15.05.2019

BDA-Geschäftsführerkonferenz: Blick in die Zukunft

Die Europawahl 2019 und die Zukunft der Sozialpartnerschaft – das waren zwei der beherrschenden Themen der diesjährigen BDA-Geschäftsführerkonferenz, die am 13. und 14. Mai von der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände in Stuttgart ausgerichtet wurde. Im nagelneuen imposanten Verbandshaus der Landesvereinigung, dem LOOK 21, das erst vor kurzer Zeit bezogen wurde, wurden die rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie vom CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl begrüßt.
Zu Beginn der GFK hatte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer den Wert eines starken Europas für Deutschland betont. Bei der Wahl am 26. Mai gehe es darum, proeuropäische Kräfte zu stärken und Europa nicht den Populisten und Nationalisten zu überlassen. Es sei richtig und wichtig, dass die Arbeitgeberverbände sich hier so stark für Europa engagierten.
Darüber hinaus ermahnte Ingo Kramer unter anderem die große Koalition mehr als bisher die Wettbewerbsfähigkeit und die Generationengerechtigkeit in den Blick zu nehmen. Angesichts der Tatsache, dass die Konjunkturprognosen gesenkt worden seien, sei der Koalitionsvertrag aus der Zeit gefallen. Es gehe darum sicherzustellen, dass auch nach 2030 45 Millionen Menschen beschäftigt seien. Daher müsse das Fachkräfteeinwanderungsgesetz zügig und noch vor der Sommerpause verabschiedet werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann unterstrich ebenfalls die Relevanz der Europawahl. Die Bedeutung Europas sei elementar - was insgesamt auf dem Spiel stehe, würde man am Brexit sehen. Was die Digitalisierung betreffe, forderte der Ministerpräsident ein entschiedenes Handeln, um die Chancen zu nutzen. Es gehe darum, den Sprung ins digitale Zeitalter zu schaffen.

Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl machte deutlich, dass die Herausforderungen der Digitalisierung nicht allein von der Politik gemanagt werden könnten. Dafür müsse man alle Akteure, auch die Arbeitgeber, die ganz wesentlich zu Wachstum, Wohlstand und gesellschaftlichem Zusammenhalt beitrügen, zusammenbringen. “Gemeinsam krempeln wir die Ärmel hoch und übernehmen Verantwortung,” sagte Strobl.

Vortrag des EU-Kommissars

Wie positioniert sich die EU in der Welt? Dieser Frage ging EU-Kommissar Günther Oettinger am zweiten Tag der GFK nach. Europa sei, so Oettinger, die einzige Möglichkeit für europäische Nationen, um mitzugestalten, allein wären die Staaten zu klein, um Einfluss zu nehmen. Europa sei darüber hinaus Schutzschild für die deutsche Exportindustrie, allein wäre man angreifbar.

Qualifizierte Mehrheitsentscheidungen in der Außenpolitik würde die EU weltpolitikfähiger werden lassen. Die Europäische Geschichte sollte allen eine Lehre sein, das hohe Gut von Freiheit und Frieden zu verteidigen. Wer das aufs Spiel setze und sich nicht um Europa kümmere, gehe hohe Risiken ein. Statt danach zu handeln, würden die europarelevanten Aspekte von innenpolitischen Diskussionen um Grundrente, Rente mit 63 und Co verdrängt, kritisierte Günther Oettinger.

Auf der Geschäftsführerkonferenz der BDA wurde auch die Arbeitswelt von morgen unter die Lupe genommen. Als Redner hatte sich Wilfried Porth, Vorstandsmitglied der Daimler AG, eingefunden. Er beschrieb, inwieweit der Wandel durch die Digitalisierung auch Auswirkungen auf den Bedarf an Fachkräften habe. Nicht nur seien heute andere Kenntnisse und Fertigkeiten gefragt als noch vor einigen Jahren, auch die Bedeutung von Soft Skills nehme zu. Und auch potenzielle Arbeitnehmer haben heute andere Anforderungen an Arbeitgeber, was sich nicht nur auf die Aufgabe und die Arbeitsbedingungen in Unternehmen fokussiert, sondern auch auf Wege des Recruitings. Dem müssten Unternehmen gerecht werden, wenn sie im Wettbewerb um die besten Talente bestehen wollen. Daimler lege Wert darauf, den Wandel gemeinsam mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu gestalten. Ihre Eigeninitiative zu fördern, bedeute auch die persönliche Entwicklung zu fördern.

Zwei interne Diskussionsrunden vervollständigten die diesjährige GFK. Zum einen ging es um strategische Verbandsentwicklung. Wie sieht der Arbeitgeberverband der Zukunft aus? Darüber diskutierten am ersten Tag mit BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter Andrea Belegante, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Systemgastronomie, Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände sowie Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer beim Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie.

Die Zukunft der Sozialpartnerschaft stand im Mittelpunkt der zweiten internen Beratung. Professor Frank Bayreuther, Inhaber Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht der Universität Passau gehörte ebenso zu den Diskutanten wie Brigitte Faust, Präsidentin des Arbeitsgeberverbands Nahrung und Genuss wie auch Nadine Boguslawski, Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart. Hier herrschte breite Einigkeit darüber, dass auch nach 100 Jahren Sozialpartnerschaft um ihre Attraktivität immer wieder neu gerungen werden müsse. So gehe es darum, auch junge Unternehmen für die Sozialpartnerschaft zu begeistern. Dazu bedürfe es moderner Tarifverträge.

In seinen Schlussworten bedankte sich BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter bei der gastgebenden Landesvereinigung, bei den hochrangigen Rednerinnen und Rednern für ihr Engagement, und er sprach auch dem Publikum für dessen rege Beteiligung seinen Dank aus. Die BDA gehe als Spitzenverband der deutschen Wirtschaft voran. Kampeter nannte als Stichworte unter anderem eine modernisierte IT und das Arbeiten in der Cloud, modernere Gremienarbeiten, räumliche Veränderungen, neue Formen der Mitarbeiterbindung und der Personalgewinnung. Auch die Mitgliedsverbände würden durch einen besseren Service davon profitieren. Darüber hinaus kündigt er an, das Nachwuchsprogramm der BDA zu modernisieren und neu aufzustellen. Die Arbeitgeberverbände seien gefordert, sich stetig zu hinterfragen und gezielt weiterzuentwickeln, um auch in Zukunft für die Unternehmen in Deutschland erfolgreiche Arbeit leisten zu können.

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