Befristungen

Befristungen sind ein Erfolg versprechender Weg in den Arbeitsmarkt

Flexible Beschäftigungsformen sind ein zentraler Bestandteil eines anpassungsfähigen Arbeitsmarkts. Sie ermöglichen soziale Teilhabe. Befristete Arbeitsverhältnisse sind ein Beschäftigungsmotor der deutschen Wirtschaft, auch wenn der Anteil der Befristungen an allen Beschäftigungsverhältnissen seit Jahren stabil ist. Er liegt bei unter 9 Prozent (ohne Auszubildende, Destatis, Atypische Beschäftigung, Erwerbstätige in unterschiedlichen Beschäftigungsformen, 2013).
Gerade Berufsanfänger und Berufsrückkehrer profitieren vom Instrument der Befristung. Die Chance, direkt aus einer befristeten Beschäftigung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Fast drei Viertel der zunächst befristet Beschäftigten (72 Prozent) erhalten in ihrem Betrieb eine Anschlussbeschäftigung – vor allem durch eine Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis (2012: 39 Prozent), aber auch durch eine Verlängerung des befristeten Vertrags (33 Prozent). Dabei ist der Anteil der unbefristeten Übernahmen in den letzten Jahren deutlich gestiegen (2009 noch: 30 Prozent). Während der befristeten Beschäftigung wird wertvolle Arbeitserfahrung erworben, so dass viele befristet Beschäftigte nach Auslaufen ihres Vertrags in einem anderen Betrieb eine unbefristete Stelle bekommen. Damit steigern Befristungen die Einstellungschancen für Menschen ohne Berufserfahrung oder mit langer Erwerbsunterbrechung und können Arbeitslosigkeit verhindern oder beenden.

Für Unternehmen sind befristete Arbeitsverhältnisse unverzichtbar, zum einen um auf Auftragsspitzen reagieren, zum anderen um familienbedingte, temporäre Auszeiten auffangen zu können. Sie führen daher auch zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und erleichtern die Erwerbsbeteiligung von Frauen.

Sachgrundlose Befristungen sind wichtig

Das Bundesarbeitsgericht hat sich richtigerweise mit Urteil vom 6. April 2011 (7 AZR 716/09) entschieden, dass eine sachgrundlose Befristung bei demselben Arbeitgeber nach Ablauf einer Frist von drei Jahren erneut zulässig ist. Es hat damit die Möglichkeiten, die das europäische Befristungsrecht eröffnet, nicht vollständig ausgeschöpft. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (Urteil vom 12. Juni 2008 – C-364/07) ist ein Zeitraum von drei Monaten ausreichend, um als Arbeitnehmer erneut einen befristeten Arbeitsvertrag mit demselben Arbeitgeber abschließen zu dürfen. Für Fälle, in denen der Arbeitnehmer in der Vergangenheit nur für wenige Wochen einen Arbeitsvertrag mit demselben Arbeitgeber hatte, ist der Zeitraum von drei Jahren zwischen einer Vorbeschäftigung und einer neuen befristeten Beschäftigung noch immer zu lang.

Befristungen bei Altersbezug effektiv gestalten

Arbeitslosigkeit kann an der Wurzel bekämpft werden, wenn die Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung effektiver eingesetzt wird. Ein befristetes Arbeitsverhältnis mit einem Arbeitnehmer, der das 52. Lebensjahr vollendet hat, kann derzeit ohne sachlichen Grund nur dann abgeschlossen werden, wenn der Arbeitnehmer unmittelbar vorher mindestens vier Monate beschäftigungslos gewesen ist. Das ist kontraproduktiv, es fordert den Eintritt eines Zustands, der eigentlich bekämpft werden soll. Sinnvoll und effektiv ist die Regelung nur dann, wenn drohende Arbeitslosigkeit ausreicht, um eine sachgrundlose Befristung einzugehen. So könnte Beschäftigung erhalten und Arbeitslosigkeit vermieden werden. Verstärkt werden kann diese Wirkung noch, wenn die Regelung unabhängig vom Alter des Arbeitnehmers gilt.
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