der beruflichen Aufstiegsfortbildung lassen sich in vielen Fällen gut in die Bildungslaufbahn einbauen, ob das nun die Architektin ist, die sich nach Abschluss des Studiums über eine Qualifizierungsprüfung zur Gebäudeenergieberaterin HWK weiterqualifiziert, der Absolvent der Betriebswirtschaftslehre, der die Fortbildungsprüfung zum Bilanzbuchhalter ablegt oder die Absolventin eines Pädagogikstudiums, die eine Fortbildung zur Berufspädagogin absolviert.

Neue kreative Formen der strukturierten Verzahnung erproben

Die berufliche und die hochschulische Bildung müssen sich auch für neue Formen der Verzahnung öffnen und, wo dies Sinn macht, neue Modelle erproben. Ein aussichtsreiches Modell ist aus unserer Sicht die studienintegrierende Ausbildung mit einer gemeinsamen beruflich-akademischen Orientierungsphase. Bspw. im Bereich der kaufmännischen Ausbildung sind Kopplungen mit wirtschaftswissenschaftlichen Modulen sinnvoll. Solche Modelle hätten den Vorteil, dass sich die Auszubildenden erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden müssen, ob sie ihre Ausbildung fortsetzen, in ein duales Studium wechseln oder sich für ein Vollzeitstudium entscheiden. Wir sind der Überzeugung, dass in solchen neuen Ansätzen echte Chancen für die zukünftige Nachwuchssicherung beruflich qualifizierter Fachkräfte liegen.
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