06.01.2017

Mitglied der BDA-Hauptgeschäftsführung Peter Clever: Modernisierung ja, aber keine Einheitsausbildung in der Pflege – Koalitionsvertrag weist den richtigen Weg

Zur aktuellen Debatte über die Reform der Pflegeausbildung erklärt Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände:
Mit einem weiteren Vorantreiben der Einheitsausbildung in der Pflege würde ein völlig falscher Weg beschritten. Es hieße, die Katze im Sack zu kaufen, wenn man den Gesetzentwurf ohne Kenntnis der Ausbildungscurricula weiter verfolgte. Bis heute liegen diese nicht vor. Niemand weiß deshalb, was konkret in der Einheitspflege gelernt werden soll. Diese Geheimnistuerei nährt den Verdacht, dass eine praxisuntaugliche Schmalspurausbildung oder eine hochkomplexe Superkönnerausbildung hinter der Reform steckt, was sich mit Vorlage der Curricula dann offen mit Händen greifen ließe. Die Auszubildenden werden also entweder zu wenig für die konkreten Anforderungen in dem jeweiligen Pflegebreich angeleitet oder mit viel zu hohen Anforderungen belastet.

Deshalb darf es kein grünes Licht – auch nicht zu Versuchszwecken – für irgendeine Änderung in der Pflegeausbildung geben, deren fachliche Inhalte mit Verabschiedung der gesetzlichen Rahmenbedingungen völlig im Dunkeln blieben.

Der SPD-Vizefraktionschef Lauterbach geht darüber hinaus in seiner Annahme fehl, dass die Einheitspflegeausbildung im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. So heißt es im Koalitionsvertrag: „Der Wechsel zwischen den Berufen in der Pflege muss erleichtert werden. Wir wollen die Pflegeausbildung reformieren, indem wir mit einem Pflegeberufegesetz ein einheitliches Berufsbild mit einer gemeinsamen Grundausbildung und einer darauf aufbauenden Spezialisierung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege etablieren..."

Laut Koalitionsvertrag sollen also die drei Berufe in der Pflege erhalten bleiben, gemeinsame Inhalte in einer gemeinsamen Grundausbildung vermittelt werden und daran anschließend eine Spezialisierung in den jeweiligen Berufen Alten-, Kranken- und Altenpflege erfolgen. Diese Vereinbarung der Koalitionspartner für ein modernisiertes und durchlässiges Ausbildungssystem in der Pflege begrüßen wir ausdrücklich. Es ist etwas anderes, ob jemand ein Frühchen oder einen Demenzkranken pflegt, ob ein Patient nach einer OP schnell wieder fit gemacht oder seine Defizite im Alter individuell ausgeglichen werden müssen. Gute Pflege kann nur von Fachkräften geleistet werden, die für den jeweiligen Personenkreis ausgebildet wurden.

Wir lehnen das Abschieben von Hauptschülern oder anderen Schulabsolventen mit weniger guten Schulnoten aber großer Empathie gegenüber älteren oder hochbetagten Menschen von der attraktiven Altenpflegekraft in reine Helfertätigkeiten ab. Eine insbesondere vom Pflegerat propagierte breit angelegte Akademisierung wäre nicht auf die Bedürfnisse der zu Pflegenden fokussiert, sondern soll offensichtlich berufspolitischen Interessen dienen, die Pflegekraft auf Augenhöhe mit dem Arzt zu stellen. Dies ist nicht sachgerecht.

PRESSE - INFORMATION Nr. 003/2017, 6. Januar 2017

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