Einkommen

Bürger brauchen mehr Netto im Portemonnaie

Die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ist von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung eines Landes. Im Hinblick auf hohes Wirtschaftswachstum und hohe Beschäftigtenzahlen lauten die Forderungen daher: Umverteilung begrenzen und Abgabenkeil senken.
In Deutschland erfolgt die Umverteilung von oben nach unten: So leisten die reichsten 10 Prozent der Einkommensteuerzahler 54,5 Prozent des Steueraufkommens. Ihr Anteil ist damit sogar höher als im Jahr 1998 (rund 52 Prozent) – trotz der Senkung des Spitzensteuersatzes im Zuge der Steuerreform 1999 (BMF 2014, IW Köln 2013). Dagegen trägt die untere Hälfte der Steuerzahler nur rund 5 Prozent des Steueraufkommens. Der untere Einkommensbereich profitiert aber besonders von staatlichen Sozialleistungen. Der Transferanteil (Arbeitslosentransfers, krankheits- und familienbezogene Transferleistungen sowie sonstige Sozialleistungen) des Einkommens der einkommensschwächsten 20 Prozent der Bevölkerung liegt bei 39,2 %. Bei den Einkommensstärksten 20 % sind es nur knapp 5 % (IW Köln 2013). Laut OECD belastet kaum ein anderes Land Löhne und Gehälter so sehr mit Abgaben wie Deutschland. Darunter leidet insbesondere die breite Masse der Bezieher mittlerer Einkommen.

Abgabenkeil zurückfahren

In Deutschland lag der Abgabenkeil zwischen Arbeitskosten und Nettolöhnen im Jahr 2013 deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Während zum Beispiel die Abgabenbelastung eines ledigen Durchschnittsverdieners im OECD-Durchschnitt 35,9 Prozent der Arbeitskosten betrug, erreichte sie in Deutschland 49,3 Prozent. Von dem was ein lediger Durchschnittsverdiener seinen Arbeitgeber kostet, erhält er netto knapp die Hälfte ausgezahlt. Verantwortlich für den hohen Abgabenkeil in Deutschland sind vor allem die Sozialversicherungsbeiträge, die rund zwei Drittel des Abstandes zwischen Brutto-Arbeitskosten und Netto-Arbeitsentgelt ausmachen. Der beste Weg zur Senkung der lohnbezogenen Sozialversicherungsbeiträge sind Ausgaben reduzierende Strukturreformen.

Armutsrisiko und Arbeitslosigkeit verringern

Laut EU-Definition ist arm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens erhält. In Deutschland lag für einen Alleinstehenden diese Grenze 2013 bei 11.749 Euro, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 24.673 Euro im Jahr. Die Quote der Haushalte mit Armutsrisiko betrug zuletzt im Jahr 2013 16,1 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist der wichtigste Faktor für das Armutsrisiko: Je stärker ein Haushalt von Arbeitslosigkeit betroffen ist, desto größer ist das Armutsrisiko. Niedrigere Sozialversicherungsbeiträge fördern die Entstehung neuer Beschäftigung und sichern bestehende Arbeitsplätze. Über die Verringerung der Lohnzusatzkosten sinken die Arbeitskosten, wodurch die Rentabilität von Arbeitsplätzen positiv beeinflusst wird. Zugleich verringern sie den Druck, vorhandene Arbeitsplätze aus Kostengründen ins Ausland zu verlagern bzw. Arbeit durch Maschinen zu ersetzen.
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