Deutscher Arbeitgeberpreis für Bildung 2011

Bildungseinrichtungen in Stuttgart, Gelnhausen, München und Regensburg ausgezeichnet. BDA-Vizepräsident Dr. Gerhard F. Braun, Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom, und Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutschen Bahn, haben heute im Rahmen des Deutschen Arbeitgebertages in Berlin besonders herausragende Leistungen in der Bildungsarbeit prämiert. Die mit je 10.000 Euro dotierten Preise wurden in den Kategorien frühkindliche, schulische, berufliche und hochschulische Bildung vergeben.
Der diesjährige Wettbewerb steht unter dem Leitgedanken „Integration leben – Potenziale entfalten“. Ausgezeichnet wurden Bildungseinrichtungen, in denen junge Menschen mit Migrationshintergrund gezielt gefördert und die interkulturellen Kompetenzen aller Kinder und Jugendlichen entwickelt werden.

Die Preisträger sind:

  • Kategorie „Frühkindliche Bildung“: Kita an der Daimlerstraße 103c in Stuttgart
  • Kategorie „Schulische Bildung“: Philipp-Reiss-Schule Gelnhausen
  • Kategorie „Berufliche Bildung“: Atelier La Silhouette München
  • Kategorie „Hochschulische Bildung“: Universität Regensburg
„Die Talente junger Menschen mit Migrationshintergrund werden bisher noch zu wenig entfaltet. Hier muss unser Bildungssystem besser werden“, mahnte BDA-Vizepräsident Dr. Braun anlässlich der Preisverleihung. „Gute Bildungsvoraussetzungen sind maßgeblich für die Integration in unsere Gesellschaft. Außerdem schlummert hier ein Potenzial, das wir gerade auch vor dem Hintergrund zunehmenden Fachkräftemangels heben müssen.“

Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom ergänzte: „Nahezu jeder fünfte in Deutschland lebende Bürger hat ausländische Wurzeln. Eine derart große Bevölkerungsgruppe lediglich als Bereicherung durch Vielfalt zu verstehen, wäre zu kurz gegriffen und kurzsichtig. Sie ist Wirtschaftsfaktor und Talentquelle. Es ist zu hoffen, dass sich noch mehr Bildungseinrichtungen ein Beispiel an unseren Preisträgern nehmen, damit wir nicht weiter dringend benötigte Talente verlieren.“

Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutschen Bahn, betonte: „Die Förderung der Begabungen und die Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund müssen an vielen Stellen unseres Bildungssystem zur Selbstverständlichkeit werden. Die Preisträger zeigen eindrucksvoll, wie dies gelingen kann. Sie stellen die Kompetenzen des Einzelnen in den Mittelpunkt, erkennen Vielfalt und unterschiedliche Biografien als Potenzial an und arbeiten eng mit ihrem Umfeld, zum Beispiel Eltern oder Unternehmen, zusammen. Ich hoffe, dass diese guten Beispiele viele Nachahmer finden.“

Die Preisträger: (Per Klick auf das Bild, öffnet sich die Großansicht!)

Kita an der Daimlerstraße 103c in Stuttgart
Die städtische Tageseinrichtung stellt mit ihrer Konzeption das Kind und sein Wohlergehen konsequent in den Mittelpunkt. Ein enges Vertrauensverhältnis zu den Eltern macht die Kita zu einem Familienzentrum. Die Eltern werden als Experten für ihre Kinder und als Bildungs- und Erziehungspartner betrachtet und intensiv einbezogen.

Schon der Eingangsbereich macht die verschiedenen Nationalitäten zum Beispiel durch Flaggen der Herkunftsnationen sichtbar. Der Respekt vor der Herkunft schafft Vertrauen in die Erzieherinnen, stärkt das Selbstvertrauen der Kinder als Persönlichkeit und ist daher Grundlage auch für eine intensive Förderung der deutschen Sprache. Die Erzieherinnen reflektieren ihr Sprachverhalten ebenso wie die Bedürfnisse der Kinder und Eltern sehr intensiv. Die individuelle Förderung basiert auf dem Konzept „Einstein“: Es setzt an der Neugier und Fantasie der Kinder an und bietet mit verschiedenen Räumen spielerische Lernangebote in verschiedenen Bereichen.

Philip-Reis-Schule in Gelnhausen
Die Grund- und Hauptschule ist beispielhaft mit ihrem Konzept „Interkulturelle Berufsorientierung, indem sie die Eltern stärker in den Berufsorientierungsprozess ihrer Kinder einbezieht. Über eine intensive Zusammenarbeit mit dem Ausländerbeirat der Stadt, ausländischen Vereinen und Unternehmen erhält die Schule einen besonderen Zugang zu den Eltern. Auch auf persönliche Ansprache wird Wert gelegt; Eltern können sich durch einen Sprachmittler bei wichtigen Terminen unterstützen lassen.

Die individuelle Förderung der Schüler wird konsequent umgesetzt. Ein Beispiel sind die Intensivklassen Deutsch. Für eine fundierte Berufsorientierung arbeitet die Schule im regionalen Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT. Organisiert werden z. B. Bewerbungstrainings und Betriebserkundungen. Benachteiligte Schüler werden u.a. durch Berufseinstiegsbegleiter unterstützt. In „SchuB“-Klassen erhalten schwächere Schüler eine Chance, den Übergang in das Berufsleben zu meistern.

Atelier La Silhouette
Das „Atelier La Silhouette“ ist gleichzeitig Ausbildungsbetrieb im Damenschneiderhandwerk und berufsbezogene Jugendhilfe. Das Spektrum der Auszubildenden und der Ausbilderinnen ist äußerst vielfältig: von der zweiten Generation aus Gastarbeiterfamilien bis zu Bürgerkriegsflüchtlingen. Die verschiedenen Alltags- und Herkunftskulturen werden durch eine gemeinsame Lernbasis verbunden.
Die interkulturelle Orientierung ist fester Bestandteil des Ausbildungskonzepts und wird als Quelle der Kraft, Motivation und Wertschöpfung – also als Potenzial – angesehen. Die Förderung orientiert sich am Können und dem Förderbedarf der einzelnen Ausbildungsgruppe. Zusätzlich zur Ausbildung besteht die Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen oder einen höherwertigen zu erreichen. Zur Evaluation existiert ein Dokumentationssystem, an dem die jungen Frauen selbst beteiligt sind. Auch Netzwerkarbeit ist wesentlicher Bestandteil wie z. B. die Kooperation mit Akteuren der Berufsbildung und anderen Firmen.

Universität Regensburg
Das ausgezeichnete „Secondos“-Programm, das mit allen Studienfächern der Universität Regensburg kombinierbar ist, richtet sich an Studierende aus der zweiten Generation von Zuwandererfamilien aus Mittel- und Osteuropa. Die Teilnehmer absolvieren im ersten Studienjahr studienbegleitend Sprachkurse und Landeskunde zum Herkunftsland, worauf sich ein Auslandsstudienjahr an einer dortigen Partneruniversität anschließt. Sie beenden ihr Studium nach dem sechsten Semester mit einem Bachelor-Abschluss der Universität Regensburg sowie in der Regel einem entsprechenden Abschluss der ausländischen Partneruniversität.

Die Secondos-Studierenden können so ihre Kenntnisse zur Sprache und Kultur der Eltern umfassend ausbauen, schöpfen ihr Potenzial beruflich und persönlich besser aus und erhöhen mit den Abschlüssen aus zwei Bildungssystemen ihre Chancen für einen erfolgreichen Berufseinstieg.
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