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Bachelor kommt in den Unternehmen an

In der Diskussion um den Bologna-Prozess wird insbesondere die Arbeitsmarktakzeptanz der Bachelor-Absolventen in Frage gestellt. Darüber hinaus wird argumentiert, drei Jahre Studium seien deutlich zu kurz für den Erwerb eines akademisch hochwertigen, berufsbefähigenden Abschlusses, und der Diplom-Ingenieur dürfe als weltweit anerkannte Marke nicht aufgegeben werden. Fest steht: Der Bachelor hat sich hervorragend am Arbeitsmarkt etabliert. Die deutsche Wirtschaft steht eindeutig und nachhaltig hinter der Einführung von Bachelor-Studiengängen an den deutschen Hochschulen und begrüßt Bachelor-Absolventen in den Unternehmen. Dies hat sie u. a. im Rahmen der „Bachelor Welcome!“-Initiative in den Jahren 2004 bis 2012 gezeigt. Die deutschen Arbeitgeber bekennen sich konsequent zur Umstellung auf die gestufte Studienstruktur und verbinden dies mit Zusagen, aber auch Forderungen an Politik und Hochschulen.

Irrtum: Mit dem Bachelor haben Absolventen kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

  • 85 % der Großunternehmen haben bereits Bachelor-Absolventen eingestellt. In den vergangenen Jahren ist auch der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen, die Bachelor-Absolventen beschäftigen, deutlich gestiegen: bei den kleinen Unternehmen auf fast ein Viertel, bei den mittleren auf mehr als die Hälfte (Stifterverband, 2015). Der großen Mehrheit der Bachelor-Absolventen gelingt ein reibungsloser Berufseinstieg: Die Lage ist damit eindeutig besser als die Stimmung.
  • Bachelor-Absolventen sind in der großen Mehrheit hinsichtlich der beruflichen Position, des Inhalts und des Niveaus der Tätigkeit adäquat beschäftigt und zufrieden mit ihrer Berufstätigkeit (Stifterverband, 2015). Der Bachelor-Abschluss findet breite Zustimmung bei Studierendenorganisationen.
  • In den Forschungsabteilungen der Unternehmen sind vor allem Masterabschlüsse willkommen, aber die Nachfrage nach geeigneten Bachelor-Absolventen steigt (Stifterverband, 2015).
  • Bei der Umstellung auf die neue Studienstruktur sind allerdings vielfach Fehler gemacht worden. Unternehmen erwarten von der Bologna-Reform vor allem mehr Praxisbezug der Studieninhalte und die Integration von Praktika in den Studienverlauf.

Irrtum: Drei Jahre Studium sind deutlich zu kurz – der Bachelor ist ein Schmalspurstudium.

  • In der Studiendauer von drei bis vier Jahren kann ein Kompetenzprofil vermittelt werden, das akademischen Standards absolut gerecht wird und für eine Berufstätigkeit qualifiziert. Dies hat sich in fast allen Ländern weltweit bewährt.
  • Die Option längerer Regelstudienzeiten im Bachelor (d. h. sieben oder acht Semester) wird allerdings, insbesondere an Universitäten, bisher kaum genutzt, auch wenn dies sinnvoll wäre. Längere Bachelor-Studiengänge sind gerade dann gerechtfertigt, wenn sie Praxis- oder Mobilitätsphasen beinhalten.
  • Um wissenschaftlich anspruchsvolle und berufsbefähigende Kompetenzen im kürzeren Bachelor-Studium zu vermitteln, müssen bei der Einführung der gestuften Studienabschlüsse in jedem Fall die Curricula reformiert werden. Wo dies nicht erfolgt, sind vielfach nicht-berufsbefähigende Bachelor-Programme und eine hohe Übergangsquote in den Master die Folge.
  • Gerade die gestufte Studienstruktur bietet die Möglichkeit, nach einer ersten Phase der Berufstätigkeit an die Hochschule zurückzukehren und sich – wenn möglich berufsbegleitend – weiter zu qualifizieren. Die Hochschulen sind aufgefordert, ihr Angebot an berufsbegleitenden Studiengängen deutlich auszubauen.

Irrtum: Der Diplom-Ingenieur ist eine weltweit etablierte Marke und darf nicht aufgegeben werden.

  • Weltweites Renommee genießt nicht der Abschluss Diplom-Ingenieur, sondern die Qualität der Ingenieurausbildung in Deutschland im Sinne von „Engineering made in Germany“.
  • Bachelor- und Masterabschlüsse in den Ingenieurwissenschaften sind – wie in anderen Fächern auch – international deutlich besser vermittelbar und kompatibel.
  • Die Zweistufigkeit von Bachelor und Master erfüllt die Anforderungen an ein modernes und an den Erfordernissen der Arbeitswelt ausgerichtetes Hochschulsystem besser als das lediglich einstufige frühere Diplom.
  • Die Vergabe eines Diplom-Titels für Bachelor- bzw. Masterabsolventen reduziert sich nicht auf eine vermeintlich harmlose Titelfrage und wäre weitaus mehr als Etikettenschwindel. Sie ist Ausdruck einer Reformverweigerung und Rückwärtsgewandtheit. Die Anhänger des Diploms lehnen die Verantwortung für die Berufsbefähigung der Bachelor-Absolventen ab und wollen den Master als Regelabschluss etablieren. Die Wirtschaft tritt daher solchen Bestrebungen mit aller Schärfe entgegen.

Irrtum: Die Mobilität in den Bachelor-Studiengängen ist nicht gestiegen, sondern gesunken.

  • Seit 1998 ist die Zahl der deutschen Studierenden, die an ausländischen Hochschulen eingeschrieben waren, kontinuierlich gestiegen. 2016 lag der Anteil der Studierenden mit einem studienbezogenen Auslandsaufenthalt bei 28 % (DAAD u. DZHW, 2018).
  • Der Bologna-Prozess hat dabei bisher weder zu einer eindeutigen Steigerung noch zu einer Abnahme der Mobilität geführt. Es kam jedoch zu strukturellen Verschiebungen: Die Studierenden gehen früher und durchschnittlich etwas kürzer ins Ausland (DAAD und DZHW, 2016).
  • Neu entstanden ist die Option der Mobilität beim Wechsel vom Bachelor- in einen Masterstudiengang. Da der Bachelor berufsqualifizierend sein sollte, gilt es aber, bereits in der ersten Studienphase Internationalität in den Curricula zu verankern.
  • Aus Sicht der Wirtschaft ist vor dem Hintergrund zunehmend international aufgestellter Unternehmen Mobilität von Studierenden ein wichtiger Baustein der hochschulischen Ausbildung.

Ehem. Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, 30. April 2015

„Bachelorabsolventen haben in Unternehmen immer bessere Chancen. Der Bachelor-Abschluss ist etwas wert. Dies war eines der Ziele der Bologna-Reform. Bachelorabsolventen stehen viele Wege offen, sie haben gute Gehalts- und Karrieremöglichkeiten. Allen Unkenrufen zum Trotz: Damit kommt auch zum Ausdruck, dass viele Unternehmen die Kompetenzen schätzen, die Bachelorabsolventen mitbringen."

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November 2018