Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarktpolitik an Herausforderungen der Zukunft ausrichten

Eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik ist für die Menschen in Deutschland sowie für die deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Arbeit bedeutet nicht nur, den Lebensunterhalt sichern zu können, sondern auch soziale Teilhabe, Anerkennung und persönliche Erfüllung. Für die Wirtschaft ist es gerade auch vor dem Hintergrund des Bedarfes an qualifizierten Mitarbeitern entscheidend, dass alle Potenziale bestmöglich ausgeschöpft werden.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Arbeitsmarktsituation in Deutschland vom "kranken Mann" Europas zum "deutschen Jobwunder" gewandelt. Die Arbeitslosigkeit ist seit 2005 von 5 Mio. auf deutlich unter 3 Mio. gesunken, gleichzeitig haben wir den höchsten Beschäftigungsstand seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) konnte nach den Reformen der vergangenen Jahre vor allem durch den konsequenteren Einsatz der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen nach Wirkung und Wirtschaftlichkeit die Förderung von Arbeitslosen verbessern und zugleich die Ausgaben spürbar reduzieren. Dieser erfolgreiche Kurswechsel muss fortgeführt und an den aktuellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt entlang weiterentwickelt werden. Die Handlungsschwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik müssen entsprechend den großen Herausforderungen der Zukunft ausgerichtet sein. Dazu gehören insbesondere die Digitalisierung der Arbeitswelt, demografische Entwicklung, Fachkräftemangel, verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit, Zuwanderung. Diese Megatrends stellen sowohl Risiken als auch Chancen für die Arbeitsmarktpolitik dar.

Qualifikation ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit

Im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt wird die Qualifikation, berufliche Flexibilität und kontinuierliche Weiterbildung eine immer wichtigere Rolle spielen. Eine gute Qualifikation ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Deswegen muss die BA junge Menschen bereits zu Beginn ihres Ausbildungs- und Erwerbslebens in den Blick nehmen und sie, dort wo nötig, beim Übergang von Schule in den Beruf noch stärker unterstützen.

Förderung an Stärken des Einzelnen und am regionalen Arbeitsmarkt orientieren

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter zurückgehen und die Fachkräfteengpässe werden verstärkt auftreten. Um den hohen Beschäftigungsstand zu halten, müssen die inländischen Arbeitsmarktpotenziale, insbesondere von Frauen, Älteren, Menschen mit Behinderung und Langzeitarbeitslosen noch besser mobilisiert werden. Für diese Zielgruppen sind eine eingehende Kompetenzdiagnostik, passgenaue Beratung, gezielte Förderung und Vermittlung zentrale Voraussetzungen für eine gelungene Arbeitsmarktintegration. Für eine ganzheitliche Betreuung und einen schnellen unkomplizierten Zugang zu allen notwendigen Leistungen bedarf es weiterer gemeinsamer Anstrengungen und der engeren Vernetzung aller relevanten Träger. Die Arbeitsagenturen und Jobcenter sollten vor allem eng mit Arbeitgebern und Arbeitgeberverbänden vernetzt sein. Arbeitgeber sind wichtige Partner, damit die Mitarbeiter der Jobcenter den Bedarf am regionalen Arbeitsmarkt besser ermitteln und berücksichtigen können. Nur durch einen vertrauensvollen Umgang mit den Arbeitgebern können Arbeitsagenturen und Jobcenter Offenheit bei Arbeitgebern erreichen, wenn es darum geht, z. B. Arbeitslosen mit Vermittlungshemmnissen eine Chance zu geben.

Qualität von Arbeitsmarktdienstleistungen verbessern

Für den Erfolg der Arbeitsmarktpolitik ist auch entscheidend, dass von der Bundesagentur für Arbeit und den Jobcentern eingekaufte Maßnahmen erfolgreich, effizient und wirtschaftlich sind. Für Arbeitsmarktdienstleistungen, insbesondere für Qualifizierungsmaßnahmen unterschiedlichster Art, werden Milliarden Euro investiert. Diese Maßnahmen dienen dem Ziel der möglichst schnellen und nachhaltigen Integration in Ausbildung bzw. Beschäftigung. Daher muss möglichst jeder Euro beim Einkauf von Arbeitsmarktdienstleistungen so wirtschaftlich und erfolgsorientiert wie möglich eingesetzt werden. Dies ist bei Menschen, die Qualifizierungsmaßnahmen in Anspruch nehmen, sind in hohem Maße auf eingliederungsorientierte und erwiesenermaßen erfolgreiche Arbeitsmarktdienstleister angewiesen. Das Vergaberecht muss so angepasst werden, dass es den Besonderheiten von Arbeitsmarktdienstleistungen gerecht wird und dass Erfolge bei der Arbeitsmarktintegration von Arbeitslosen auch beim Zuschlag besondere Berücksichtigung finden können.

Internationales Engagement stärken

Die Kooperation der europäischen Arbeitsmarktdienstleister untereinander muss weiterentwickelt werden. Eine Europäische Arbeitslosenversicherung wäre dagegen der falsche Weg, weil sie mit der Vergemeinschaftung der Kosten der Arbeitslosigkeit die Verantwortung der Mitgliedstaaten für einen funktionierenden Arbeitsmarkt senkt und Fehlanreize setzt, die die notwendigen Arbeitsmarkt- und Strukturreformen behindern und so Arbeitslosigkeit sogar verfestigen.
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN