18.05.2016

Wirtschaft spielt aktive Rolle bei der digitalen Transformation

EU-Kommissar Günther Oettinger möchte eine europaweite Industriestrategie im Bereich Industrie 4.0 aufstellen. Ein besonderer Schwerpunkt der Strategie liegt in der Koordinierung der nationalen Industrie-4.0-Initiativen und Investitionen in Leuchtturmprojekte wie Kompetenz- und Exzellenzzentren. Dazu gehören eine EU-Cloud für die Wissenschaft, das Internet of Things (IoT), Prioritäten bei IKT-Standards und e-Gouvernement. Ziel ist es, dass alle Unternehmen in Europa branchenübergreifend Zugang zu digitalen Innovationen erhalten.
Die Zusammenarbeit und Schaffung neuer digitaler Kompetenzzentren, die Förderung grenzüberschreitender Experimente und Erfahrungsaustausch im Bereich IoT stehen für die Kommission im Vordergrund. Sie kündigt unter anderem Pilotprojekte im Bereich Smart Cities, intelligentes Wohnen, mobile Gesundheit und autonomes Fahren an. Die Kommission verspricht, für die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren bis zu 50 Milliarden Euro durch private und öffentliche Investitionen mobilisieren zu wollen. Dies ist zweifelsfrei der richtige Ansatz. Studien zeigen aber, dass allein in Deutschland bis 2020 bereits jährliche Investitionen von bis zu 30 Milliarden Euro notwendig sein werden, um die digitale Transformation erfolgreich zu meistern. Mit Blick auf die erforderlichen Investitionen bewertet Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, die von EU Kommissar Günther Oettinger für Europa in Aussicht gestellten 50 Milliarden Euro nur als einen Tropfen auf den heißen Stein. Er drängt darauf, dass der Kraftakt, den die EU, die Mitgliedstaaten und die Wirtschaft leisten müssen, deutlich größer sein müsse.

Koordinierung zwischen den Unternehmen verbessern

Die Anstrengungen für eine erfolgreiche digitale Transformation werden vornehmlich von den Unternehmen kommen. Die Kommission könne aber bei der Koordinierung und besseren Vernetzung unterstützen. Europaweit gibt es viele Initiativen zur Digitalisierung der Industrie wie die Plattform Industrie 4.0 in Deutschland, Industrie du Futur in Frankreich, Fabbrica Intelligente in Italien oder Catapult in Großbritannien. Ein besonderes Anliegen der Kommission ist daher die Koordinierung und besserer Vernetzung der über 30 nationalen und regionalen Initiativen zu Industrie 4.0 für einen verstärkten Erfahrungsaustausch. Im Vorfeld der Strategie gab es bereits erste Treffen zwischen den nationalen Initiativen, Experten aus der Industrie, Sozialpartnern und Politik. Diese regelmäßigen Treffen sollen zukünftig halbjährlich fortgeführt werden, so das Papier. Regelmäßig soll ferner über den digitalen Fortschritt der Maßnahmen berichtet werden.

Rechtsrahmen überprüfen

Ein dritter Schwerpunkt der Strategie liegt in der Überprüfung des Rechtsrahmens. Dreh- und Angelpunkt wird nach Vorstellung der Kommission die Fragen nach dem sogenannten Eigentumsrecht an Industriedaten sein. Dabei handelt es sich nicht um Daten, die Informationen über eine bestimmte bzw. bestimmbare Person enthalten. Solche Daten sind über das Datenschutzrecht umfassend geschützt. Im Zeitalter des Internet der Dinge fallen aber immer öfter auch Daten an, die keinen Personenbezug aufweisen. Das Datenschutzrecht gilt für sie nicht. Solche Maschinendaten gewinnen in der vernetzten Wirtschaft massiv an Bedeutung. Bisher ist die Datennutzung nicht durch Gesetz geregelt und wird zwischen Unternehmen vertraglich vereinbart. Derzeit analysiert die EU Kommission, ob es noch ausreichend ist, wenn sich Unternehmer durch Verträge über die Datennutzung einigen oder doch ein Gesetz hermuss. Für Ende November ist im Rahmen des Digitalen Binnenmarkts eine Initiative zum freien Datenfluss geplant. Hier wird die Frage nach dem Eigentumsrecht an Daten, nach Zugang und Weiterverwertung von Industriedaten im Zentrum stehen. Auch sollen Haftungsfragen bei autonomen Systemen und Sicherheitsaspekte von Apps thematisiert werden.

Bildung für die Digitalisierung stärken

Auch im Bildungsbereich sieht die EU-Kommission die Notwendigkeit für grundlegende Veränderungen. Zukünftig werden in der Arbeitswelt mehr Kernkompetenzen aus einer Mischung von Soft Skills und technischen Qualifikationen gefordert sein. Neben digitalen Kompetenzen sollten auch verstärkt Unternehmertum, Führungsqualitäten und Ingenieurswissen gelehrt werden. Die Kommission sieht hier zunächst die Mitgliedstaaten und Regionen in der Pflicht. Die Wirtschaft müsse jedoch eine aktive Rolle in der Definition und Umsetzung dieser Zukunftskompetenzen spielen. Konkrete Schritte sollen mit der Veröffentlichung einer „New Skills Agenda“ im Juni folgen. Die Auswirkungen auf die Arbeitswelt sollen zudem im Dialog mit den Sozialpartnern weiter erörtert werden.


Informationen zum Text
erstellt von: Stefanie Stündel (BDI) und Anne Meister (BDA)

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