10.05.2017

Neuer Rekord bei MINT-Lücke: 237.500 fehlende Arbeitskräfte – IT-Experten stark nachgefragt

Den Unternehmen fehlten im April 237.500 Arbeitskräfte im sogenannten MINT-Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Dies ist der höchste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Allein im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die MINT-Lücke um 38,6 Prozent angestiegen. Auch die Zahl der offenen MINT-Stellen hat mit 430.400 ein Allzeithoch erreicht. Die Digitalisierung der Wirtschaft hat klare Effekte: Fast 40 Prozent aller fehlenden akademischen MINT-Arbeitskräfte werden inzwischen für den IT-Bereich gesucht.
Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln: „MINT ist wichtig für die Wirtschaft und attraktiv für den Einzelnen. MINT bietet höhere Einkommen und bessere Karriereperspektiven. Befristungen sind für MINT-Akademiker mit einer Quote von 28,3 Prozent nur im Öffentlichen Dienst relevant, in der M+E-Industrie sind es 3,9 Prozent. MINT stärkt die Chancen jedes Einzelnen – es gibt in MINT-Fächern häufiger Bildungsaufstieg und bessere Integrationsperspektiven als in anderen Fachrichtungen. Die Politik setzt mit der Rente mit 63 jedoch leider falsche Akzente und hat dadurch im Umfang von 13.500 Personen zur Verschärfung der MINT-Fachkräftelücke beigetragen.“

Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender der Initiative „MINT Zukunft schaffen“: „Ohne die jüngsten Zuwanderungserfolge wäre die Fachkräftelücke um fast die Hälfte höher. Die Zuwanderer sichern mit ihrer wirtschaftlichen Integration auch die MINT-Erfolge der Unternehmen. Wir müssen die Potenzialzuwanderung auch für Nicht-Akademiker ausbauen und mit einer Talent Card dafür werben. Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sollte die Sprachförderung verbessert werden. Abschiebungen trotz Ausbildungsvertrag oder während eines Praktikums schreckt Betriebe davor ab, Asylbewerber oder Geduldete auszubilden.“

Dr. Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall: „Problematisch bleibt das absehbare Defizit bei den beruflich ausgebildeten MINT-Fachkräften. Während der Anteil der MINT-Akademiker unter den Hochschulabsolventen von 31,3 Prozent im Jahr 2005 auf 35,1 Prozent in 2015 gestiegen ist, ging gleichzeitig die Quote der 30- bis 34-Jährigen mit einer MINT-Berufsausbildung als höchstem Abschluss von 22,3 Prozent auf 18,8 Prozent zurück. Wir müssen also ganz dringend mehr junge Menschen für die MINT-Berufe gewinnen.

Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirt-schaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Bundesverbands der Deutschen Industrie, des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen".
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