BDA International

Internationale Netzwerke stärken BDA-Arbeit

Beschäftigungs- und sozialpolitische Themen werden zunehmend auch auf internationaler Ebene diskutiert. Die BDA vertritt die Interessen ihrer Mitglieder in internationalen Organisationen und globalen Foren. Darüber hinaus umfasst die internationale Arbeit der BDA zahlreiche Netzwerkaktivitäten, von denen die Mitgliedsverbände unmittelbar profitieren. Hierzu zählt vor allem die Kontaktpflege zu den branchenübergreifenden nationalen Wirtschaftsverbänden in der ganzen Welt, mit denen die BDA in der International Organisation of Employers (IOE) zusammengeschlossen ist.

Der Prozess der Globalisierung hat dazu geführt, dass beschäftigungs- und sozialpolitische Fragestellungen über den nationalen und europäischen Rahmen hinaus zunehmend auch auf internationaler Ebene diskutiert werden. Die bedeutendste Institution auf dem Gebiet der internationalen Sozialpolitik ist die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), der als Sonderorganisation der Vereinten Nationen bei der Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen (vor allem der Kernarbeitsnormen) eine Schlüsselrolle zukommt. Aufgrund ihrer im UN-System einzigartigen dreigliedrigen Struktur sind in den Organen der ILO neben den Regierungsdelegierten auch Repräsentanten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern vertreten. Für die deutschen Arbeitgeber wirkt die BDA aktiv an den Beratungen der jährlich stattfindenden Internationalen Arbeitskonferenz mit und ist darüber hinaus im Verwaltungsrat der ILO vertreten.

Die internationale Sozialpolitik bleibt indes nicht mehr auf die ILO beschränkt, sondern steht zunehmend auch auf der Tagesordnung wichtiger Global Governance Foren wie der „Gruppe der 20“ (G20). Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise haben beschäftigungs- und sozialpolitische Themen wie Jugendbeschäftigung, Bildung und Demographie im G20-Prozess weiter an Bedeutung gewonnen. Die BDA engagiert sich im Vorfeld der G20-Gipfeltreffen über den B20-Prozess („Business 20“) und speist gemeinsam mit den Vertretern der branchenübergreifenden nationalen Wirtschaftsverbände der 20 größten Industrie- und Schwellenländer die Interessen der Arbeitgeber in den G20-Prozess ein. Auch an den im Vorfeld der G20-Arbeitsministertreffen stattfindenden Sozialpartnerkonsultationen wirkt die BDA mit.
Die Interessenvertretung der Arbeitgeber auf internationaler Ebene findet dabei in enger Abstimmung mit dem Internationalen Arbeitgeberverband IOE und dem „Business and Industry Advisory Committee“ (BIAC) bei der OECD statt. BIAC ist der branchenübergreifende und offiziell anerkannte konsultative Ausschuss für Wirtschafts- und Industriefragen bei der OECD. BIAC vereint die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände der Mitgliedstaaten der OECD und fungiert als Sprachrohr der Wirtschaft in die OECD hinein. Die BDA beteiligt sich an den diversen Ausschüssen des BIAC, wie z. B. dem Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten oder dem Ausschuss für Bildung. Auch hat die BDA über BIAC aktiv an der Überarbeitung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen mitgewirkt.

Neue Herausforderungen für globale industrielle Beziehungen

Dem internationalen Arbeitgeberverband IOE kommt neben seiner Rolle als Arbeitgeberstimme in der ILO zunehmend eine strategische Rolle bei der Gestaltung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen auf globaler Ebene zu. Die Globalisierung hat dazu geführt, dass sich die internationalen Branchengewerkschaftsbünde auf globaler Ebene immer umfassender und strategischer organisieren. So setzen sich die Gewerkschaften gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen zunehmend weltweit vernetzt auf internationaler Ebene für die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten ein. Darüber hinaus verfolgen Gewerkschaften mit der internationalen Arbeit auch zusehends eigene organisationspolitische Ziele der Mitgliedergewinnung und institutionellen Stärkung.

Ein wichtiges Instrument für die Arbeit der Gewerkschaften auf internationaler Ebene sind die sogenannten International Framework Agreements (IFAs). Mit diesen internationalen Rahmenvereinbarungen, die zwischen einzelnen Unternehmen und den internationalen Branchengewerkschaften abgeschlossen werden, verschaffen sich die Gewerkschaften Zugang zu den Belegschaften der Unternehmen und versuchen dort ihren Organisationsgrad zu erhöhen. Parallel zu den IFAs greifen die globalen Gewerkschaftsorganisationen auf neue Techniken wie die des Global Campaignings zurück, bei denen einzelne Unternehmen gezielt weltweiten Kampagnen (z. B. Internet- und Pressekampagnen, Massenmailings, Protestbriefe und -aktionen) ausgesetzt werden. Diese Entwicklung ist vor allem auch auf den wachsenden Einfluss US-amerikanischer Gewerkschaften zurückzuführen, die in den letzten Jahren ihre Abstinenz im internationalen Bereich aufgegeben haben und aktiv an der Strategieentwicklung des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der internationalen Branchengewerkschaften mitwirken. Dabei bringen sie auch bisher auf die USA begrenzte Techniken des Global Campaigning auf die internationale Ebene ein. Neu ist, dass damit lokale Konflikte zwischen Management und einem einzelnen nationalen Gewerkschaftsverband über die internationale Branchengewerkschaft zu einem internationalen Thema werden, das auch zu Solidaritätsaktionen im Heimatland des jeweiligen Konzerns führt.

Um die Interessenvertretung der Arbeitgeber in den globalen industriellen Beziehungen zu stärken und den Unternehmen dabei konkret Hilfestellung zu bieten, hat die IOE auf Anregung der BDA das „Global Industrial Relations Network“ (GIRN) gegründet, an dem Mitgliedsunternehmen der IOE-Verbände teilnehmen können. Sie finden hier nicht nur eine Plattform für den spezifischen Erfahrungsaustausch zu internationaler Sozialpolitik und industriellen Beziehungen, sondern können sich bei konkreten Problemen, gerade mit Framework Agreements und Global Campaigning, mit anderen globalen Unternehmen austauschen.

Internationale Netzwerke bieten Unternehmen konkreten Mehrwert

Über ein aktiv gepflegtes Netzwerk aus weltweiten Kontakten ist es der BDA möglich, ihren Mitgliedern schnelle und effiziente Hilfestellung für die Beantwortung konkreter arbeitsrechtlicher und personalpolitischer Fragen im Ausland zu geben. Darüber hinaus nutzt die BDA die Kontakte zur und über die IOE, um Herausforderungen internationaler Personalpolitik im Interesse der Unternehmen voranzubringen. Einen konkreten Mehrwert für die BDA-Mitglieder bringen diese internationalen Netzwerke insbesondere auch mit Blick auf die wachsende internationale Mobilität von Fach- und Führungskräften: Die Vollendung des Europäischen Binnenmarkts und die Globalisierung haben dazu geführt, dass Unternehmen zunehmend grenzüberschreitend tätig sind. Damit nimmt auch die Mobilität von Führungskräften und Fachspezialisten zu. Trotz der immer stärkeren weltwirtschaftlichen Verflechtung sind die Arbeitsrechts-, Arbeitsmarkt- und Sozialsysteme in den Mitgliedstaaten der EU sehr heterogen und basieren auf grundlegend unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Traditionen. Dies gilt in verstärktem Maße für die Rechtssysteme außerhalb der EU. Global ausgerichtete Unternehmen können einerseits die nationalen Unterschiede zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen ausnutzen. Andererseits führt das Management der Schnittstellen (z. B. durch Rückgriff auf nationales Expertenwissen) zu erheblichen Kosten für die Unternehmen. Die BDA begleitet diese Fragen intensiv mit den Mitgliedsunternehmen und hat anhand von konkreten Beispielen untersucht, welchen Beitrag eine Anpassung europäischer Regulierung zur Lösung der Herausforderungen, die sich in den Unternehmen stellen, leisten kann. Darüber hinaus nutzt die BDA auch die bilateralen Kontakte, um konkrete Probleme, z. B. im Sozialversicherungsrecht, vor Ort anzugehen.
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