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Betriebliche Ausbildung

Bessere Rahmenbedingungen für die Fachkräftesicherung

Damit die betriebliche Ausbildung weiterhin die Säule zur Sicherung eines qualifizierten Fachkräftenachwuchses bleibt, müssen Ausbildungsstrukturen bedarfsgerecht gestaltet, Ausbildungshemmnisse beseitigt und die Rahmenbedingungen verbessert werden.

Die betriebliche Ausbildung im dualen System ist durch die enge Verknüpfung mit der Arbeitswelt ein optimaler Start in den Beruf. Sie sichert den Unternehmen gut qualifizierte Fachkräfte und den Jugendlichen gute berufliche Chancen. Unternehmen engagieren sich daher auf breiter Basis für die Ausbildung – so bilden rund drei Viertel der dazu berechtigten Betriebe aus und investieren pro Jahr rund 24 Mrd. Euro in ihre rund 1,4 Mio. Auszubildenden. Nicht zuletzt durch das große Engagement der Wirtschaft und die enge Verknüpfung von Lernen und Praxis hat Deutschland die niedrigste Jugendarbeitslosigkeitsquote in Europa.

Zentrale Herausforderung für die Ausbildung ist der demographisch bedingte Bewerberrückgang, der in den neuen Bundesländern bereits sehr stark ausgeprägt ist und der aktuell auch in den alten Bundesländern einsetzt. Betriebe haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Gleichwohl gibt es weiterhin zu viele Jugendliche, denen die Integration in Ausbildung nicht gelingt, vor allem weil ihnen die erforderlichen Kompetenzen fehlen.

Ausbildungsreife sicherstellen

So verlassen viele Jugendliche die Schule nicht mit dem erforderlichen Rüstzeug für die Ausbildung. Reparaturmaßnahmen im Übergangssystem zur Aufarbeitung von Defiziten sind nötig und verursachen hohe Kosten. Bildungspolitische Reformen müssen daher die Qualität der Schulen verbessern. Zur Ausbildungsreife gehört auch eine fundierte Berufsorientierung, damit Schüler besser auf die Arbeitswelt vorbereitet sind. Berufsorientierung muss fest im Schulalltag verankert und in Kooperation mit der Wirtschaft und der Bundesagentur für Arbeit vermittelt werden.

Für Jugendliche mit Schwierigkeiten am Übergang Schule/Ausbildung sind mehr praxisnahe Angebote erforderlich. Die betrieblichen Einstiegsqualifizierungen haben mit ihren hohen Übergängen in Ausbildung (rund 70 Prozent) gezeigt, wie hilfreich solche Angebote sind. Mehr Praxisklassen sowie eine verstärke Nutzung flankierender Hilfen (z.B. sozialpädagogische Begleitung) bei betrieblicher Ausbildung und Ausbildungsvorbereitung stellen die wirkungsvollsten Ansätze dar. Betriebe engagieren sich bereits im Rahmen von Ausbildungsvorbereitung und Ausbildung in großem Umfang für schwächere Jugendliche. So bieten etwa zwei Drittel der ausbildenden Betriebe Nachhilfe oder Stützunterricht an.

Ausbildungsstrukturen modernisieren

Die Modernisierung der letzten Jahre (rund 159 modernisierte und 35 neue Ausbildungsberufe seit 2003) muss konsequent fortgesetzt werden, damit die Ausbildungsberufe dem aktuellen Bedarf der Praxis entsprechen und neue Tätigkeitsfelder für Ausbildung erschlossen werden können. Dabei muss das Ausbildungsspektrum aufgrund des unterschiedlichen Begabungsprofils der Jugendlichen nach oben und nach unten weiter differenziert werden. Neben der Förderung leistungsstarker Jugendlicher durch Zusatzqualifikationen bedeutet Differenzierung auch, im Ausbildungssystem mehr Chancen für leistungsschwache Jugendliche zu schaffen. Gebraucht werden „schlanke“, flexible Berufe mit weniger komplexen Anforderungen.

Zudem braucht das duale Bildungssystem ein „Mehr“ an Flexibilität, Vielfalt, Durchlässigkeit und Transparenz. Hierbei geht es nicht um Flexibilisierung nach einem Einheitsmuster. Ziel sind vielmehr zusätzliche Gestaltungschancen und -optionen. Eine flexiblere Ausbildung kann insbesondere durch die Entwicklung von Ausbildungsbausteinen und die Bildung von Berufsgruppen bei verwandten Tätigkeitsprofilen erfolgen. Flexible Strukturen der Ausbildung, insbesondere eine Gliederung in Ausbildungsbausteine, erfordern zudem entsprechend flexible Strukturen der Prüfung und Zertifizierung. Es muss interessierten Branchen ermöglicht werden, neue Formen der Leistungsfeststellung zu erproben – unter Beibehaltung der öffentlich-rechtlichen Abschlussprüfung.

Rahmenbedingungen verbessern

Wachstums- und beschäftigungsfördernde Reformen sind die beste Ausbildungspolitik. Denn nur Betriebe, die optimistisch in ihre wirtschaftliche Zukunft blicken können, investieren in ihren Nachwuchs. Zudem kann eine flexiblere Gestaltung von Ausbildungsvergütungen v. a. auch leistungsschwächeren Jugendlichen, die mit erhöhtem Aufwand begleitet werden müssen, den Einstieg in betriebliche Ausbildung ermöglichen. Wichtig für die Betriebe ist zudem die Berufsschule als verlässlicher Partner, der sich insbesondere durch eine moderne Ausstattung und ein flexibles Zeitmanagement auszeichnet.
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