Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Beschäftigung Älterer ist eine Erfolgsgeschichte

Der wesentlich durch die BDA eingeleitete Paradigmenwechsel weg von einer Politik der Frühverrentung und hin zu einer höheren Beschäftigung Älterer war erfolgreich. So hat sich die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen zwischen 2000 und 2014 von 37 Prozent auf 66 Prozent beinahe verdoppelt. Bei den 60- bis 64-Jährigen ist sie sogar mehr als das eineinhalbfache auf zuletzt 53 Prozent gestiegen (Eurostat, 2015).

Mehr Beschäftigung für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist möglich, vorausgesetzt beschäftigungsfördernde gesetzliche Rahmenbedingungen stimmen. Angesichts der demografischen Entwicklung und den daraus resultierenden Fachkräfteengpässen und Finanzierungsproblemen der Rentenversicherung ist mehr Beschäftigung Älterer auch unverzichtbar. Die Unternehmen in Deutschland sind künftig noch stärker auf das Erfahrungswissen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angewiesen. Dementsprechend haben sie zur Gewinnung und Bindung qualifizierter Beschäftigter sowie für eine demografiefeste Gestaltung der betrieblichen Personalpolitik vielfältige Ansätze entwickelt, um noch mehr Ältere in Beschäftigung zu bringen bzw. länger im Unternehmen einzusetzen. Auch die Tarifpartner unterstützen mit branchenbezogenen Lösungen die Unternehmen bei der Bewältigung des demografischen Wandels. Mittlerweile gibt es in vielen Branchen Tarifverträge mit Regelungen zur Demografie, die zum Beispiel auf einen flexiblen Übergang in die Rente oder eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung setzen.

Die in den letzten Jahren auf den Weg gebrachten Reformen zur Beseitigung von Frühverrentungsanreizen in der Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie die Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters waren wichtige Signale für mehr Beschäftigung Älterer. Damit sich der positive Trend bei der Beschäftigung Älterer fortsetzt, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Völlig kontraproduktiv ist die im Rahmen des RV-Leistungsverbesserungsgesetzes beschlossene abschlagsfreie Rente ab 63 für besonders langjährig Versicherte. Sie konterkariert die Heraufsetzung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre und sollte daher ersatzlos gestrichen werden

Rahmenbedingungen weiter verbessern

Notwendig ist eine verlässliche Politik, die klare Signale und Rahmenbedingungen für alle Akteure setzt: Nicht nur die Unternehmen, auch die Beschäftigten müssen noch stärker dafür sensibilisiert werden, dass eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ohne Alternative ist. Deshalb darf an der Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre kein Zweifel gelassen werden.

Trotz teilweise erheblicher Fortschritte in den letzten Jahren bestehen vor allem im Arbeitsförderungsrecht immer noch Regelungen fort, die nicht einem hohen Beschäftigungsstand Älterer dienen, sondern Frühverrentung fördern. Dies gilt insbesondere für die längere Bezugsdauer des Arbeitslosengelds für Ältere von bis zu 24 Monaten. Internationale Vergleiche zeigen: Je höher das Arbeitslosengeld und je länger und leichter es bezogen werden kann, desto länger dauert Arbeitslosigkeit an, weil Anreize zur frühzeitigen Beschäftigungssuche verringert werden. Daher sollte das Arbeitslosengeld wieder einheitlich auf max. zwölf Monate festgesetzt werden, wie es bis zum Jahr 1985 der Fall war.

Gleitenden Übergang in Rente ohne neue Frühverrentungsanreize ermöglichen

Da es trotz aller Anstrengungen nicht gelingen wird, jeden Beschäftigten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze aktiv im Erwerbsleben zu halten, muss ein Ausbau der Beschäftigung Älterer auch in Zukunft durch flexible, individuelle Möglichkeiten zum Renteneintritt flankiert werden. Deshalb ist es richtig, dass langjährig rentenversicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch nach Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre weiter vorzeitig mit 63 Jahren – bei versicherungsmathematisch berechneten Abschlägen – in Rente gehen können.

Soweit vorzeitige Rentenzugänge ermöglicht werden, ist jedoch auf Kostenneutralität für die Rentenversicherung und damit die Beitragszahler zu achten und dafür zu sorgen, dass nicht neue Anreize geschaffen werden, die es für ältere Arbeitnehmer attraktiv machen, frühzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Die Möglichkeit, vorzeitig in Altersrente zu gehen, darf daher nicht dazu führen, dass dies auf Kosten derjenigen geht, die bis zum vollen Rentenalter arbeiten.
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