Bologna-Prozess

Bologna-Prozess zügig weiterentwickeln

Der Bologna-Prozess ist eine der wichtigsten Reformen im Hochschulbereich. Die Umstellung auf die gestufte Studienstruktur von Bachelor und Master muss zügig abgeschlossen werden – auch in den Staatsexamensstudiengängen. Die Hochschulen sind aufgefordert, vorhandene Defizite insbesondere bei den Bachelor-Studiengängen schnell und effektiv zu beseitigen.

Die Schaffung eines europäischen Hochschulraums, wie er mit der Unterzeichnung der „Bologna-Erklärung“ vereinbart wurde, ist ein wichtiger Schritt, um die Qualität der Hochschulbildung in Europa zu verbessern und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Er wird von den deutschen Arbeitgebern ausdrücklich begrüßt. Die Einführung gestufter Studiengänge fördert ein zielorientiertes und zügiges Studium, gewährleistet die internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse und lässt gleichzeitig ausreichend Spielraum für Profilbildungen der einzelnen Hochschulen.

Aus Sicht der Arbeitgeber ist es entscheidend, dass die Beschäftigungsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen, insbesondere der Bachelor-Studiengänge, gewährleistet ist. Die Arbeitgeber bieten den Hochschulen und der Politik ihre Mitwirkung an der Umsetzung dieses wichtigen Ziels des Bologna-Prozesses an.

Forderungen der Wirtschaft

Wesentliche Forderungen aus Sicht der Wirtschaft bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses sind:

  • Die Qualitätssicherung der Studiengänge muss gewährleistet sein, d. h. die Hochschulen müssen ein Qualitätsmanagement einführen, das transparent gestaltet ist und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes berücksichtigt. Die Umstellung von der Programm- auf die Systemakkreditierung ist dabei ein richtiger Schritt. Die Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern der Berufspraxis ist von entscheidender Bedeutung, um nicht zuletzt auch die Akzeptanz der für Deutschland neuen Abschlüsse Bachelor und Master zu befördern.
  • Die Akzeptanz des Bachelors hängt ganz entscheidend davon ab, dass die im Gesetz geforderte Beschäftigungsbefähigung tatsächlich gegeben ist. Hier müssen Hochschulen erheblich enger mit den Unternehmen und ihren Verbänden kooperieren als dies bislang der Fall ist. In Deutschland ist immer wieder zu beobachten, dass insbesondere Universitäten keine Neustrukturierung von Studiengängen vorgenommen, sondern bestehende Studienangebote lediglich mit neuen Bezeichnungen versehen haben. Die Unternehmen haben in den Bachelor Welcome-Erklärungen (2004 bis 2012) ihr Ja zu Bologna in regelmäßigen Erklärungen mit wechselnden Schwerpunkten deutlich unterstrichen.
  • Die Hochschulen müssen transparent machen, welche Kompetenzen mit den einzelnen Studiengängen vermittelt werden. Dies gilt sowohl gegenüber den potentiellen Kunden, d. h. den Studienbewerberinnen und -bewerbern, als auch gegenüber den Abnehmern, d. h. dem Arbeitsmarkt. Die Wirtschaft bietet den Hochschulen ihre Unterstützung an, um über notwendige Praxisinhalte, Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und Möglichkeiten der Qualitätssicherung zu informieren.
  • Die Hochschulen und ihre Lehrenden müssen sich selbst stärker als bisher zu dem Prinzip gestufter Studiengänge bekennen und entsprechend ihre Studiengänge komplett darauf umstellen. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Staatsexamensstudiengänge. Ein Produkt kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Produzent davon überzeugt ist.
  • Eine zukunftsweisende Hochschulausbildung umfasst heute neben der Vermittlung von Fachwissen ebenso die Vermittlung überfachlicher Qualifikationen. Hier müssen die Hochschulen die Vorteile, die sich aus der modularen Studienstruktur ergeben, offensiv nutzen.
  • Die (internationale) Mobilität der Studierenden ist ein auch von der Wirtschaft lange gefordertes Ziel nationaler und internationaler Bildungspolitik. Wichtige Instrumente sind dafür die Modularisierung der Studienangebote, die Einführung von Credit Points wie bei ECTS sowie die problemlose Anerkennung von Studienleistungen und Abschlüssen aus dem In- und Ausland.
  • Der öffentliche Dienst hat eine besondere Verantwortung, zur stärkeren Akzeptanz des Bachelor-Abschlusses beizutragen. Daher ist es ist nicht nachvollziehbar, dass Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen mit mehrjähriger beruflicher Erfahrung bisher nur in wenigen Bereichen mit Bewerbermangel Zugang zum höheren Dienst haben. Das Laufbahnrecht sollte entsprechend modernisiert werden und durchlässig sowie kompetenzorientiert gestaltet sein.

Bachelor Welcome und Bologna@Germany

In den Jahren 2004 bis 2012 haben Personalvorstände bzw. Personalverantwortliche führender Unternehmen in Deutschland – darunter auch mittelständische Unternehmen – mit den Initiativen Bachelor Welcome bzw. Bologna@Germany im Rahmen einer konzertierten Aktion ihre Unterstützung für die neuen Abschlüsse Bachelor und Master zugesagt und sich damit zur Umstellung auf die gestufte, international kompatible Studienstruktur in Deutschland bekannt. Verbunden mit einer Reihe von Selbstverpflichtungen haben die Unternehmen damit ein wichtiges Signal sowohl an die Studieninteressierten als auch die Hochschulen gesandt.

Mehrere umfangreiche Studien zeigen inzwischen, dass der Bachelor gut in den Unternehmen ankommt und sich allen Unkenrufen zum Trotz geräuschlos am Arbeitsmarkt etabliert. Dies ist sicherlich auch ein Erfolg des klaren Jas der deutschen Wirtschaft zur Einführung von Bachelorstudiengängen an den Hochschulen.

Beschäftigungsfähigkeit sichern

Beschäftigungsfähigkeit ist zentrales Ziel des Hochschulstudiums. Aufgabe der Hochschulen ist es, ihre Studienangebote kompetenzorientiert und arbeitsmarktrelevant zu gestalten und ihre Absolventinnen und Absolventen dadurch optimal auf das Berufsleben vorzubereiten. Arbeitsmarktrelevanz und Beschäftigungsfähigkeit haben sich, auch auf Drängen der Arbeitgeber, zu einem Leitbild der europäischen Hochschulpolitik entwickelt. Im Bologna-Prozess wird die Beschäftigungsfähigkeit neben der Steigerung der Mobilität als eines der wichtigsten Ziele angeführt. Um dies zu erreichen, sind starke Praxisbezüge sowie Praxisphasen im Studium eine zentrale Voraussetzung. Lehre muss auf Kompetenzentwicklung, Prüfungen auf Kompetenzfeststellung ausgerichtet sein. Bei der Gestaltung aller Studiengänge müssen die späteren Berufsfelder in den Blick genommen und berücksichtigt werden. Um Beschäftigungsfähigkeit zu sichern, ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft notwendig.
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