MINT-Qualifikationen

Engpass bei MINT-Nachwuchs hemmt Wachstum und Innovationen

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gefährdet durch den Mangel an Nachwuchs in den MINT-Qualifikationen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Der Engpass an naturwissenschaftlich-technisch qualifizierten Arbeitskräften ist ein strukturelles Problem, das als Wachstums- und Innovationsbremse hohe Wertschöpfungsverluste für die deutsche Volkswirtschaft verursacht.
MINT-Arbeitskräfte sind der Motor des Innovationsstandortes Deutschland. Die Bedeutung der MINT-Qualifikationen für die Wachstumsprozesse in Deutschland zeigt sich auch an der dynamischen Zunahme der MINT-Beschäftigung bei den MINT-Akademikern: Sie stieg zwischen 2011 und 2014 von 2,336 Mio. auf 2,617 Mio. (plus rd. 84.000 jährlich). Bei den beruflich Qualifizierten dagegen sank sie im gleichen Zeitraum von 9,178 Mio. auf 9,143 Mio. (minus 11.800 jährlich). Die Nachfrage der Unternehmen nach beruflich qualifizierten MINT-Fachkräften ist jedoch deutlich höher – erhebliche Fachkräfteengpässe sind die Folge. Die MINT-Arbeitskräftelücke (MINT-Akademiker, Techniker und Meister, Facharbeiter), die sich aus der Differenz der Vakanzen und der Arbeitslosigkeit im MINT-Segment berechnet, lag im Juli 2017 bei 262.800 Personen, davon 35 Prozent mit akademischem und 65 Prozent mit beruflichem Abschluss.



Gelingt es, die Potenziale von Älteren und Zuwanderern weiterhin zu aktivieren und die jüngsten Erfolge bei den Studienanfängerzahlen zu verstetigen, so dürften die Engpässe im akademischen Bereich bis zum Jahr 2020 beherrschbar sein. Dies ist auch ein Erfolg der vielen wirtschaftsseitigen Initiativen im MINT-Bereich. Besondere Herausforderungen bestehen hingegen bei den MINT-Fachkräften mit beruflichem Abschluss. Hier ist von einem Neuangebot auszugehen, dass nur zwei Drittel (aktuell) bis die Hälfte (im Jahr 2025) des demografischen Ersatzbedarfs deckt. Expansionsmöglichkeiten wie im akademischen Bereich sind nicht erkennbar. Darüber hinaus kann die Zuwanderung im beruflichen Segment kaum zur Fachkräftesicherung beitragen. Nähere Informationen sind im MINT-Frühjahrsreport 2017 zu finden.

Gemeinsame Plattform für MINT

Die 2008 von BDA und BDI ins Leben gerufene Initiative „MINT Zukunft schaffen” bietet unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel den zahlreichen, seit vielen Jahren erfolgreich wirkenden MINT-Einzelinitiativen der Verbände und Unternehmen eine gemeinsame Plattform, um Veränderungen zu bewirken und politischen Forderungen entscheidenden Nachdruck zu verleihen.

Die Forderung ist klar: Alle Schülerinnen und Schüler sollen durchgehend bis zum Schulabschluss neben Mathematik zwei naturwissenschaftliche/technische Fächer bzw. Informatik belegen. Derzeit absolvieren lediglich 20 Prozent aller weiblichen Studierenden ein MINT-Studium. Ziel ist es, diesen Anteil auf 35 Prozent zu steigern. Gleichzeitig muss es gelingen, die extrem hohen Abbruchquoten von bis zu 50 Prozent in den universitären Bachelor-MINT-Studiengängen deutlich zu senken. Für zahlreiche Handlungsfelder haben wir den Beitrag der Wirtschaft zur Erreichung dieser Ziele formuliert. Insbesondere soll es gelingen, die Zahl der dualen MINT-Studiengänge und damit auch der Absolventen um 50 Prozent zu erhöhen.

Mit MINT-Botschaftern und MINT-Report zum Erfolg

Mehr als 18.000 Botschafterinnen und –Botschafter werben bereits für MINT. Sie wecken im Rahmen von Diskussionen oder Betriebsbesichtigungen bei Schülerinnen und Schülern Begeisterung für MINT und informieren als gefragte Technologieexperten über die attraktiven Berufseinstiege und Karrierewege für Absolventen von MINT-Ausbildungs- und Studiengängen. Ebenso stehen die Botschafter für Studierende als Mentoren, Lehrende und Ansprechpartner für alle Fragen rund um MINT zur Verfügung. Daten, Zahlen und Fakten der aktuellen MINT-Arbeitsmarktsituation („MINT-Lücke“) werden monatlich in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) veröffentlicht. Halbjährlich wird im Frühjahr sowie im Herbst ein umfassender Report zur zukünftigen MINT-Arbeitsmarktentwicklung sowie zur Entwicklung der Qualität und Quantität der MINT-Bildung in Schulen und Hochschulen vorgelegt. Damit misst die BDA einerseits die Wirksamkeit der MINT-Aktivitäten der deutschen Wirtschaft und andererseits, ob in Politik, Schulen und Hochschulen die notwendigen Änderungsprozesse erfolgt sind und fruchten.
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