Armut

Arbeit statt Armut

Beschäftigung ist und bleibt der beste Schutz gegen Armut. Deshalb müssen die Beschäftigungschancen der Menschen verbessert und der Einstieg in Arbeit erleichtert werden. Gute Bildung ist dafür die entscheidende Voraussetzung.


In der Diskussion über Armut in Deutschland werden immer wieder Forderungen nach Mindestlöhnen und zusätzlichen Sozialleistungen laut.
Diese können eine echte Teilhabe am Arbeitsmarkt aber nicht ersetzen.

Die Debatte zur sozialen Gerechtigkeit wird oftmals auf Verteilungsgerechtigkeit mit Forderungen nach mehr Umverteilung verkürzt. Laut OECD wird in Deutschland die Einkommensungleichheit weltweit mit am stärksten durch Steuern und Sozialtransfers reduziert. So sinkt die sogenannte Armutsrisikoquote, der Anteil der Personen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens, durch das Steuer- und Transfersystem rapide. Das Risiko, in Deutschland einkommensarm zu sein, lag laut neusten Erhebungen des Statistischen Bundesamtsvor Sozialtransfers bei 24,3 Prozent. Nach Sozialtransfers betrug es nur noch 16 Prozent und war damit im EU-Vergleich unterdurchschnittlich (EU: ca. 17 Prozent).

Niedriglohnbereich – Chance für Geringqualifizierte

Um Armut zu bekämpfen, ist es wichtig, gerade Geringqualifizierten größere Perspektiven am Arbeitsmarkt zu eröffnen. Die Arbeitslosenquote Geringqualifizierter ohne Berufsabschluss ist fast achtmal so hoch wie die von Hochqualifizierten mit einem Hochschul- bzw. Fachhochschulabschluss. Der Einstieg in Arbeit gelingt Menschen ohne jegliche formelle Qualifikation häufig nur über eine einfache, entsprechend geringer entlohnte Tätigkeit. Es ist eine Frage der Teilhabegerechtigkeit, die Schwächsten nicht dauerhaft vom Arbeitsmarkt auszugrenzen. Deswegen brauchen wir einen Niedriglohnbereich, der Menschen mit geringer Qualifikation die Eingliederung in den Arbeitsmarkt und damit in die Gesellschaft ermöglicht.

Falls das selbst erwirtschaftete Einkommen nicht reicht, besteht Anspruch auf ergänzende staatliche Unterstützung in Form von Arbeitslosengeld II. Nur ca. jeder Vierte der rund 1,3 Mio. abhängig beschäftigten „Aufstocker“ ist vollzeitbeschäftigt. Mehr als die Hälfte (54 %) übt lediglich einen Minijob aus, 19 Prozent sind teilzeitbeschäftigt. Insbesondere deshalb – und nicht wegen zu geringer Löhne – sind sie hilfebedürftig.

Höhere Sozialleistungen als Lösung?

Immer mehr Sozialleistungen helfen nicht: Das Sozialbudget beträgt rd. 780 Mrd. Euro und ist damit höher als jemals zuvor. Rund 30 Prozent der Wirtschaftsleistung – 1,5 mal so viel, wie in den
1960er Jahren – gelangen in die Umverteilung. Aufgrund des demografischen Wandels wird bis 2050 die Zahl potenzieller Erwerbspersonen gegenüber heute um etwa 10 Mio. bzw. gut 20 Prozent abnehmen. Immer weniger Menschen finanzieren dann einen immer umfassenderen Sozialstaat. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, ist der Sozialstaat auf Dauer nicht mehr finanzierbar. Dies widerspricht der Generationengerechtigkeit. Ungedeckte Leistungsausweitungen und eine ausufernde Staatsverschuldung werden zu untragbaren finanziellen Lasten für nachfolgende Generationen.


Bildung – wirksamster Schutz vor Armut

Bildungspolitik ist mit Blick auf Wohlstand und Chancengerechtigkeit die eigentliche Sozialpolitik. Deshalb muss im Sinne einer wirksamen Armutsprävention verstärkt in Bildung investiert werden. Von den Schülern eines Abschlussjahrgangs sind nach der PISA-Studie knapp 18,5 Prozent der Schüler insgesamt und 40 Prozent jener mit Migrationshintergrund nicht ausbildungsfähig. Knapp 50.000 Jugendliche verlassen jährlich die Schule sogar ganz ohne Abschluss. Deswegen muss es umfassende Maßnahmen vor allem zur Verbesserung der frühkindlichen und schulischen Bildung geben.

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