Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Mehr Frauen in der Wirtschaft

Die Arbeitgeber begrüßen es ausdrücklich, dass immer mehr Frauen erwerbstätig sind. Bei der Erwerbstätigenquote liegen die Frauen fast gleichauf mit den Männern. Aber: Die Berufsbiografien von Männern und Frauen unterscheiden sich leider immer noch voneinander. Frauen sind in geringerem Stundenumfang erwerbstätig, sie entscheiden sich seltener für Branchen und Berufe mit höheren Verdienst- und Karrierechancen, sie haben längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und erreichen damit auch seltener Führungspositionen als Männer. Um dies zu ändern, müssen vor allem tradierte Rollenbilder aufgebrochen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorangebracht werden.
Familienförderung mehr auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausrichten

Die Frage der Chancengleichheit ist eng mit der Familienpolitik verknüpft. Insgesamt werden in Deutschland für rund 160 ehe- und familienpolitische Maßnahmen jährlich mehr als 200 Milliarden Euro ausgegeben. Eine im Auftrag von Bundesfinanz- und Bundesfamilienministerium erstellte Gesamtevaluation hat zentrale ehe- und familienbezogene Leistungen auf ihre Wirksamkeit untersucht. Die Evaluation bestätigt einmal mehr, dass die Familienförderung stärker darauf ausgerichtet werden muss, die Entscheidung für ein Kind zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Die Ergebnisse der Gesamtevaluation sollten konsequent in politisches Handeln umgesetzt werden.

Vollzeit- und vollzeitnahe Erwerbstätigkeit fördern

Frauen weisen heute einen hohen Bildungsgrad und eine vielfach bessere Qualifikation als Männer auf. Sie stellen über die Hälfte der Hochschulabsolventinnen und -absolventen und 47 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland (Bundesagentur für Arbeit, 2016). Gleichzeitig ist aber knapp die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Deutschland teilzeitbeschäftigt und das zu einer im EU-Vergleich unterdurchschnittlichen Wochenstundenzahl von knapp 20 Stunden (Eurostat, 2016). Dies, längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und die daraus resultierende geringere Berufserfahrung und Qualifikationsverluste führen vielfach dazu, dass sich Karrieren und Verdienstaussichten langsamer entwickeln. Wenn Frauen verstärkt vollzeitnah oder in Vollzeit beschäftigt wären und kürzer aus dem Erwerbsleben aussteigen würden, würde dies dazu beitragen, dass sie bei der Karriere und den Verdienstmöglichkeiten mehr mit den Männern gleichziehen.

Kinderbetreuung und Ganztagsschulen bedarfsgerecht ausbauen

Ein wesentliches Hemmnis für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist der noch immer bestehende Mangel an einer hochwertigen, bedarfsgerechten und bezahlbaren Kinderbetreuung und Ganztagsschulangeboten. Die Gesamtevaluation zeigt auch, dass nur bei der Betreuung in einer öffentlich geförderten Kinderbetreuung kein Konflikt zwischen den verschiedenen Zielen der Familienpolitik besteht. Daher sollte der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur ein familienpolitischer Schwerpunkt bleiben. Sie hat sich zwar bereits verbessert, aber sie ist insgesamt und speziell in einzelnen Städten und Gemeinden weiterhin unzureichend. Auch besuchen bisher nur rd. 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Ganztagsschule, während sich 70 Prozent der Eltern dies wünschen (Bertelsmann Stiftung, 2014). Der weitere Ausbau von bedarfsgerechten, bezahlbaren und hochwertigen Ganztagskinderbetreuungs- und Ganztagsschulangeboten muss nach wie vor prioritär sein.

Ehe- und familienpolitische Leistungen weiterentwickeln

Negative Wirkungen auf die Berufstätigkeit von Frauen gehen vom Betreuungsgeld (auf Länderebene) und von drei ehebezogenen Leistungen aus: Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung und das Ehegattensplitting mit Steuerklasse V setzen Fehlanreize, dass ein Ehepartner – zumeist die Frau – nicht oder nur geringfügig berufstätig ist; insgesamt rd. 450.000 Frauen (ZEW, 2013) bleiben deshalb dem Arbeitsmarkt fern. Diese ehebezogenen Leistungen führen zur wirtschaftlichen Abhängigkeit vom besser- oder alleinverdienenden Partner und damit zu sozialen Risiken bei Arbeitslosigkeit des Alleinverdieners, bei Scheidung bzw. im Alter. Sie sollten daher so weiterentwickelt werden, dass die Fehlanreize gegen die Aufnahme einer Arbeit bzw. einer Arbeit in geringem Umfang verringert werden. Als steuerliche Entlastung sollten erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten im Rahmen steuerlicher Höchstgrenzen vollständig abzugsfähig sein.

Arbeitgeber unterstützen Beschäftigte mit Familienverantwortung

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels liegt es im Interesse der Unternehmen, gut qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – auch mit Familienverantwortung – zu gewinnen und langfristig zu binden. Aus diesem Grund engagiert sich eine Vielzahl der Unternehmen mit betrieblichen Angeboten, um erwerbstätige Eltern und Beschäftigte, die Angehörige pflegen, zu unterstützen. Dazu zählen insbesondere Modelle zur Flexibilisierung von Arbeitszeit, wie Gleitzeit oder Teilzeit, und Arbeitsorganisation, z. B. mobiles Arbeiten. Auch Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder Aktivitäten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements gehören zu den Angeboten der Arbeitgeber. Betriebliche Maßnahmen können nur erfolgreich sein, wenn sie mit veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und einem Kulturwandel einhergehen. Hier sind nicht nur die Unternehmen, sondern die gesamte Gesellschaft, die Politik und jeder und jede Einzelne gefordert.

Die BDA und ihre Mitglieder tragen über zahlreiche Projekte und Initiativen zu einer Erleichterung der Vereinbarkeit bei. Zu den Aktivitäten zählen z. B. die Initiative „Familienbewusste Arbeitszeiten“, das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ oder die Broschüre „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ mit zahlreichen Praxisbeispielen und das „Memorandum Familie und Arbeitswelt – Die NEUE Vereinbarkeit“.

Wirtschaft für mehr Frauen in Führungspositionen

Die deutsche Wirtschaft spricht sich für eine größere Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen aus. Die Arbeitgeberverbände leisten mit zahlreichen Projekten und Initiativen einen wichtigen Beitrag, um die Erwerbs- und Karrierechancen von Frauen weiter zu erhöhen. Dazu zählen Aktivitäten im Bereich „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, aber auch spezielle Initiativen zur Förderung von Frauen, wie beispielsweise Mentoring-Programme, Beiräte für Frauen in Führungspositionen und Sozialpartnervereinbarungen. Die Anstrengungen der Wirtschaft zeigen zunehmend Erfolg. Inzwischen sind Frauen immer häufiger auf allen Führungsebenen der Unternehmen vertreten – auch ohne starre gesetzliche Quote.
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