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Deutsche Exportstärke – schlecht für Europa?

Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Leistungsbilanzüberschüsse haben im In- und Ausland, vor allem auch in der Eurozone, Kritik erfahren. Die wichtigsten Kritikpunkte sind:
  • Deutschland setze einseitig auf den Export und tue zu wenig für seine Binnennachfrage, insbesondere für den privaten Konsum.
  • Mit der moderaten Lohnpolitik betreibe Deutschland „Dumping“ bei den Lohnstückkosten, überflute die Märkte anderer Euro-Länder und dränge diese dadurch an den Rand.
Die gestiegene Exportquote dient dabei als Beleg für das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht. Lag ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt noch 1993 lediglich bei 22 %, erreichte sie 2013 die Hälfte des BIP (50,6 %).

Irrtum: Deutschland leidet an Konsumschwäche.

  • Deutschland hat keineswegs einen schwachen Konsum. Der Anteil der Konsumausgaben der privaten Haushalte am Bruttoinlandsprodukt liegt seit Beginn der Währungsunion meistens sogar über dem Niveau Frankreichs.
  • Im Jahr 2013 lag der private Konsum in Deutschland um rd. 6 % höher als im Jahr 2007, kurz vor der Rezession. In Frankreich stieg im selben Zeitraum der private Konsum dagegen nur um rd. 3 %.
  • Die deutsche Konsumquote lag 2013 mit 55,8 % des BIP leicht über dem Durchschnitt der Eurozone (2012: 56,9 %).
  • 2014 wird die Inlandsnachfrage nach dem Frühjahrsgutachten der Gemeinschaftsdiagnose mit 1,7 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum beitragen. Im Gegensatz dazu wird der Außenhandel mit 0,3 Prozentpunkten voraussichtlich einen deutlich geringeren Effekt auf das BIP-Wachstum haben.

Fakt: Deutsches Exportwachstum findet vor allem außerhalb des Euroraums statt.

  • Die deutschen Exporte in die Partnerländer der Eurozone sind zwar seit Einführung des Euro gewachsen, allerdings verlief der Export in Drittländer wesentlich dynamischer.
  • Im Jahr 2013 wurden in die Eurozone Waren im Wert von 401,9 Mrd. € geliefert (– 1,1 %). Drittländer, die weder der EU noch der Eurozone angehören, bezogen im gleichen Jahr Waren im Wert von 470,7 Mrd. € (–0,5 %).

Fakt: Deutschland importiert immer mehr aus Euro-Ländern.

  • Deutschlands Warenimporte aus Ländern der Eurozone haben im Verlauf der letzten Dekade deutlich zugenommen.
  • Zum Jahresende 2013 lagen die deutschen Importe aus Euro-Ländern um rd. 11,5 % höher als vor der Rezession Ende 2007.
  • Nur weil die Importe aus der übrigen Welt noch stärker zugenommen haben, ist der Anteil der Euro-Länder an den Importen Deutschlands von 42 % im Jahr 2001 auf rd. 38 % im Jahr 2013 gesunken
  • Immer mehr deutsche Betriebe importieren Vorleistungsgüter aus anderen Euro-Ländern. Da mehr und mehr Endprodukte anschließend in Schwellenländer exportiert werden, ziehen auch die Partnerländer der Eurozone einen Nutzen aus den deutschen Exporten. Somit geht von Deutschlands Exporten eine Sogwirkung auf die Importe aus anderen Euro-Ländern aus. Steigen die deutschen Exporte um 10 %, nehmen die Vorleistungsausfuhren der EU-Partner nach Deutschland um rd. 9 % zu (IW Köln).
  • Die globalisierte Wirtschaft ist stark geprägt von globalen Wertschöpfungsketten. Der deutsche Wertschöpfungsanteil an den Exporten Deutschlands beträgt nur rd. drei Viertel (OECD). Die restliche Wertschöpfung geht auf Importe zurück.

Fakt: Handelspartner profitieren direkt von deutschen Ausrüstungsgütern.

  • Typischerweise exportiert die deutsche Wirtschaft hochwertige Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen. Dadurch steigt das Produktionspotenzial im Ausland.
  • Obwohl Deutschland bei den industriellen Arbeitskosten 2013 um fast die Hälfte über dem europäischen Durchschnitt lag, konnte die Qualität der Produkte offenbar überzeugen.

Irrtum: Deutsche Wettbewerbsstärke drückt die Euro-Partner an den Rand.

  • Die nebenstehende Tabelle zeigt, dass sich die Einfuhranteile aus den wichtigsten Euro-Partnerländern zwischen 2001 und 2013 nicht wesentlich verändert haben.
  • Dagegen haben vergleichbare Drittländer wie die USA, Japan oder Großbritannien einen deutlicheren Rückgang ihres Anteils an den deutschen Importen hinnehmen müssen.
  • Die deutschen Tarifparteien haben darauf geachtet, dass die Löhne grundsätzlich nur so stark steigen, wie sich die Produktivität verbessert. Andere Länder der Eurozone haben in der Vergangenheit diesen Grundsatz nicht beachtet und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit selbst geschwächt.

Deutsche Warenexporte in die Euro-Länder (Spezialhandel)


Quelle: Statistisches Bundesamt, 2013


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Juli 2014