Globalisierung

Herausforderungen annehmen und Chancen nutzen

Deutschlands Wohlstand ist zu einem Gutteil der Globalisierung zu verdanken. Damit das erreichte Wohlstandsniveau langfristig gesichert werden kann, müssen die mit der zunehmenden Verflechtung der Weltwirtschaft verbundenen Herausforderungen an den Wirtschaftsstandort Deutschland angenommen werden.
Die Globalisierung steht für die zunehmende internationale Arbeitsteilung und Verflechtung nationaler Wirtschaftsräume. Wichtigste Voraussetzung ist dabei die Liberalisierung der Märkte. Deutschland hat dies in der Vergangenheit erfolgreich praktiziert und damit zum Wohlstand seiner Bevölkerung maßgeblich beigetragen. 2013 erreichten die Ausfuhren über 50 Prozent der Wirtschaftsleistung. Während die Öffentlichkeit mit Globalisierung häufig immer noch Arbeitsplatzabbau und Standortverlagerungen assoziiert, werden die Wirkungen für Unternehmen und Konsumenten kaum registriert: Höhere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, mehr Innovationen und Investitionen, geringeren Beschaffungspreise, preiswertere Produkte, größere Produktvielfalt sowie Arbeit und Einkommen.

Geringerer Spielraum für Lohnsteigerungen

Die Politik in Deutschland passt sich den Globalisierungserfordernissen nicht genügend an. Zu häufig werden innovative und wachstumsträchtige Potenziale aus ideologischen Gründen verbannt (z. B. Gentechnikgesetz, Kernenergie) oder es fehlt die politische Durchsetzungskraft (z. B. Deregulierung des Arbeitsmarktes, zu zögerlicher Bürokratieabbau, unzureichende Föderalismusreform). Hier muss die Politik offener werden und Führungsstärke zeigen. Darüber hinaus ist das Investitionsklima verbesserungsbedürftig, wie die immer noch niedrige Nettoinvestitionsquote belegt.

Der im Zuge der Globalisierung auftretende technische Fortschritt wird zunehmend über sinkende Produktpreise weitergegeben. Dadurch nimmt der Spielraum für Lohnsteigerungen ab. Dem muss die Lohnpolitik durch größere Dezentralisierung Rechnung tragen. Relative Lohnstarrheit führt zu Arbeitsplatzverlusten. Wegen der höheren Wettbewerbsintensität trifft dies insbesondere gering Qualifizierte mit niedriger Produktivität. Um zu arbeiten, benötigen sie einen Niedriglohnsektor. Mindestlöhne tragen diesem Aspekt kaum Rechnung.

Deutschland ist ein Nutznießer der Globalisierung und verzeichnet nach Finnland, Dänemark und Japan die höchsten Globalisierungsgewinne (Bertelsmann Stiftung 2014). Gleichwohl werden die Chancen nicht voll ausgeschöpft. Die Politik sollte daher die Defizite am Unternehmensstandort verbessern. Zur Erhöhung der Akzeptanz für Globalisierungserfordernisse, müssen alle gesellschaftlichen Kräfte die aus der Globalisierung resultierenden Vorteile stärker in der Öffentlichkeit herausstellen.

Globalisierung fördert gesellschaftliche Entwicklungen

Mit der Entwicklung hin zu einer multipolaren Welt hat eine neue Phase der Globalisierung eingesetzt. Weltweit entstehen neue Wirtschaftszentren. Schwellenländer erzielen gemeinsam inzwischen einen höheren Anteil an der Weltwirtschaftsleistung als die Industrieländer. Die fortschreitende Globalisierung ist dabei auch eine große Chance, die Lage der Menschenrechte weltweit zu verbessern. Unternehmen sind daran interessiert, dass in den Ländern, in denen sie investieren, Rechtsstaatlichkeit herrscht, die immer mit einer Verbesserung der Menschenrechtssituation einhergegangen ist. Rechtssicherheit, die nur ein Rechtsstaat gewährleisten kann, ist zudem eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit offene Märkte und Globalisierung funktionieren.

Die Unternehmen selbst können zwar keinen Rechtsstaat schaffen. Dennoch können sie die Lage verbessern, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen und Verantwortung und menschenrechtstreues Verhalten vorleben. Es gibt unzählige Beispiele, wie Unternehmen mit ihren Corporate Social Responsibility-Strategien die Vermittlung von Menschenrechten und demokratischen Standards sowie die Entwicklung offener und toleranter Gesellschaften fördern. Die Ansätze der Unternehmen sind dabei vielfältig: Sie setzen sich gegen Kinderarbeit ein, entwickeln Kodizes für Zulieferer, richten Ausbildungszentren ein und vieles mehr. In Entwicklungsländern schaffen deutsche Unternehmen durch ihre Investitionen Arbeitsplätze und ermöglichen größeren Wohlstand, höhere Sozialstandards, mehr Umweltschutz und eine bessere Bildung.
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