Einkommen

Bürger brauchen mehr Netto im Portemonnaie

Die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ist von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung eines Landes. Im Hinblick auf hohes Wirtschaftswachstum und hohe Beschäftigtenzahlen lauten die Forderungen daher: Umverteilung begrenzen und Abgabenkeil senken.
Der Sozialstaat verteilt grundsätzlich nach dem Prinzip „Die Reichen zahlen für die Armen.“ von oben nach unten um. Die angesichts der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung und des technischen Fortschritts wachsende Lücke zwischen Markteinkommen und Nettoeinkommen wird durch die staatliche Umverteilung weitgehend kompensiert. Dabei kommt der Einkommensteuer eine wichtige Rolle zu, weil sie höhere Einkommen überproportional belastet. Die obersten 10 Prozent der Einkommensbezieher zahlten im Jahr 2015 mehr als die Hälfte (54,5 Prozent) aller Einkommensteuern. Dagegen zahlten die unteren 50 Prozent nur rd. 5 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens (BMF 2015). Während der Staat Beziehern mittlerer und höherer Einkommen über Steuern und Abgaben mehr Geld abnimmt als er ihnen über Transfers zurückgibt, ist es bei den ärmeren Haushalten genau umgekehrt: Bei einem durchschnittlichen Haushalt mit einem Nettoeinkommen von 1.000 bis 1.500 Euro beträgt der Umverteilungssaldo + 610 Euro, bei einem Nettohaushaltseinkommen von 3.500 bis 4.000 Euro liegt der Saldo dagegen bei - 424 Euro (IW Köln 2015).

Laut OECD belastet kaum ein anderes Land Löhne und Gehälter so sehr mit Abgaben wie Deutschland. Darunter leidet insbesondere die breite Masse der Bezieher mittlerer Einkommen.

Abgabenkeil zurückfahren

In Deutschland lag der Abgabenkeil zwischen Arbeitskosten und Nettolöhnen im Jahr 2015 deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Während zum Beispiel die Abgabenbelastung eines ledigen Durchschnittsverdieners im OECD-Durchschnitt 35,9 Prozent der Arbeitskosten betrug, erreichte sie in Deutschland 49,4 Prozent. Von dem was ein lediger Durchschnittsverdiener seinen Arbeitgeber kostet, erhält er netto knapp die Hälfte ausgezahlt. Verantwortlich für den hohen Abgabenkeil in Deutschland sind vor allem die Sozialversicherungsbeiträge, die rund zwei Drittel des Abstandes zwischen Brutto-Arbeitskosten und Netto-Arbeitsentgelt ausmachen. Der beste Weg zur Senkung der lohnbezogenen Sozialversicherungsbeiträge sind Ausgaben reduzierende Strukturreformen.

Armutsrisiko und Arbeitslosigkeit verringern

Laut EU-Definition ist arm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens erhält. In Deutschland lag für einen Alleinstehenden diese Grenze 2014 bei 11.840 Euro, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 24.864 Euro im Jahr. Die Quote der Haushalte mit Armutsrisiko betrug zuletzt im Jahr 2014 16,7 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist der wichtigste Faktor für das Armutsrisiko: Je stärker ein Haushalt von Arbeitslosigkeit betroffen ist, desto größer ist das Armutsrisiko. Niedrigere Sozialversicherungsbeiträge fördern die Entstehung neuer Beschäftigung und sichern bestehende Arbeitsplätze. Über die Verringerung der Lohnzusatzkosten sinken die Arbeitskosten, wodurch die Rentabilität von Arbeitsplätzen positiv beeinflusst wird. Zugleich verringern sie den Druck, vorhandene Arbeitsplätze aus Kostengründen ins Ausland zu verlagern bzw. Arbeit durch Maschinen zu ersetzen.
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