Deutscher Qualifikationsrahmen

Mobilität und Durchlässigkeit durch Transparenz verbessern

Der Deutsche Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) ist ein Transparenzinstrument, das die Vergleichbarkeit von Qualifikationen in Europa verbessern und dadurch sowohl die grenzüberschreitende Mobilität als auch die Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems verbessern soll. Ausgangspunkt für die Entwicklung des DQR war der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR).

Um die Vielzahl unterschiedlicher Bildungsabschlüsse in Europa vergleichbar zu machen und im Ausland erworbene Qualifikationen besser einschätzen zu können, hat die Europäische Kommission den Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) entwickelt. Der EQR umfasst acht Qualifikationsniveaus, denen Abschlüsse zugeordnet werden können. Dabei gilt das Prinzip: je höher das EQR-Niveau, desto umfangreicher sind die dem zugeordneten Abschluss zugrundeliegenden Kompetenzen.

Eine direkte Zuordnung von Qualifikationen zu den EQR-Niveaus ist aufgrund der großen Unterschiede zwischen den nationalen Bildungs- und Qualifikationssysteme nicht möglich. Zusätzlich zum EQR haben die EU-Mitgliedstaaten daher nationale Qualifikationsrahmen (NQR) entwickelt, die den Besonderheiten des jeweiligen Bildungssystems Rechnung tragen und über eine abweichende Anzahl von Qualifikationsniveaus verfügen können. Dadurch, dass alle nationalen Qualifikationsrahmen auf den „Metarahmen“ EQR Bezug nehmen („Referenzierung“) werden diese auch untereinander vergleichbar.

Der Deutsche Qualifikationsrahmen ist nach einer mehr als sechsjährigen Erarbeitungsphase im Mai 2013 in Kraft getreten. Wie der EQR verfügt er über acht Niveaustufen, so dass DQR- und EQR-Niveau stets identisch sind. Im DQR sind Ausbildungsabschlüsse mit zweijähriger Ausbildungszeit dem Niveau 3, solche mit drei- bis dreieinhalbjähriger Ausbildung dem Niveau 4 und Fortbildungsabschlüsse wie Fachwirt, Fachkaufmann und Meister dem Niveau 6 zugeordnet. Damit sind diese Fortbildungsabschlüsse auf demselben Niveau eingestuft wie ein an der Hochschule erworbener Bachelorabschluss.

Seit 2014 erfolgt die Ausweisung der DQR-/EQR-Niveaus auf neu ausgestellten Qualifikationsbescheinigungen schrittweise. Für die Umsetzung müssen in den einzelnen Bildungsbereichen verwaltungsrechtliche Voraussetzungen (z. B. Rechtsverordnungen der Länder) geschaffen werden. In der bundesrechtlich geregelten beruflichen Bildung wird die Zuordnung eines Abschlusses zum jeweiligen DQR- und EQR-Niveau auf den Zeugnissen von Abschluss-, Gesellen- und Umschulungs- sowie Fortbildungsprüfungen seit Januar 2014 ausgewiesen. Im Hochschulbereich wird das DQR-/EQR-Niveau im Diploma Supplement ausgewiesen. Auch neue Europass-Dokumente werden mit einem Verweis auf das jeweils zutreffende DQR-/EQR-Niveau versehen.

Diese Information auf den Zeugnissen hilft Arbeitgebern dabei, das Anspruchsniveau einer im Ausland erworbenen Qualifikation richtig einzuschätzen und fördert die grenzüberschreitende Fachkräftemobilität. Gleichzeitig belegen DQR und EQR das hohe Niveau der deutschen Berufsbildung und helfen damit Absolventinnen und Absolventen, die im europäischen Ausland eine Beschäftigung oder Weiterbildung ausüben. Durch die Orientierung an Lernergebnissen – entscheidend ist, was jemand aufgrund seiner Qualifikation kann und nicht, wo und wie lange er gelernt hat – wird zudem die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Qualifikationen verdeutlicht. Auf diesem Wege kann der DQR auch dazu beitragen, Übergänge im deutschen Bildungssystem zu erleichtern und die starke Trennung der verschiedenen Bildungsbereiche aufzulockern.

Rechtsansprüche auf den Zugang zu Bildungsgängen, die Zulassungen zu Prüfungen, die Anrechnung oder Anerkennung von Bildungsergebnissen werden durch den DQR allerdings nicht begründet. Ebenso ist das Erreichen eines Niveaus entkoppelt von tarif- und besoldungsrechtlichen Auswirkungen.

Künftig sollen auch non-formal und informell erworbene Kompetenzen dem DQR zugeordnet werden, um diese sichtbar und für den Arbeitsmarkt nutzbar zu machen. Auch über die zunächst zurückgestellte Zuordnung der allgemeinbildenden Schulabschlüsse wird bis zum Januar 2017 erneut beraten werden. Ob der DQR den gewünschten Mehrwert bringt und von der betrieblichen Praxis akzeptiert und angewendet wird, wird sich daher erst im Laufe der nächsten Jahre zeigen.

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