07.09.2017

Berufsschule der Zukunft darf nicht Stiefkind der Bildungspolitik sein

In einem Aktionsprogramm Berufsschule 2020 hat das Bündnis Zukunft der Industrie seine Forderungen für die berufliche Bildung in Deutschland gegenüber der künftigen Bundesregierung formuliert. Wer die duale Ausbildung stärken wolle, muss jetzt in die Modernisierung und bessere technische Ausstattung der Berufsschulen investieren, sagten Stefan Körzell, DGB-Bundesvorstandsmitglied, und Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA, anlässlich des Forums Industriepolitik an der Frankfurter Paul-Ehrlich Berufsschule.
Die Berufsschulen dürfen nicht Stiefkinder der Bildungspolitik bleiben, sondern Stätten des Wissenstransfers mit bester digitaler Infrastruktur, modernen Werkbänken und Lehrkräften, die in enger Kooperation mit Ausbildungsbetrieben stehen. Gemeinsam mit Unternehmen, beruflichen Schulen, Verbänden, Kammern und Gewerkschaften will das Bündnis die bessere personelle und materielle Ausstattung der Berufsschulen gegenüber den Landesregierungen und der künftigen Bundesregierung vorantreiben. Unsere Forderungen:
  • Ausbau und spürbare Verbesserung der Berufsorientierung an Schulen – auch an Gymnasien
  • Erhalt der Flexibilität von Ausbildungsordnungen durch technologieoffene Formulierungen
  • Stärkung des Wissenstransfers zwischen Betrieb und Berufsschule
  • Lernortkooperationen, an denen technologisches Wissen aus innovativen Betrieben in andere Betriebe und Schulen übergehen kann.
  • Bessere personelle Ausstattung und bessere Vermittlung von neuen Techniken und Verfahren.

Im Rahmen einer gemeinsamen Erklärung haben sich die Kultusministerkonferenz (KMK), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bereits im Mai 2017 das gemeinsame Ziel gesteckt, die Berufsschulen zu modernen und zukunftsfesten Lernorten weiterzuentwickeln. Die Berufsschulen müssen „in die Lage versetzt werden, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Politik und Sozialpartnern. Starke Berufsschulen sind eine unverzichtbare Säule der dualen Ausbildung in Deutschland, auch und gerade in der digitalen Welt.

Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied: „Wer die duale Ausbildung stärken will, muss auch die berufsbildenden Schulen ins Zentrum der Bildungspolitik stellen. Auf diese Schulen kommt es an – sie sind ein wichtiger Eckpfeiler der dualen Ausbildung, die im Ausland großes Interesse genießt. Doch der Lernort Berufsschule wurde hierzulande zu lange vernachlässigt. Es ist höchste Zeit, dass Bund und Länder jetzt kräftig in die berufsbildenden Schulen investieren. Die Berufsschulen brauchen eine moderne technische Ausstattung, frisch sanierte Gebäude und mehr Lehrkräfte-Nachwuchs.“

Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA: „Gute und zeitgemäß ausgestattete Berufsschulen stehen für moderne Berufsausbildung. Absolventen der Aufstiegsfortbildung auf Basis einer Berufsausbildung haben sogar ein noch geringeres Risiko, arbeitslos zu werden als Akademiker. Berufsbildung ist keine Sackgasse, sondern bietet vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten und bedeutet für viele Millionen Menschen und ihre Familien eine Basis für ein glückliches Leben in Deutschland.“

Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt: „In einem bundesweit einmaligen Beteiligungsverfahren wird derzeit der Schulentwicklungsplan für die beruflichen Schulen der Stadt Frankfurt erstellt. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Schulleitungen, Gewerkschaften, Kammern, Betriebe, Eltern sowie Politikerinnen und Politiker sprechen über zeitgemäße pädagogische, räumliche und technische Konzepte. Jetzt kommt es darauf an die beruflichen Schulen fit zu machen für die Herausforderungen in einer digital geprägten Arbeitswelt.“

Das Bündnis „Zukunft der Industrie“ hat in einem von 16 Organisationen und dem Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam getragenen Positionspapier aufgezeigt, wie die berufliche Bildung in Deutschland weiter
entwickelt werden soll. Unter dem Titel „Zukunft der Arbeit in Industrie und industrienahen Dienstleistungen – Fachkräftebasis der Zukunft sichern: Anforderungen an Aus- und Weiterbildung“ werden dazu konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Die Handlungsempfehlung können Sie unter folgendem Link abrufen:https://www.buendnis-fuer-industrie.de/fileadmin/mediathek/pdf/Papier_Bu__ndnis_Zukunft_der_Industrie_Fachkra__ftebasis_der_Zukunft_sichern_s02.pdf

Mit dem Aktionsprogramm „Berufsschule 2020“ sollen diese Handlungsempfehlungen auch auf kommunaler und regionaler Ebene diskutiert werden. Das N3tzwerk Zukunft der Industrie und das Bildungsdezernat der Stadt Frankfurt wollen sich für eine zukunftsfähige Ausstattung und Modernität der Berufsschulen einsetzen. Der Beirat Industrie der Stadt Frankfurt am Main hat im Masterplan Industrie empfohlen, die duale Ausbildung in der Industrie zu stärken.