Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Beschäftigung Älterer ist eine Erfolgsgeschichte

Der durch die BDA mit eingeleitete Paradigmenwechsel zu mehr Beschäftigung Älterer zeigt: Mehr Beschäftigung Älterer ist möglich und wegen der demografischen Herausforderungen und zunehmender Fachkräfteengpässe auch notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand in Deutschland zu sichern.

Die Erwerbstätigenquote der 55- bis unter 65-Jährigen hat sich von 2000 bis 2016 beinahe verdoppelt – von 37 Prozent auf 69 Prozent (Eurostat, 2017). In keinem anderen EU-Land mit Ausnahme von Schweden geht ein größerer Anteil Älterer einer Erwerbstätigkeit nach. Dieser Erfolg wird durch eine fehlgeleitete Rentenpolitik gefährdet, die ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben begünstigt. Stattdessen muss die Beschäftigung Älterer weiter gesteigert werden, indem die richtigen Reformen zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit fortgesetzt werden. Dies ist nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung unabdingbar: Bis 2030 sinkt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 65 Jahre) voraussichtlich um 6 Millionen auf rund 44 Millionen; bereits 2020 werden rund 40 Prozent der Personen im erwerbsfähigen Alter älter als 50 Jahre sein (Statistisches Bundesamt, 2015).

Rentenbezug steigt stetig – Verlängerung der Lebensarbeitszeit nötig

Vor allem die kontinuierlich gestiegene Lebenserwartung hat die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in den letzten 50 Jahren um über 90 Prozent steigen lassen – von weniger als zehn Jahren Anfang der 1960er Jahre auf heute fast 20 Jahre (Deutsche Rentenversicherung Bund, 2017). Ohne eine Anpassung der Lebensarbeitszeit an die zunehmende Lebenserwartung ist die gesetzliche Rentenversicherung auf Dauer nicht finanzierbar. Die richtige Entscheidung für die „Rente mit 67“ muss deshalb konsequent umgesetzt werden. Sie darf nicht durch gut gemeinte, kontraproduktive und sogar ungerechte Ausnahmeregelungen für „besonders langjährig Versicherte“ durchlöchert werden, die letztlich nur das frühzeitige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben fördern. Körperlich und geistig ist die überwiegende Mehrheit der Erwerbstätigen zu einer „Rente mit 67“ in der Lage: Fast 90 Prozent der über 50-Jährigen bewerten ihre mentale Arbeitsfähigkeit gut oder sehr gut (IAB, 2013).

Beschäftigung Älterer spürbar erleichtern

Die Beschäftigung Älterer wurde durch das neue Flexirentengesetz erleichtert. Das Gesetz macht zum einen ein flexibleres Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze attraktiver und erleichtert das Weiterarbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus.. Jetzt können sich Arbeitgeber und Beschäftigte darauf einigen, das laufende Arbeitsverhältnis auf einen Zeitpunkt nach der Regelaltersgrenze zu befristen und den vereinbarten Beendigungszeitpunkt – ggf. auch mehrfach – zeitlich hinauszuschieben. Das schafft Rechtssicherheit und Flexibilität beim Übergang in den Ruhestand. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Beschäftigung Älterer zu unterstützen. Weiterhin notwendig bleiben spürbare Erleichterungen für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, z. B. eine deutlichere Lockerung und Vereinfachung der Hinzuverdienstgrenzen sowie die Beseitigung von arbeitsrechtlichen Hemmnissen bei der erneuten Beschäftigung von ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rentenalter.

Frühverrentungsanreize abbauen

Trotz teilweise erheblicher Fortschritte in den letzten Jahren bestehen vor allem im Arbeitsförderungsrecht immer noch Regelungen fort, die nicht einem hohen Beschäftigungsstand Älterer dienen, sondern eine Frühverrentung fördern. Dies gilt insbesondere für die 2008 in Kraft getretene, erneute Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengelds für über 58-Jährige auf bis zu 24 Monate. Diese Verlängerung hat dazu geführt, dass Ältere länger arbeitslos bleiben (IAB, 2016). Daher sollte das Arbeitslosengeld wieder einheitlich auf maximal zwölf Monate festgesetzt werden, wie es bis zum Jahr 1985 der Fall war. Völlig kontraproduktiv ist auch die im Rahmen des Rentenversicherungs-Leistungsverbesserungsgesetzes beschlossene abschlagsfreie Rente ab 63 für besonders langjährig Versicherte.

Demografiefeste Personalpolitik: Umdenken bei Arbeitgebern und Beschäftigten unterstützen

Viele Unternehmen haben die Potenziale Älterer längst erkannt und eigene Initiativen gestartet, um diese noch stärker zu erschließen. Im Jahr 2015 beschäftigten die Unternehmen in Deutschland über 4 Millionen mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Altersgruppe „50 Plus“ als noch vor zehn Jahren (BA, 2016). Der Anteil der Betriebe, die Ältere beschäftigen, hat von 29 Prozent im Jahr 2002 auf 78 Prozent in 2015 zugenommen (IAB, 2016). Ansatzpunkt für den erfolgreichen Umgang mit alternden Belegschaften ist eine demografiefeste und an verschiedenen Lebensphasen orientierte Personalpolitik, die die Bereiche Gesundheit, Qualifizierung und Motivation umfasst. Zwei von drei Industriebetrieben bieten bereits spezielle personalpolitische Maßnahmen für über 50-jährige Beschäftigte an (IW Köln, 2009). Neben altersgemischten Teams sind dies u. a. auch der gezielte Einsatz von Älteren im Training, in der Ausbildung bzw. in der Beratung. Gerade auch Kleinbetriebe machen sich demografiefest – häufiger eher mit informellen Initiativen oder durch situative Lösungen, die von offiziellen Statistiken nicht erfasst werden (IAB, 2013).

Darüber hinaus sind der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit im Lebensverlauf und die Verbesserung der Beschäftigungssituation und -chancen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auch in der Tarifpolitik von immer größerer Bedeutung. In vielen Branchen gibt es Tarifverträge mit Regelungen zum demografischen Wandel und zu älteren Beschäftigten. Dabei können Tarifverträge immer nur einen Rahmen bilden, der die Unternehmen bei der ganz betriebsspezifischen Bewältigung der demografischen Entwicklung unterstützt. Zudem sind Eigenverantwortung und Eigeninitiative der Beschäftigten entscheidende Voraussetzungen für erfolgreiche betriebliche Maßnahmen zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit.

Initiativen der BDA
  • Beteiligung an der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“, einer Gemeinschaftsinitiative von Bundesarbeitsministerium, Gesellschafts- und Sozialpartnern, seit 2002
  • Beteiligung an „Erfahrung ist Zukunft“ – Gemeinschaftsinitiative von Bundesregierung, Gesellschafts- und Sozialpartnern, seit 2006
  • Verleihung des Inklusionspreis für die Wirtschaft, zusammen mit dem UnternehmensForum, der Bundesagentur für Arbeit und der Charta der Vielfalt
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