Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung

Unternehmen engagiert und erfolgreich

Der betriebliche Gesundheitsschutz und die betriebliche Gesundheitsförderung können wesentlich zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit beitragen. Jeder Arbeitgeber möchte, dass seine Beschäftigten möglichst selten wegen Krankheit ausfallen, gesundheitlich fit, leistungsfähig und leistungsbereit sind sowie ohne Einschränkungen bis ins Rentenalter arbeiten können. Dies ist auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und dem zunehmend schwerer zu deckenden Fachkräftebedarf unerlässlich.

Einen wesentlichen und erfolgreichen Beitrag hierzu leisten die Unternehmen im Rahmen des gesetzlich verpflichtenden Arbeits- und Gesundheitsschutzes, der der Bekämpfung betrieblich bedingter Ursachen von Krankheiten und Unfällen dient. Die Gesundheitsförderung ist hingegen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der sich eine zunehmende Zahl von Unternehmen mit vielfältigen Maßnahmen freiwillig beteiligt. Ein Anteil von 45 Prozent der Erwerbstätigen im Jahr 2018 im Vergleich zu 34 Prozent im Jahr 2006 gibt an, dass in ihrem Betrieb Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung angeboten werden (BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, Lück et al. 2019). Über die Hälfte der Befragten nehmen solche Angebote auch wahr. Auch die Arbeitgeberverbände unterstützen diese Bemühungen. Der DSSV – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen hat zusammen mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsförderung die Initiative „Gesundheit im Betrieb selbst gestalten“ gestartet. (siehe weiterführende Links)

Der finanzielle Aufwand der Unternehmen für Prävention und Gesundheitsschutz ist erheblich: Von rund 11,7 Milliarden Euro, die im Jahr 2016 insgesamt für Prävention und Gesundheitsschutz eingesetzt wurden, brachten die Betriebe – neben Staat und privaten Haushalten – in etwa 5 Milliarden Euro bzw. 40 Prozent der Gesamtsumme auf (Gesundheitsausgabenrechnung des Statistischen Bundesamts).

Das Engagement der Unternehmen in den Bereichen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und der betrieblichen Gesundheitsförderung zeigt sichtbare Erfolge: Die Quote der Arbeitsunfälle ist seit 1995 um über die Hälfte gesunken. Die Zahl der Arbeitnehmer, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ist seit 1995 um 44 Prozent zurückgegangen (gemessen am Rentenzugang wegen verminderter Erwerbsfähigkeit 2017). Die Erwerbstätigenquote der 60 bis unter 64-jährigen hat sich von 2007 bis 2018 von 34 Prozent auf 61 Prozent beinahe verdoppelt (Eurostat 2019).

Betriebliche Gesundheitsförderung hat Grenzen

Allerdings haben Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung auch Grenzen: Erforderlich ist ein gemeinsamer Einsatz von überbetrieblichen Akteuren, Arbeitgebern und eigenverantwortlich handelnden Beschäftigten. Die Unternehmen können das Arbeitsumfeld gesundheitsförderlich gestalten und ihre Beschäftigten dabei unterstützen, die eigene Gesundheit zu stärken, z. B. mit gesundheitsgerechten Kantinenangeboten oder mit der Anleitung zu einem gesunden Lebensstil.. Erzwingen können sie ein gesundheitsbewusstes Verhalten aber nicht. Letztlich bleibt jeder Einzelne für seine Gesundheit verantwortlich und gefordert, auf gesunde Verhaltensweisen wie ausreichende Bewegung, gute Ernährung, einen angemessenen Umgang mit Genussmitteln und eine ausgewogene Lebensweise in Bezug auf Entspannung und Erholung zu achten.

Darüber hinaus müssen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen: Letztlich werden die Betriebe nur solche Angebote dauerhaft aufrechterhalten, durch die sich mit vertretbarem Aufwand tatsächlich ein verbesserter Gesundheitszustand der Belegschaft erreichen lässt. Voraussetzung ist hierfür, dass Betriebe gesundheitsrelevante Aspekte systematisch analysieren und ihre Ziele und Maßnahmen daraus ableiten. Bisher ist jedoch nur unzureichend untersucht worden, welche Maßnahmen im Sinne der Zielsetzung, die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern, tatsächlich effizient wirksam sind.

Wesentlich für den Erfolg und die Akzeptanz von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung ist, dass sie freiwillig angeboten und von den Beteiligten vor Ort unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse des Betriebes entwickelt werden. Allein auf diesem Wege können die sehr unterschiedlichen betrieblichen Voraussetzungen und Möglichkeiten angemessen berücksichtigt werden.

Rahmenbedingungen verbessern

Wichtig ist auch, dass die Betriebe bei ihrem Engagement nicht alleine gelassen oder sogar ausgebremst werden. Erforderlich sind eine bessere Kooperation und Vernetzung der im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung aktiven überbetrieblichen Akteure (insbesondere die Krankenkassen untereinander und mit Berufsgenossenschaften und der Rentenversicherung), die Erforschung der Wirksamkeit von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung einschließlich der Vermittlung dieser Erkenntnisse an die Betriebe sowie spezielle Angebote für kleine und mittlere Unternehmen.

Das Engagement der Betriebe sollte darüber hinaus durch die ersatzlose Streichung der Obergrenze von 500 Euro und des Zertifizierungserfordernisses in § 3 Nr. 34 EStG gestärkt werden. Bis Ende 2018 waren Arbeitgeberleistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und für Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bis zu einer Höhe von 500 Euro pro Mitarbeiter und pro Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn sie bestimmten Anforderungen des SGB V genügen (§ 3 Nr. 34 EStG). Mit dem am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen „Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ bleiben arbeitgeberseitige verhaltenspräventive Maßnahmen nur dann für Beschäftigte steuerfrei, wenn diese vorab durch die Krankenkassen zertifiziert wurden. Statt das Engagement der Unternehmen unnötig zu erschweren, sollte das Zertifizierungserfordernis wieder gestrichen werden und die gesetzliche Regelung zur Steuerbefreiung von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung praxisgerechter ausgestaltet werden. Die Streichung der Obergrenze wäre ein Beitrag zum Bürokratieabbau im Steuerrecht und zur Stärkung der Attraktivität von Präventions- und Gesundheitsmaßnahmen der Unternehmen. Durch die steuerrechtliche Anknüpfung an das SGB V wäre auch in Zukunft sichergestellt, dass nur als förderungswürdig angesehene Maßnahmen steuerbefreit sind.

Die Verfügbarkeit einer ausreichenden arbeitsmedizinischen Versorgung muss sichergestellt werden. Bereits heute besteht eine Lücke zwischen dem Angebot an Betriebs- und Arbeitsmedizinern und der Nachfrage der Betriebe nach betriebsärztlicher Betreuung für ihre Beschäftigten. Diese Lücke wird – ohne entsprechendes Gegensteuern – in Zukunft noch größer werden.

Zudem muss verhindert werden, dass die öffentliche Hand und die Sozialversicherungsträger das Engagement der Betriebe zum Anlass nehmen, ihre eigenen Aktivitäten im Bereich Prävention zu reduzieren.
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