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Arbeitskosten

Standort Deutschland noch immer zu teuer

Mit durchschnittlich rund 31 Euro je geleistete Arbeitsstunde lag Deutschland bei den Arbeitskosten im Jahr 2013 um 32 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Insbesondere die gesetzlich verursachten Lohnzusatzkosten stellen eine Belastung für Unternehmen und Arbeitsplätze dar.

Arbeitskosten haben einen hohen Einfluss auf die Attraktivität eines Landes als Standort für Unternehmen. Ihre Höhe bestimmt die Rentabilität von Investitionen entscheidend mit. Je geringer das Arbeitskostenniveau ist, umso größer sind die Chancen, dass Unternehmen bei vergleichbaren Rahmenbedingungen in diesem Land investieren.

Niedrige Arbeitskosten sind ein Standortvorteil, weil sie die Rendite vorhandener und die Renditeerwartungen neuer Investitionen erhöhen. Im Ergebnis entstehen neue Arbeitsplätze, und der Druck, vorhandene Arbeitsplätze aus Kostengründen zu verlagern, nimmt ab.

Der überwiegende Teil der Arbeitskosten wird durch Vereinbarungen der Tarif- und Arbeitsvertragsparteien bestimmt. Erfreulicherweise verfolgen die Tarifparteien seit mehreren Jahren eine insgesamt beschäftigungsorientierte Lohnpolitik. Durch sie hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft im internationalen Vergleich deutlich verbessert. So ist es gelungen, die Lohnstückkosten nahezu konstant zu halten, während sie in anderen Ländern gestiegen sind. Dies hat maßgeblich zum Beschäftigungszuwachs der vergangenen Jahre beigetragen. Um diesen Erfolg nicht zu verspielen, muss der eingeschlagene Kurs moderater Lohnabschlüsse fortgesetzt werden.

Finanzierung vom Arbeitsverhältnis lösen

Auch bei den Lohnzusatzkosten liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt. Die gesetzlich verursachten Lohnzusatzkosten als Teil der Arbeitskosten wirken dabei wie eine „Strafsteuer auf Arbeit“, soweit zusätzlichen Beiträgen keine zusätzlichen Leistungsansprüche gegenüberstehen. Dies gilt vor allem für die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Zu Recht fordert der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, den Grenzabgabensatz auf Arbeit durch Reformen der Sozialversicherung zu senken. Die zentrale Reformaufgabe lautet daher, insbesondere die Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung vom Arbeitsverhältnis zu entkoppeln.

Verantwortungsbereiche erkennbar machen

Um zu verdeutlichen, wer für welche Anteile der Arbeitskosten verantwortlich ist, unterscheidet die BDA zwischen vertraglich vereinbarten Arbeitskosten (u. a. Löhne und Gehälter einschl. Sonderzahlungen, betriebliche Altersvorsorge, übergesetzlicher Urlaub, freiwillige Sozialleistungen, berufliche Weiterbildung) und gesetzlich verursachten Arbeitskosten (u. a. gesetzliche Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Vergütung während gesetzlicher Feiertage und während des gesetzlichen Mindesturlaubs).

Eine solche Darstellung macht die unmittelbaren Auswirkungen von Entscheidungen der Tarif- und Arbeitsvertragsparteien einerseits und des Gesetzgebers andererseits deutlich. Wer für welchen Anteil der Arbeitskosten verantwortlich ist, tritt bei dieser Abgrenzung deutlicher zu Tage als bei der bisher meist verwendeten Unterteilung in Direktentgelt bzw. Bruttolöhne und Personalzusatzkosten.
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