Schrift: +-

Einkommen

Bürger brauchen mehr Netto im Portemonnaie

Die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ist von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung eines Landes. Im Hinblick auf hohes Wirtschaftswachstum und hohe Beschäftigtenzahlen lauten die Forderungen daher: Umverteilung begrenzen und Abgabenkeil senken.

In Deutschland erfolgt die Umverteilung von oben nach unten: Die 10 Prozent der Bezieher höchster Einkommen zahlten im Jahr 2013 104,9 Mrd. Euro an Einkommenssteuern. Das waren 46,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Dagegen zahlten die unteren 50 Prozent nur 21,8 Mrd. Euro Einkommenssteuern – 9,6 Prozent des gesamten Steueraufkommens (IW Köln 2013). Der untere Einkommensbereich profitiert aber besonders von staatlichen Sozialleistungen. Der Transferanteil (Arbeitslosentransfers, krankheits- und familienbezogene Transferleistungen sowie sonstige Sozialleistungen) des Einkommens der einkommensschwächsten 20 Prozent der Bevölkerung liegt bei 39,2 Prozent. Bei den Einkommensstärksten 20 Prozent sind es nur knapp 5 Prozent (IW Köln 2013). Laut OECD belastet kaum ein anderes Land Löhne und Gehälter so sehr mit Abgaben wie Deutschland. Darunter leidet insbesondere die breite Masse der Bezieher mittlerer Einkommen.

Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben sich die Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland von 1992 bis 2007 preisbereinigt um 11 Prozent erhöht, von 17.009 Euro auf 18.932 Euro. Trotz der vergleichsweise guten Konjunktur vor der Finanz- und Wirtschaftskrise stagnieren die Einkommen vor allem wegen der hohen Inflationsrate. Die Lohnquote, der Anteil der Einkommen aus abhängiger Beschäftigung am Volkseinkommen, sank von 2000 bis 2008 von 72 Prozent auf unter 65 Prozent. 2013 stieg sie wieder auf 69,5 Prozent. Gestiegen sind auch die Unternehmens- und Vermögenseinkommen der privaten Haushalte. Ihr Anteil am Volkseinkommen nahm zwischen 2000 und 2012 von 27,9 Prozent auf rund 30 Prozent zu. Das ist kein Beleg für die zunehmende Schere zwischen „Arm und Reich“, sondern in weiten Teilen auf den steigenden Anteil alter, nicht mehr erwerbstätiger Menschen zurückzuführen, die überdurchschnittlich oft auf Einkommen aus Vermögen zurückgreifen können.

Abgabenkeil zurückfahren

In Deutschland lag der Abgabenkeil zwischen Arbeitskosten und Nettolöhnen im Jahr 2013 deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Während zum Beispiel die Abgabenbelastung eines ledigen Durchschnittsverdieners im OECD-Durchschnitt 35,9 Prozent der Arbeitskosten betrug, erreichte sie in Deutschland 49,3 Prozent. Von dem was ein lediger Durchschnittsverdiener seinen Arbeitgeber kostet, erhält er netto knapp die Hälfte ausgezahlt. Verantwortlich für den hohen Abgabenkeil in Deutschland sind vor allem die Sozialversicherungsbeiträge, die rund zwei Drittel des Abstandes zwischen Brutto-Arbeitskosten und Netto-Arbeitsentgelt ausmachen. Der beste Weg zur Senkung der lohnbezogenen Sozialversicherungsbeiträge sind Ausgaben reduzierende Strukturreformen.

Armutsrisiko und Arbeitslosigkeit verringern

Laut EU-Definition ist arm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens erhält. In Deutschland lag für einen Alleinstehenden diese Grenze 2012 bei 980 Euro, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.058 Euro im Monat. Die mit der konjunkturellen Erholung seit 2006 einhergehende rückläufige Arbeitslosigkeit in Deutschland hat 2007 das Armutsrisiko erstmals seit 10 Jahren wieder sinken lassen. Die Quote der Haushalte mit Armutsrisiko betrug zuletzt im Jahr 2012 16,1 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist der wichtigste Faktor für das Armutsrisiko: Je stärker ein Haushalt von Arbeitslosigkeit betroffen ist, desto größer ist das Armutsrisiko. Niedrigere Sozialversicherungsbeiträge fördern die Entstehung neuer Beschäftigung und sichern bestehende Arbeitsplätze. Über die Verringerung der Lohnzusatzkosten sinken die Arbeitskosten, wodurch die Rentabilität von Arbeitsplätzen positiv beeinflusst wird. Zugleich verringern sie den Druck, vorhandene Arbeitsplätze aus Kostengründen ins Ausland zu verlagern bzw. Arbeit durch Maschinen zu ersetzen. Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn würde aber das Armutsrisiko in Deutschland nicht wesentlich verringern (DIW 2013).
Social Bookmarks