argumente

Altersarmut

Altersarmut ist in Deutschland erfreulicherweise selten. Nur 3,1 % aller über 64-Jährigen waren am Jahresende 2014 auf Leistungen der sog. Grundsicherung im Alter angewiesen. Wenn immer mehr Bürger die Angebote zu einer zusätzlichen Altersvorsorge nutzen, bestehen gute Chancen, dass Altersarmut – trotz sinkendem Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung – auch in Zukunft die Ausnahme bleibt.

Irrtum: Niedrige Rente gleich Altersarmut

  • Allein aus der Höhe der gesetzlichen Rente kann nicht auf Altersarmut geschlossen werden. Wie der Alterssicherungsbericht der Bundesregierung zeigt, besteht zwischen dem Zahlbetrag der Renten der gesetzlichen Rentenversicherung und dem tatsächlichen Haushaltseinkommen Älterer teils sogar ein umgekehrter Zusammenhang. Dies liegt u. a. daran, dass viele Rentner nur wenige Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben und daher kleine Renten beziehen, aber z. B. als Selbstständige, Beamte oder von der Rentenversicherungspflicht-Befreite hohe Altersversorgungsansprüche erworben haben. Personen, die das gesetzliche Rentenalter erreicht haben und nicht über ausreichende Mittel zum Lebensunterhalt verfügen, haben Anspruch auf Grundsicherung im Alter. Der Gesetzgeber hat damit ein spezielles unteres Auffangnetz für Personen im Rentenalter geschaffen, das Altersarmut wirksam bekämpft.

Irrtum: Jeder Zweite wird im Alter zum Sozialfall

  • Richtig ist vielmehr, dass auch bei der geplanten Absenkung des Rentenniveaus Altersarmut nicht zu einem Massenphänomen wird. Nach Simulationsrechnungen des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium wird der Anteil derjenigen, die ab 2030 auf eine Grundsicherung im Alter angewiesen sind, im schlimmsten Fall auf etwa 5 % steigen.
  • Vor allem die gestiegene Erwerbstätigkeit spricht dafür, dass das Ausmaß der Altersarmut auch weiterhin begrenzt bleibt. Mit über 43 Mio. (2015) sind derzeit mehr Menschen in Deutschland erwerbstätig als jemals zuvor. Erwerbstätigkeit ist die entscheidende Voraussetzung dafür, um über die gesetzliche Rentenversicherung und/oder über betriebliche oder private Alterssicherungssysteme für das Alter vorsorgen zu können. Der beste Schutz gegen spätere Altersarmut sind daher ein hohes Beschäftigungsniveau und durchgehende Erwerbsbiografien. Hierauf sollten deshalb alle Anstrengungen gerichtet sein.
  • Der demografische Wandel und die absehbare Knappheit von Fachkräften lassen vermuten, dass unterbrochene Erwerbsbiografien an Bedeutung verlieren und vor allem die Beschäftigungschancen der Gruppen, die heute noch unterdurchschnittlich am Erwerbsleben teilhaben, steigen werden.
  • Durch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, die der Gesetzgeber bereits 2007 mit dem Rentenversicherungs-Altersgrenzenanpassungsgesetz beschlossen hat, können zusätzliche Rentenanwartschaften erworben und die Abhängigkeit von der Grundsicherung im Alter noch weiter reduziert werden. Die jüngsten Rentenzugangsstatistiken zeigen, dass die Versicherten ihren Renteneintritt tatsächlich immer weiter hinauszögern. So ist das Rentenzugangsalter in Altersrenten seit der Jahrtausendwende um rd. zwei Jahre angestiegen.
  • Gerade bei Frauen, die heute noch rd. zwei Drittel aller Bezieher von Grundsicherung im Alter ausmachen, ist die Beschäftigungsentwicklung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten positiv. Immer mehr Frauen verfügen über eigene Rentenanwartschaften und sind damit tendenziell weniger abhängig von Hinterbliebenenrenten und ggf. ergänzenden Grundsicherungsleistungen.
  • Zudem hat der Gesetzgeber die rentenrechtliche Absicherung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten, die regelmäßig von Frauen in Anspruch genommen werden, entscheidend verbessert, so dass aus diesen Erwerbsunterbrechungen im Regelfall keine Nachteile mehr bei der späteren Rentenhöhe resultieren. Darüber hinaus wird erziehungsbedingte Teilzeitarbeit im Rentenrecht inzwischen speziell gefördert.
  • Mit dem RV-Leistungsverbesserungsgesetz hat der Gesetzgeber zuletzt die Erwerbsminderungsrente in doppelter Weise aufgewertet: Zum einen wurde die Zurechnungszeit um zwei Jahre verlängert. Zum anderen kann die Zurechnungszeit im Rahmen einer Günstigerprüfung nun höher bewertet werden. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Erwerbsminderung zu späterer Altersarmut führt.

Fakt: Die Höhe des Rentenniveaus ist allein wenig aussagekräftig.

  • Für die Frage, inwieweit gesetzliche Renten zur Vermeidung von Altersarmut beitragen, ist nicht das abstrakte Rentenniveau vor Steuern entscheidend, sondern die tatsächliche Höhe der Renten. Und die sollen nach dem aktuellen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung bis 2029 um durchschnittlich mehr als 2 % pro Jahr steigen. Die Renten werden also aller Voraussicht nach nicht nur nominal, sondern auch nach Abzug der Inflation weiter steigen. Aus dem sinkenden Rentenniveau folgt daher keine Gefahr steigender Altersarmut.
  • Bei der im Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung erwarteten Senkung des Rentenniveaus von derzeit 47,7 % im Jahr 2016 auf 44,6 % im Jahr 2029 wird zudem keine Verlängerung der Lebensarbeitszeit unterstellt. Wenn die Verlängerung der Lebensarbeitszeit im Zuge der Anhebung des gesetzlichen Rentenalters gelingt, sinkt das Rentenniveau deutlich weniger (IW Köln: 46,6 %).

Fakt: Das heutige Versorgungsniveau kann allein schon mit der Riester-Rente gehalten werden.

  • Auch künftig kann das sinkende Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung allein schon mit der Riester-Vorsorge voll kompensiert werden. Entsprechend dem aktuellen Rentenversicherungsbericht (2015) kann das heutige Versorgungsniveau mit der Riester-Rente sogar leicht überkompensiert werden. Hiernach liegt das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung und der Riester-Rente zusammen im Jahr 2029 vor Steuern bei 51,1 %. Daran ändert sich auch kaum etwas, wenn die Renditen der Riester-Vorsorge bei einem Anhalten der Niedrigzinsphase geringer ausfallen.

Irrtum: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist gescheitert

  • Die zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge ist auch weiterhin leistungsfähig. Daran ändert auch die aktuelle Niedrigzinsphase nichts, zumal die Renditen von Anleihen aufgrund der niedrigen Inflation deutlich weniger gesunken sind als die nominalen Renditen. Zudem besteht kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht nur aus der Anlage der Anleihen, sondern auch in Sachwerten wie Aktion. Wie eine Auswertung der Bundesbank (Oktober 2015) zeigt, hat sich die Niedrigzinsphase auch kaum negativ auf die Sparbereitschaft ausgewirkt.
  • Nach dem Alterssicherungsbericht 2012 der Bundesregierung verfügen 71,3 % aller Beschäftigten über eine Betriebsrentenanwartschaft oder / und eine Riester-Vorsorge. In diesen Zahlen sind noch nicht einmal die über 53 Mio. private Lebens- und Rentenversicherungsverträge berücksichtigt. Zudem trägt auch die ansteigende Wohneigentümerquote (1993: 39 %, 2014: 52 %) für viele Personen zur finanziellen Absicherung im Alter bei.
  • Es ist Unsinn, Erfolg und Verbreitung der kapitalgedeckten Altersvorsorge allein an der Riester-Rente festzumachen. Die Riester-Rente ist nicht mehr und nicht weniger als eine ergänzende Option zur kapitalgedeckten Vorsorge, die mit Förderquoten von teilweise mehr als 90 % insbesondere Geringverdienern und Familien die zusätzliche Altersvorsorge erleichtern soll. Auch wenn mittlerweile rd. 85 Mrd. € in Riester-Verträge eingezahlt wurden, macht die Riester-Rente dennoch nur einen sehr kleinen Teil des zur Alterssicherung angesparten Vorsorgekapitals der Bürger aus.

Armut: Ältere nur selten betroffen

Bezug von Grundsicherung im Jahr 2014 Quelle: Bundesagentur für Arbeit und Statistisches Bundesamt, 2015

Publikation downloaden

Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Soziale Sicherung
T +49 30 2033-1600
Juni 2016