Schrift: +-

Gemeinsame Erklärung von BDA und VDBW

Psychische Erkrankungen: Abgestimmtes Zusammenwirken unerlässlich

Für die BDA und den Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) ist es ein zentrales Anliegen, das Thema Psychische Erkrankungen von der Prävention und Früherkennung über die Behandlung bis zur Wiedereingliederung anzugehen und für nachhaltige betriebliche Lösungen zu werben. Voraussetzung hierfür ist eine gute Kooperation der Betriebs- und Werksärzte mit den anderen betrieblichen Akteuren. Eine entsprechende Erklärung wurde heute (9. Februar 2012) in Salzgitter unterzeichnet.
Psychische Gesundheit ist eine unverzichtbare Grundlage, um im modernen Arbeitsleben zu bestehen und sich fachlich und persönlich zu entfalten. Mehr denn je wird körperliche und geistige Gesundheit aber auch als zentrale Grundlage hoher Wettbewerbsfähigkeit verstanden. Die Zunahme an psychischen Erkrankungen und die damit verbundenen Fehlzeiten der Beschäftigten stellen Unternehmen und Betriebsärzte vor neue Herausforderungen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) sehen daher gemeinsamen Handlungsbedarf. Ihnen ist es ein zentrales Anliegen, das Thema Psychische Erkrankungen gezielt und umfassend, d.h. von der Prävention und Früherkennung über die Behandlung bis zur Wiedereingliederung, anzugehen und für nachhaltige betriebliche Lösungen zu werben. Voraussetzung hierfür ist eine gute Kooperation der Betriebs- und Werksärzte mit den anderen betrieblichen Akteuren.

Die Spitzenvertreter beider Interessensvertretungen unterzeichneten am Donnerstag, den 9. Februar 2012, eine gemeinsame Erklärung. Darin werben sie für konkrete Handlungsempfehlungen, wie sie beispielsweise vom Ausschuss für Arbeitsmedizin beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales in der arbeitsmedizinischen Empfehlung zur psychischen Gesundheit enthalten sind. Am konkreten Modell der Salzgitter AG wurde aufgezeigt, wie Unternehmen ihrer Verantwortung in Bezug auf das Thema Psychische Gesundheit und bedarfsorientierte Betreuung und Versorgung ihrer Mitarbeiter in beispielhafter Weise nachkommen. Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA, und Dr. Wolfgang Panter, Präsident des VDBW, unterstrichen mit dieser gemeinsamen Erklärung die Notwendigkeit einer engen Kooperation zwischen Betriebs- und Werksärzten und Betriebsverantwortlichen. Die Vereinbarung rückt diese Notwendigkeit inhaltlich in den Fokus und formuliert den Handlungsrahmen für ein konzertiertes Vorgehen.

Früherkennung und integrative Versorgung als Erfolgsfaktoren

Als häufigste Ursache für Frühverrentungen haben psychische und psychosomatische Erkrankungen eine zunehmende volkswirtschaftliche Relevanz: Allein in Deutschland stiegen aufgrund seelischer Leiden im Jahr 2010 etwa 70.000 Beschäftigte vorzeitig aus dem Berufsleben aus – Tendenz steigend. Als Treiber der dabei entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten (Deutschland: 29 Milliarden Euro pro Jahr) hat sich eine nicht bedarfsgerechte medizinische Versorgung erwiesen: Neben langen Wartezeiten für eine erste Therapie fehlt es bei der Weiterbehandlung an einer intelligenten Vernetzung von Gesundheitssystem und Arbeitswelt. Dabei können gerade gezielte Maßnahmen der Früherkennung und ein integrativer Ansatz bei Therapie und Weiterbehandlung wesentlich zur Entschärfung dieses individuellen und ökonomischen Missstandes beitragen.

Richtungsweisendes Pilotprojekt für bundesweite Entwicklung

Das Modell der Salzgitter AG zeigt beispielhaft, wie betroffenen Beschäftigten schnell und zuverlässig geholfen wird. Gemeinsam mit den Betriebsärzten, der Betriebskrankenkasse Salzgitter und der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover hat die Salzgitter AG ein Betreuungssystem etabliert, das alle an der Behandlung Beteiligten sowie die Kostenträger aufs Engste vernetzt, um eine nahtlose Therapiekette zu gewährleisten. Ziel ist die schnelle Genesung der betroffenen Mitarbeiter und deren optimale (Wieder-)Eingliederung in den Betrieb. In ihrem Pressegespräch präsentierten BDA und VDBW daher zusammen mit den lokalen Akteuren, wie psychisch erkrankte Beschäftigte optimale Versorgung erhalten. Sie erläuterten medizinische und organisatorische Zusammenhänge und gaben einen Ausblick auf künftige bundesweite Entwicklungen.

Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA, unterstrich den exemplarischen Charakter des „Salzgitter-Modells“: „Für uns Arbeitgeber ist vor allem wichtig: Die Probleme mit den wachsenden Fehlzeiten und Frühverrentungen auf Grund psychischer Störungen lassen sich nur im gemeinsamen Zusammenwirken aller Beteiligten lösen. Die Arbeitgeber sind gefordert, Risiken für die psychische Gesundheit im Rahmen der gesetzlichen Gefährdungsbeurteilung der Arbeitsplätze zu berücksichtigen und die Arbeitsgestaltung und Unternehmenskultur so anzupassen, dass psychische Fehlbelastung möglichst vermieden, zumindest aber begrenzt werden. Aber allen muss klar sein, dass sich psychische Erkrankungen, weil sie meist maßgeblich durch außerberufliche Umstände bedingt sind, dadurch allein nicht hinreichend lösen lassen. Wir brauchen vor allem auch die Bereitschaft und die Eigeninitiative der Betroffenen sowie ein verbessertes Zusammenwirken der Sozialversicherungen und eine bessere Koordination ihrer Aktivitäten zur Versorgungsoptimierung. Ein abgestimmtes Zusammenwirken der Unternehmen mit den Sozialversicherungsträgern trägt dazu bei, Mitarbeiter mit psychischen Störungen vor Erkrankungen und Frühverrentung zu schützen und kann die Erfolgschancen bei der Re-Integration in den Arbeitsprozess erheblich verbessern.“

Risiken frühzeitig erkennen und betriebliche Lösungswege aufzeigen

Dr. Panter, Präsident des VDBW, machte klar: „Betriebsärzte sind beim Thema Psychische Gesundheit der zentrale Ansprechpartner vor Ort. Durch ihre betrieblichen Kompetenzen und Kenntnisse unterstützen sie die Unternehmen beim Erkennen von Risiken, der Ableitung von Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung und bei betrieblichen Lösungen. Und natürlich helfen sie betroffenen Mitarbeitern, wieder gesund zu werden.“ Unternehmen haben ein großes und nicht nur ökonomisches Interesse an gesunden Mitarbeitern und sicheren Arbeitsplätzen. Durch Koordination und Vermittlung leisten die Betriebsärzte einen wichtigen Beitrag zur rechtzeitigen und ausreichenden Behandlung von Beschäftigten mit einer psychischen Störung oder Erkrankung.

Gemeinsames Interesse und Wirken von Arbeitgebern und Werks- und Betriebsärzten

Die BDA und der VDBW halten eine gute Zusammenarbeit der Betriebs- und Werksärzte mit den anderen betrieblichen Akteuren im Umgang mit dem Thema Psychische Gesundheit im Betrieb für notwendig. Dabei ist eine kompetente partnerschaftliche Unterstützung des Unternehmens durch den Betriebsarzt von großer Bedeutung. Mit der gemeinsamen Erklärung setzen sie sich nun dafür ein, dass das „Salzgitter-Modell“ in Deutschland Schule macht. Unterstützt werden sie dabei durch die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN, die Landesvereinigung der BDA in Niedersachsen). Arbeitgeber und Betriebsärzte sind sich der Bedeutung des Themas Psychische Gesundheit im Betrieb bewusst. Die Gefährdungsbeurteilung „Psychische Belastung“ sollte in ein funktionierendes Arbeitsschutzmanagement (Gefährdungshandhabung nach geltendem Arbeitsschutzgesetz) integriert sein. Dem Betriebsarzt kommt dabei eine zentrale Rolle als neutraler Berater und Lotse beim betrieblichen Eingliederungsmanagement zu.

BDA
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V., kurz BDA genannt, ist die sozialpolitische Spitzenorganisation der gesamten deutschen gewerblichen Wirtschaft. Sie vertritt die Interessen kleiner, mittelständischer und großer Unternehmen aus allen Branchen in allen Fragen der Sozial- und Tarifpolitik, des Arbeitsrechts, der Arbeitsmarktpolitik sowie der Bildung. Die BDA setzt sich auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene für die Interessen von 1 Mio. Betriebe ein, die 20 Mio. Arbeitnehmer beschäftigen und die der BDA durch freiwillige Mitgliedschaft in Arbeitgeberverbänden verbunden sind. Die Arbeitgeberverbände sind in den der BDA unmittelbar angeschlossenen 52 bundesweiten Branchenorganisationen und 14 Landesvereinigungen organisiert. www.arbeitgeber.de

VDBW
Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) ist der Berufsverband deutscher Arbeitsmediziner und der größte arbeitsmedizinische Fachverband Europas. Er vertritt seit 61 Jahren die Interessen seiner rund 3.000 Mitglieder, die aus internationalen Großunternehmen, Verwaltungen, Betriebsarztzentren oder aus der freiberuflichen eigenen Praxis stammen. Zu den Aufgaben des VDBW gehören die Förderung der Qualität arbeitsmedizinischer Betreuung, die Integration des präventiven Fachgebietes Arbeitsmedizin in das medizinische Versorgungssystem und die Unterstützung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention in den Betrieben. Der VDBW unterstützt gemeinsam mit anderen maßgeblichen Fachdisziplinen und Institutionen die Gewinnung und Auswertung neuster arbeitsmedizinischer Erkenntnisse sowie deren Weitergabe in die Praxis und wirkt an der Gestaltung arbeitsmedizinischer Programme mit. Die Zentrale des VDBW ist in Karlsruhe. www.vdbw.de

Für die BDA:
Norbert Breutmann
Tel.: 030 / 2033-1611
Mail: n.breutmann@arbeitgeber.de

Für den VDBW:
Gabriele Zapfe / DauthKaunPR
Tel.: 030 / 2404786-31
Mail: gabriele.zapfe@dauthkaun.de

Alle Vorträge finden Sie ab dem 14.2. als Download unter folgenden Adressen:
www.arbeitgeber.de
www.vdbw.de/Pressemitteilungen.71.0.html
www.uvn-online.de
www.deutsche-rentenversicherung-braunschweig-hannover.de