Tarifverträge

Vorteile des Branchentarifvertrags erkennen und nutzen

Zu Recht ist der Tarifvertrag, insbesondere der Branchen- bzw. Flächentarifvertrag – nach wie vor die prägende Ordnungsgröße der Arbeitsbeziehungen in Deutschland. Entgegen mancher Kritik konnte der Flächentarifvertrag auch in der letzten Wirtschaftskrise seine Gestaltungskraft erneut unter Beweis stellen.
Insgesamt arbeiten ca. 80 Prozent der Beschäftigten in Deutschland unmittelbar oder mittelbar auf der Basis von Tarifverträgen (West: 81 Prozent, Ost: 73 Prozent). Für die meisten Arbeitgeber ist damit das kollektive Aushandeln der Arbeitsbedingungen nach wie vor die bevorzugte Form der Lohnfindung.

Für den Flächentarifvertrag sprechen eine Reihe überzeugender Argumente:
  • Der Flächentarifvertrag hält Konflikte weitgehend aus den Betrieben heraus und sichert damit den Betriebsfrieden.
  • Gerade in einer hochvernetzten und arbeitsteilig organisierten Wirtschaft bietet der Flächentarifvertrag den Betrieben Planungssicherheit.
  • Der Flächentarifvertrag nimmt den Firmen den zeit- und kostenträchtigen Aufwand der Tarifverhandlungen ab.
  • Der Flächentarifvertrag ist insbesondere bei der Regelung komplexer Rechtsmaterien ein echtes Dienstleistungsangebot – vor allem für kleine und mittlere Betriebe.
  • Der Flächentarifvertrag ermöglicht durch die Friedenspflicht während seiner Laufzeit störungsfreie Lieferbeziehungen.
  • Im Flächentarifvertrag können – wie nirgends sonst – auch gesamtwirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden.

Gleichwohl gilt es, die Attraktivität des Flächentarifvertrags als Instrument der Lohnfindung weiter zu steigern. Der Tarifvertrag ist nämlich kein Selbstzweck. In den 1980ern und 1990ern haben sich Lohnabschlüsse oberhalb des Produktivitätszuwachses sowie kollektive Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich und ohne ausreichende Flexibilität vielfach zu Lasten der Attraktivität des Flächentarifvertrags ausgewirkt. Diese Fehlentwicklungen konnten durch die Umsetzung eines tarifpolitischen Modernisierungskurses in den letzten zehn Jahren in weiten Teilen bereits wieder eingefangen werden. Eine praxisorientierte Weiterentwicklung des Flächentarifvertrags ist daher auch weiterhin die Voraussetzung für seine Effektivität als Dienstleistungsprodukt für die Unternehmen. Nur der moderne und anpassungsfähige Tarifvertrag wird im Wettbewerb bestehen.

Überregulierungen abbauen – Betriebsebene stärken

Der Reformansatz der BDA für den Flächentarifvertrag stellt darauf ab, Überregulierungen abzubauen und den Handlungsspielraum der betrieblichen Ebene zu stärken. Tarifbedingungen müssen wieder Mindestbedingungen im ökonomischen Sinne sein. Das gilt für Entgelte, für Sonderzahlungen wie das Weihnachts- oder das Urlaubsgeld und auch für Arbeitszeitregelungen. Um den Unternehmen und Beschäftigten genügend Freiheiten einzuräumen, sollten Tarifverträge daher in erster Linie Rahmenregelungen sein. Durch eine ständige Anpassung des Flächentarifvertrags an die Veränderungen in der betrieblichen Praxis lassen sich im Wege einer „kontrollierten Dezentralisierung“ Entscheidungskompetenzen von der Tarif- auf die Betriebsebene verlagern. Dadurch wurden über Wahl-, Options- und Korridorlösungen Möglichkeiten geschaffen, Entgelte und Arbeitszeiten flexibel auf der Betriebsebene zu gestalten. Den Weg dahin ebnen tarifliche Öffnungsklauseln, die zumeist abhängig von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens auf der Betriebsebene Abweichungen vom Tarifvertrag ermöglichen. Sie gehören mittlerweile zum tarifpolitischen Standardrepertoire – es gibt kaum noch Branchen, die nicht mindestens in einem ihrer Tarifwerke Öffnungsklauseln haben.

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