MINT-Qualifikationen

Engpass bei MINT-Nachwuchs hemmt Wachstum und Innovationen

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gefährdet durch den Mangel an Nachwuchs in den MINT-Qualifikationen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Der Engpass an naturwissenschaftlich-technisch qualifizierten Arbeitskräften ist ein strukturelles Problem, das als Wachstums- und Innovationsbremse hohe Wertschöpfungsverluste für die deutsche Volkswirtschaft verursacht.
MINT-Arbeitskräfte sind der Motor des Innovationsstandortes Deutschland. Die Bedeutung der MINT-Qualifikationen für die Wachstumsprozesse in Deutschland zeigt sich auch an der dynamischen Zunahme der MINT-Beschäftigung: bei den MINT-Akademikern im Verlauf des Jahres 2011 um rd. 114.000, bei den beruflich Qualifizierten sogar um 173.000. Die Nachfrage der Unternehmen ist jedoch deutlich höher – erhebliche Fachkräfteengpässe sind die Folge. Die MINT-Arbeitskräftelücke (MINT-Akademiker, Techniker und Meister, Facharbeiter), die sich aus der Differenz der Vakanzen und der Arbeitslosigkeit im MINT-Segment berechnet, lag im Juli 2014 bei120.300 Personen, davon rd. 42 Prozent mit akademischem und 60 Prozent mit beruflichem Abschluss.



Gelingt es, die Potenziale von Älteren und Zuwanderern weiterhin zu aktivieren und die jüngsten Erfolge bei den Studienanfängerzahlen zu verstetigen, so dürften die Engpässe im akademischen Bereich bis zum Jahr 2020 beherrschbar sein. Dies ist auch ein Erfolg der vielen wirtschaftsseitigen Initiativen im MINT-Bereich. Besondere Herausforderungen bestehen hingegen bei den MINT-Fachkräften mit beruflichem Abschluss. Bis zum Jahr 2020 werden allein 600.000 beruflich qualifizierte MINT-Fachkräfte fehlen, um die aus Altersgründen ausscheidenden Fachkräfte zu ersetzen. Nimmt man den Zusatzbedarf für Wachstum und Innovation hinzu, fehlen insgesamt sogar 1,4 Millionen MINT-Fachkräfte. Nähere Informationen sind im MINT-Frühjahrsreport 2014 zu finden.

Gemeinsame Plattform für MINT

Die 2008 von BDA und BDI ins Leben gerufene Initiative „MINT Zukunft schaffen” will unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel den zahlreichen, seit vielen Jahren erfolgreich wirkenden MINT-Einzelinitiativen der Verbände und Unternehmen eine gemeinsame Plattform bieten, um Veränderungen zu bewirken und politischen Forderungen entscheidenden Nachdruck zu verleihen.

Die Forderung ist klar: Alle Schülerinnen und Schüler sollen durchgehend bis zum Abitur zwei naturwissenschaftliche/technische Fächer belegen. Derzeit absolvieren lediglich 20 Prozent aller weiblichen Studierenden ein MINT-Studium. Ziel ist es, diesen Anteil auf 35 Prozent zu steigern. Gleichzeitig muss es gelingen, die extrem hohen Abbruchquoten von bis zu 50 Prozent in den universitären Bachelor-MINT-Studiengängen deutlich zu senken. Für zahlreiche Handlungsfelder haben wir den Beitrag der Wirtschaft zur Erreichung dieser Ziele formuliert. Insbesondere soll es gelingen, die Zahl der dualen MINT-Studiengänge und damit auch der Absolventen um 50 Prozent zu erhöhen.

Botschafter werben für MINT

"MINT Zukunft schaffen" bündelt die derzeit knapp 1100 Projekte der Unternehmen und Verbände sowie weiterer Partner aus Gesellschaft und Wissenschaft und bildet so ein Netzwerk aus rd. 64.500 Unternehmen, Schulen und Hochschulen, das 3,5 Millionen Jugendliche, Studierende, Lehrende und Eltern erreicht. Aktuell informieren rd. 15.000 MINT-Botschafterinnen und -Botschafter Schülerinnen und Schüler über attraktive Karrierewege in MINT-Berufen und die entsprechenden Ausbildungswege und stehen als Mentorinnen und Mentoren für Studierende zur Verfügung. Halbjährlich informiert das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag von BDA, Gesamtmetall und MINT Zukunft schaffen im MINT-Report über die aktuelle Entwicklung mit Blick auf Arbeitsmarkt, Schulen und Hochschulen.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN