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Flexible Beschäftigungsformen schaffen Arbeit

Flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit, geringfügige oder befristete Beschäftigung haben als moderne Instrumente des Personaleinsatzes an Bedeutung gewonnen. Insbesondere die Zeitarbeit hat vielen Arbeitslosen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt geebnet. Dennoch werden flexible Beschäftigungsverhältnisse oft als „atypisch“ oder „prekär“ diffamiert.

Irrtum: Flexible Beschäftigung verdrängt „Normalarbeitsverhältnisse“.

  • Es gibt keine eindeutige Definition eines „Normalarbeitsverhältnisses“. Insbesondere Zeitarbeit erfüllt alle Kriterien, die mit „Normalarbeitsverhältnissen“ verbunden werden (volle Sozialversicherungspflicht, fehlende Befristung, tarifliche Entlohnung, Vollzeittätigkeit).
  • Zwischen 2006 und 2015 ist die Zahl abhängig Beschäftigter in einem „Normalarbeitsverhältnis“ um über 2,7 Mio. gewachsen, während die Zahl flexibel Beschäftigter um 40.000 gesunken ist (Stat. Bundesamt, 2016). Dazu hat wesentlich beigetragen, dass Frauen vermehrt einer Vollzeit- oder vollzeitnahen Tätigkeit nachgehen.
  • Zuletzt waren lediglich 2,5 % aller abhängig Beschäftigten in Deutschland in der Zeitarbeit beschäftigt (BA, 2016). Damit kann von einer breit angelegten „Verdrängung“ der Stammbeschäftigten keine Rede sein.

Fakt: Flexible Beschäftigung öffnet Wege in den Arbeitsmarkt.

  • Flexible Beschäftigungsformen ermöglichen Unternehmen oft erst die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Sie geben Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Möglichkeit, das Arbeitsvolumen an individuelle Bedürfnisse und betriebliche Notwendigkeiten anzupassen. Auf diese Weise werden Hürden für den Beschäftigungsaufbau gesenkt.
  • Zeitarbeit erleichtert Arbeitslosen die Rückkehr in Beschäftigung: Im zweiten Halbjahr 2015 waren fast 70 % der in der Zeitarbeitsbranche neu eingestellten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vorher ohne Beschäftigung, fast ein Viertel war vorher langzeitarbeitslos oder noch nie beschäftigt (BA, 2016).
  • Von den Personen, die im Jahr 2014 ihre Arbeitslosigkeit durch eine Beschäftigungsaufnahme in der Zeitarbeit beendet haben, waren nach 12 Monaten rd. 60 % sozialversicherungspflichtig beschäftigt (BA, 2016).
  • Gerade für Geringqualifizierte sind flexible Beschäftigungsformen eine Brücke in den Arbeitsmarkt: 2015 waren rd. 40 % der abhängig Beschäftigten ohne Berufsausbildung in flexiblen Beschäftigungsformen tätig (Stat. Bundesamt, 2016).
  • Durch die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration auch von Geringqualifizierten reduziert flexible Beschäftigung das Risiko sich verfestigender Langzeitarbeitslosigkeit. Berufliche Kenntnisse und fachübergreifende Fähigkeiten der Beschäftigten (wie z. B. Kommunikations- und Teamfähigkeit) bleiben so erhalten.
  • Flexible Beschäftigungsformen verbessern Chancen der Arbeitsmarktpartizipation. Gerade Teilzeitarbeitsverhältnisse haben wesentlich zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung, vor allem auch von Frauen mit Familienpflichten, beigetragen.
  • Insbesondere durch Teilzeitbeschäftigung, Befristungen und den Einsatz von Zeitarbeit konnten die Unternehmen ihre Stammbelegschaft und deren Wissen auch in der letzten Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 weitgehend halten. Diese Flexibilisierung hat wesentlich zur positiven Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland – anders als in den meisten anderen Industriestaaten – beigetragen. Damit wird deutlich, wie wichtig ein passender Beschäftigungsmix für einen gesunden, anpassungsfähigen Arbeitsmarkt ist.

Irrtum: Flexible Beschäftigung führt zu „prekären“ Erwerbsbiographien.

  • Flexible Beschäftigung kann nicht mit Einkommensunsicherheit gleichgesetzt werden. Vor allem Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigung oder Zeitarbeitsverhältnisse umfassen auch anspruchsvolle Tätigkeiten, die gut honoriert werden.
  • Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse werden oft von Personen mit weiteren Einkommensquellen ausgeübt, die lediglich einen Hinzuverdienst anstreben. Dazu zählen insbesondere Schüler, Studenten und Rentner, die allein 42 % aller ausschließlich geringfügig Beschäftigten stellen (Stat. Bundesamt, 2013).
  • Vor allem für Berufseinsteiger erhöhen flexible Beschäftigungsformen die Chance auf einen schnellen Einstieg in Arbeit und den erfolgreichen Übergang in eine unbefristete Beschäftigung: In der Privatwirtschaft erhalten drei Viertel der zunächst befristet Beschäftigten in ihrem Betrieb eine Anschlussbeschäftigung. Dabei ist der Anteil der Übernahmen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis in den letzten Jahren deutlich gestiegen (2009: 32 %; 2014: 42 %). Der Anteil der Befristungen an allen Beschäftigungsverhältnissen liegt hier seit Jahren unter 10 %, zuletzt, 2015, bei 7,8 % (Stat. Bundesamt, 2016).
  • Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit hat sich in Deutschland durch flexible Beschäftigungsformen nicht verkürzt. Im Gegenteil: Von 2001 bis 2014 ist die durchschnittliche Dauer von Arbeitsverhältnissen von 10 auf 11 Jahre gestiegen (OECD, 2015).

Fakt: Auch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität.

  • Flexible Beschäftigungsformen spiegeln vielfach die individuellen Vorstellungen und Lebensumstände der Beschäftigten wider.
  • Mehr als 85 % der Teilzeitbeschäftigten gehen freiwillig keiner Vollzeittätigkeit nach (Stat. Bundesamt, 2015). Insbesondere Frauen bevorzugen flexible Teilzeitarbeit, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Teilzeit ist vor allem angesichts einer weiterhin unzureichend ausgebauten Kinderbetreuungsinfrastruktur in Deutschland wichtig.
  • Zeitarbeit ermöglicht vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern innerhalb eines festen Arbeitsverhältnisses verschiedene Unternehmen und Tätigkeitsbereiche kennenzulernen. Auf diese Weise kann die berufliche Qualifikation fortentwickelt werden.

Fakt: Flexible Beschäftigung erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

  • Flexible Beschäftigungsformen tragen dazu bei, steigende Flexibilitätsanforderungen und den im Zuge der Globalisierung wachsenden Wettbewerbsdruck zu bewältigen. Starrheiten im deutschen Arbeitsrecht können so abgefedert werden, um die notwendige betriebliche Flexibilität zu sichern.
  • Unternehmen brauchen Flexibilität, um schnell auf punktuelle Auftragsspitzen reagieren zu können. Insbesondere durch Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse werden Einstellungshürden gesenkt und Neueinstellungen bei noch unsicheren Zukunftserwartungen erleichtert. Damit sind Beschäftigungszuwächse auch bei vergleichsweise geringem Wirtschaftswachstum möglich.
  • Flexible Beschäftigungsformen sind eine wichtige Voraussetzung zur Bewältigung des Strukturwandels. Gerade im Dienstleistungssektor ist ein variabler Personaleinsatz von großer Bedeutung, um am Markt bestehen zu können.

Sigmar Gabriel und Andreas Nahles, Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 5. Januar 2015

„Die Hartz-Reformen zielten neben der Verbesserung der Arbeitsvermittlung vor allem auf die Etablierung neuer Beschäftigungsformen, die Normalarbeitsverhältnisse nicht ersetzen, sondern ergänzen sollten. Genau diese Entwicklung prägt heute die wirtschaftliche Dynamik im Land.““

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August 2016