Globalisierung und Freihandel

Herausforderungen annehmen und Chancen nutzen

Deutschlands Wohlstand ist zu einem Gutteil der Globalisierung zu verdanken. Damit das erreichte Wohlstandsniveau langfristig gesichert werden kann, müssen die mit der zunehmenden Verflechtung der Weltwirtschaft verbundenen Herausforderungen an den Wirtschaftsstandort Deutschland angenommen werden.
Die Globalisierung steht für die zunehmende internationale Arbeitsteilung und Verflechtung nationaler Wirtschaftsräume. Wichtigste Voraussetzung ist dabei die Liberalisierung der Märkte. Deutschland hat dies in der Vergangenheit erfolgreich praktiziert und damit zum Wohlstand seiner Bevölkerung maßgeblich beigetragen. 2016 erreichten die Ausfuhren fast 39 Prozent der Wirtschaftsleistung. Während die Öffentlichkeit mit Globalisierung häufig immer noch Arbeitsplatzabbau und Standortverlagerungen assoziiert, werden die Wirkungen für Unternehmen und Konsumenten kaum registriert: Höhere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, mehr Innovationen und Investitionen, geringere Beschaffungspreise, preiswertere Produkte, größere Produktvielfalt sowie Arbeit und Einkommen.

Deutschland ist ein Nutznießer der Globalisierung und verzeichnet nach Finnland, Dänemark und Japan die höchsten Globalisierungsgewinne (Bertelsmann Stiftung 2014). Gleichwohl werden die Chancen nicht voll ausgeschöpft. Die Politik sollte daher die bestehenden Defizite am Unternehmensstandort beseitigen. Zur Erhöhung der Akzeptanz für Globalisierungserfordernisse, müssen alle gesellschaftlichen Kräfte die aus der Globalisierung resultierenden Vorteile stärker in der Öffentlichkeit herausstellen.

Globalisierung fördert gesellschaftliche Entwicklungen

Mit der Entwicklung hin zu einer multipolaren Welt hat eine neue Phase der Globalisierung eingesetzt. Weltweit entstehen neue Wirtschaftszentren. Die fortschreitende Globalisierung ist dabei auch eine große Chance, die Lage der Menschenrechte weltweit zu verbessern. Unternehmen sind daran interessiert, dass in den Ländern, in denen sie investieren, Rechtsstaatlichkeit herrscht, die immer mit einer Verbesserung der Menschenrechtssituation einhergegangen ist. Rechtssicherheit, die nur ein Rechtsstaat gewährleisten kann, ist zudem eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit offene Märkte und Globalisierung funktionieren.

Die Unternehmen selbst können zwar keinen Rechtsstaat schaffen. Dennoch können sie die Lage verbessern, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen und Verantwortung und menschenrechtstreues Verhalten vorleben. Es gibt unzählige Beispiele, wie Unternehmen mit ihren Corporate Social Responsibility-Strategien die Vermittlung von Menschenrechten und demokratischen Standards sowie die Entwicklung offener und toleranter Gesellschaften fördern. Die Ansätze der Unternehmen sind dabei vielfältig: Sie setzen sich gegen Kinderarbeit ein, entwickeln Kodizes für Zulieferer, richten Ausbildungszentren ein und vieles mehr. In Entwicklungsländern schaffen deutsche Unternehmen durch ihre Investitionen Arbeitsplätze und ermöglichen größeren Wohlstand, höhere Sozialstandards, mehr Umweltschutz und eine bessere Bildung.


Handels- und Investitionsabkommen bergen beträchtliche Chancen

Umfassende Handels- und Investitionsabkommen können durch die Verankerung von verbindlichen Regeln und hohen Standards neue Maßstäbe für die Weltwirtschaft und das multilaterale Handelssystem setzen. Das geplante transatlantische Handels- und Investitionsabkommen (TTIP) mit den USA, aber auch die umfassenden Freihandelsabkommen mit Kanada (CETA) und Japan (JEFTA) bieten die Möglichkeit der politischen Gestaltung der wirtschaftlichen Globalisierung neuen Schwung zu verleihen.

Diese Handels- und Investitionsabkommen ermöglichen es, überflüssige Doppelzulassungen und unterschiedliche Prüfanforderungen in der EU und den Partnerstaaten aus dem Weg zu räumen. Dies geht selbstverständlich nur, wenn dabei hohe europäische Schutzstandards für Arbeitnehmer, Verbraucher und Umwelt gewahrt werden. Wo ein vergleichbares Schutzniveau sichergestellt ist, kann die gegenseitige Anerkennung von Zulassungsanforderungen erhebliche Erleichterungen bringen. So können jeweils beide Handelspartner von ökonomischen Vorteilen, u. a. durch mehr Wachstum, mehr Beschäftigung und mehr Handel profitieren. Dies kommt nicht nur Unternehmen und ihren Beschäftigten zugute: Neue Absatzchancen bedeuten auch mehr Produktvielfalt für Kunden und Verbraucher.

Im Hinblick auf weltweite protektionistische Strömungen ist es umso wichtiger, ein entschiedenes Signal für freien und fairen Handel zu setzen und zukünftigen Wohlstand zu sichern. Eine zügige Wiederaufnahme der TTIP-Verhandlungen, eine rasche Ratifizierung des CETA-Abkommens in den EU-Mitgliedstaaten sowie der Abschluss der JEFTA-Verhandlungen sind deswegen von großer Relevanz.
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