Bildung – Die bildungspolitischen Leitsätze der Arbeitgeber

Digitalisierung und demografischer Wandel prägen Gesellschaft und Arbeitswelt in Deutschland und fordern uns in Zukunft sogar noch weit stärker als bisher schon. Um die aktuellen und künftigen Erfordernisse erfolgreich zu realisieren und damit wirtschaftlichen Erfolg, gesellschaftlichen Wohlstand und sozialen Zusammenhalt zu sichern, ist Bildung der wichtigste strategische Ansatzpunkt.

In der BDA-Publikation „Bildung 2030 im Blick“ (erschienen im März 2017, für die ausführliche deutsche Version siehe www.bildung2030.de) skizzieren die deutschen Arbeitgeber ihr Leitbild eines modernen und zukunftsfähigen Bildungssystems von der frühkindlichen und schulischen Bildung über die berufliche und hochschulische Bildung bis zum lebenslangen Lernen.

Die deutschen Arbeitgeber stehen für folgende bildungspolitische Grundsätze und Orientierungen:
  • Unsere wichtigste Ressource – individuell, ökonomisch und sozial – ist Bildung. Wir brauchen darum ein effizientes, leistungsorientiertes Bildungssystem, das nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft fördert. Es muss junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung hin zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern wirkungsvoll unterstützen.
  • Gute Bildungspolitik ist die wirksamste und nachhaltigste Sozialpolitik. Nichts schützt besser vor Arbeitslosigkeit und nichts fördert nachhaltiger gesellschaftliche Teilhabe als eine abgeschlossene betriebliche oder hochschulische Ausbildung.
    • Berufliche Bildung und akademische Bildung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Als Wirtschaftsstandort brauchen wir gut qualifizierte, fleißige, kreative und motivierte Absolventinnen und Absolventen aus beiden Bereichen. Wir brauchen ein strukturell und sozial durchlässiges Bildungssystem, das die individuelle Förderung in den Mittelpunkt stellt und möglichst jeder und jedem die Chance zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und individuellen Talente bietet. Bildungsabschlüsse müssen immer als Anschlüsse für "das Danach" wirken.
      • Digitale Kompetenzen (das Anwenden, Verstehen, Gestalten und Reflektieren digitaler Technologien) und soziale Kompetenzen (insbesondere Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Eigenverantwortung) rücken mit der zunehmenden Technisierung und Vernetzung unserer Arbeitswelt und unseres Alltags in den Mittelpunkt – unabhängig von Branche, Tätigkeit oder Hierarchiestufe. Alle Bildungsbereiche müssen digitale Kompetenzen stärken und weiter entwickeln. Diese sind für die Beschäftigungsfähigkeit zukünftig zentral.
        • Jede Schulform muss so fördern, dass möglichst alle Jugendlichen zu einem Abschluss und zur Ausbildungs- oder Studienreife gelangen. Zu einer umfassenden schulischen Allgemeinbildung gehören auch ökonomische Bildung und MINT-Bildung einschließlich digitaler Informations- und Medienkompetenz. Das Angebot an Ganztagsschulen muss deutlich ausgebaut werden. Der Sanierungs- und Ausstattungsrückstand an vielen Schulen muss von Kommunen und Ländern dringend beseitigt werden. Die vom Bund hierfür angebotene Unterstützung muss zügig und sachgerecht einbezogen werden.
          • Die duale Ausbildung ist ein Grundpfeiler für die Stärke der deutschen Wirtschaft. Sie bietet jungen Menschen mit und ohne Abitur vielfältige Entwicklungschancen und Karrieremöglichkeiten bis hin zur Unternehmensführung. Besonders Leistungsstarken muss der Zugang zu Zusatzqualifikationen, dualen Studiengängen und Aufstiegsfortbildungen vermittelt werden. Leistungsschwächere Jugendliche müssen durch Einstiegsqualifikationen oder assistierte Ausbildung noch besser in den Ausbildungsmarkt integriert werden. Dies gilt auch für Jugendliche mit Migrations- oder Fluchthintergrund.
            • Die Berufsschulen sind eine unverzichtbare Säule im System der dualen Ausbildung und für die Betriebe wichtige Partner. Ihre personelle, materielle und finanzielle Ausstattung – auch zur Vermittlung digitaler Bildung – muss für jedes Bundesland und für jede einzelne Kommune hohe bis höchste Priorität haben. An Investitions- und Förderprogrammen des Bundes und der Länder müssen Berufsschulen in gleicher Weise beteiligt werden wie allgemeinbildende Schulen.
              • Lebenslanges Lernen muss für jede und jeden noch mehr zur Normalität werden. Voraussetzung hierfür sind flexible praxisnahe Weiterbildungsangebote. Sie dienen auch der stetigen Aktualisierung technisch-digitaler Kenntnisse und Kompetenzen. Im Rahmen der betrieblichen Personalpolitik fördert Weiterbildung „digital literacy“ bei allen Beschäftigten. Hochschulen müssen sich zukünftig noch stärker für die Zielgruppe der Berufstätigen und berufliche Qualifizierten öffnen – auch im Weiterbildungsbereich. Flexible, berufsbegleitend studierbare Formate sind deutlich auszubauen.

              Ohne die Zuständigkeit der Bundesländer in der Bildung infrage zu stellen, sind wir als Arbeitgeber der festen Überzeugung: Für die Herausforderungen, die die demografische Entwicklung und die sich immer schneller verändernde Arbeits- und Lebenswelt zukünftig an uns stellen, braucht Deutschland eine zwischen Bund, Ländern und Kommunen abgestimmte Bildungsstrategie – von der Kita, über Schule und Ausbildung bis zur Hochschule und Weiterbildung. Unser föderales System kann seine positive Kraft nur voll entfalten, wenn im bewussten Zusammenwirken aller staatlichen Ebenen auch die notwendigen gesamtstaatlichen Belange des Bildungssystems respektiert werden und wirkungsvoll zum Tragen kommen.

              Mit der neuen bildungspolitischen Grundsatzposition „Bildung 2030 im Blick“ fordern die Arbeitgeber in Deutschland Bund, Länder und Kommunen auf, eine Bildungsstrategie inkl. gemeinsamer Aktionspläne abzustimmen und zügig umzusetzen. Die Arbeitgeber wollen ihren Beitrag dazu leisten und diesen Prozess aktiv und konstruktiv mitgestalten.

              Bildung: Die Themen im Einzelnen