09.08.2017

OECD-Beschäftigungsausblick: Spitzenwerte für Deutschland

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am 13. Juni 2017 die neue Ausgabe ihres jährlich erscheinenden Beschäftigungsausblicks veröffentlicht. Zu Recht unterstreicht die OECD die positive Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland. Falsch ist jedoch die Behauptung, dass Berufe mit mittleren Qualifikationsanforderungen immer seltener gebraucht werden.
In ihrem jährlich erscheinenden Beschäftigungsausblick untersucht die OECD die Arbeitsmarktentwicklung in ihren 35 Mitgliedsländern und bewertet u. a. die Effekte beschäftigungspolitischer Maßnahmen. Die Ergebnisse des Beschäftigungsausblicks werden bei der Überarbeitung der OECD Jobs Strategy Berücksichtigung finden, die spätestens bis Herbst 2018 abgeschlossen sein soll.

Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland weiterhin positiv

Für Deutschland kommt die OECD in ihrem Beschäftigungsausblick 2017 zu folgenden Resultaten: Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen lag Ende 2016 mit 75 % klar über dem OECD-Durchschnitt von 67 %. Mit einer Erwerbslosenquote von knapp 4 % Ende 2016 schneidet Deutschland im Vergleich (OECD-Durchschnitt 6 %) ebenfalls sehr gut ab. Gleichzeitig behauptet die OECD, dass in Deutschland, wie auch in anderen OECD-Ländern, Berufe mit mittleren Qualifikationsanforderungen weniger gebraucht würden. Bei den Nominallöhnen erwartet die OECD einen Anstieg von 2,5 % im Jahr 2018. Die OECD beschreibt die Lohnzuwächse in Deutschland insgesamt als "verhalten" und moniert den angeblich zu hohen Anteil der Personen im arbeitsfähigen Alter mit niedrigen Einkommen.

Moderate Löhne als Sprungbrett in Beschäftigung

Die Kritik der OECD an einem vermeintlich hohen Anteil an Beschäftigten in Deutschland, die zu niedrigen Löhnen arbeiten, verkennt, dass der Niedriglohnbereich Einstiegsmöglichkeiten in Beschäftigung, insbesondere für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose, schafft. Auch ist die Behauptung, dass Berufe mit mittleren Qualifikationsanforderungen immer seltener gebraucht werden, nicht korrekt. Die OECD macht einen entscheidenden Denkfehler, weil sie die in der Vergangenheit stark wachsenden Gruppen der Dienstleistungs- und Verkaufsberufe automatisch als Berufe mit geringqualifizierten Tätigkeiten definiert. Das lässt außer Acht, dass viele dieser Berufe Ausbildungsberufe mit durchaus anspruchsvollen Inhalten sind und deswegen zu den Berufen mit mittelqualifizierten Tätigkeiten gehören sollten.

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erstellt von:
Martin Kumstel (m.kumstel@arbeitgeber.de)
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