kompakt

Ausbildungsmarkt

Betriebliche Ausbildung ist aufgrund ihrer Bedarfs- und Praxisorientierung Garant für gut qualifizierten Fachkräftenachwuchs. Sie steht aber vor Herausforderungen, v. a. durch die demografische Entwicklung.

Ausbildungspakt erfolgreich

Dank des intensiven Engagements der Wirtschaft hat der Ausbildungspakt große Erfolge beim Übergang von Schule in Ausbildung erreicht. Die Zusage, jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen ein Angebot zu machen, konnte erfüllt werden, ebenso die Zusagen zu neuen Ausbildungsplätzen, neuen Ausbildungsbetrieben und Einstiegsqualifizierungen (EQ). Die Paktpartner haben daher im Oktober 2010 beschlossen, den Pakt bis 2014 fortzusetzen und weiterzuentwickeln. Dabei wurden die Kultusministerkonferenz und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung als neue Paktpartner aufgenommen. Angesichts rückläufiger Bewerberzahlen wurde der Pakt stärker auf die Fachkräftesicherung und Ausbildungsreife ausgerichtet. Zu Beginn des Jahres 2014 starteten die Verhandlungen für eine „Allianz für Ausbildung und Qualifizierung“ im Sinne einer Fortsetzung des Ausbildungspaktes.

Ausbildungsbilanz 2013 erneut positiv

Auch für 2013 kann eine positive Ausbildungsbilanz gezogen werden: Zum 30. September (Ende des Vermittlungsjahres der Bundesagentur für Arbeit) standen den unversorgten Bewerbern mehr unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. In der Nachvermittlung konnte die Zahl der unvermittelten Bewerber weiter deutlich reduziert werden, so dass am Ende nur 2,1 % aller 2013 gemeldeten Bewerber unvermittelt waren. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge ist im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig gesunken. Die Angebots-Nachfrage-Relation ist stabil geblieben. Dies zeigt einmal mehr, dass Unternehmen eine nachhaltige Strategie der Fachkräftesicherung verfolgen. Allerdings fehlt es den Unternehmen aufgrund rückläufiger Schulabgängerzahlen zunehmend an geeigneten Bewerbern. Dies gilt insbesondere für die neuen Bundesländer, in denen sich die Zahl der Ausbildungsbewerber in den letzten vier Jahren mehr als halbiert hat, aber zunehmend auch für die alten Bundesländer.

Ausbildungsreife sicherstellen

Bildungsreformen müssen die Qualität der Schulen verbessern, damit Schulabgänger über das erforderliche Rüstzeug für eine Ausbildung verfügen. Wir wissen durch PISA, dass knapp 20 % der Schüler insgesamt und bis zu 40 % jener mit Migrationshintergrund nicht ausbildungsreif sind. Konsequenz ist, dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und „Reparaturmaßnahmen“ im Übergangssystem oder sogar im Ausbildungsbetrieb mit hohen Kosten nötig sind. Es ist zu begrüßen, dass sich Bund und Länder das Ziel gesetzt haben, die Ausbildungsreife junger Menschen zu verbessern, und dass PISA erste Erfolge dokumentiert. Durch individuelle Förderung und konsequente Überprüfung, ob Bildungsstandards erreicht werden, muss verstärkt sichergestellt werden, dass bei allen jungen Menschen ein möglichst reibungsloser Übergang in Ausbildung gelingt.

Berufsorientierung und Übergänge stärken

Zur Ausbildungsreife gehört eine fundierte Berufsorientierung, die fest an allen Schulen verankert und mit Partnern, v. a. aus der Wirtschaft, umgesetzt wird. Das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT unterstützt dies und vermittelt jeder interessierten Schule einen Partner aus der Wirtschaft und trägt mit vielfältigen weiteren Initiativen zu einer verstärkten Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen bei. Zu begrüßen ist die Förderung der vertieften Berufsorientierung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA). Darüber hinaus sind mehr praxisnahe Angebote für leistungsschwächere Jugendliche erforderlich. Die betrieblichen EQ zeigen mit ihren hohen Übergängen in Ausbildung (rd. 70 %), wie hilfreich solche Angebote sind. Praxisklassen, flankierende Hilfen (z. B. sozialpädagogische Begleitung) bei betrieblicher Ausbildung und Ausbildungsvorbereitung sowie modular strukturierte Angebote sind wirkungsvolle Ansätze, die ausgebaut werden sollten. Mit der Initiative „Inklusion gelingt!“ engagieren sich BDA, DIHK und ZDH für die Inklusion von Menschen mit Behinderung in die berufliche Bildung. Mehr Inklusion zu ermöglichen, ist nicht nur gesellschaftspolitisch erwünscht, sondern für Arbeitgeber gerade auch aufgrund des Fachkräftemangels betriebswirtschaftlich sinnvoll und volkswirtschaftlich notwendig.

Rahmenbedingungen verbessern

Die Verbesserung der Rahmenbedingungen ist wichtig für eine attraktive und leistungsfähige Berufsausbildung. Hierzu gehören v. a. moderne und dem Bedarf der Praxis entsprechende Ausbildungsberufe und mehr differenzierte Angebote (zweijährige Ausbildungsberufe, Ausbildungsbausteine). Eine flexiblere Gestaltung von Ausbildungsvergütungen kann v. a. leistungsschwächeren Jugendlichen, die mit erhöhtem Aufwand begleitet werden müssen, den Einstieg in betriebliche Ausbildung ermöglichen. Wichtig sind zudem eine leistungsfähige Berufsschule mit moderner Ausstattung und flexiblem Zeitmanagement sowie eine höhere Durchlässigkeit insbesondere zur hochschulischen Bildung.

Initiativen der BDA

  • Die BDA ist Mitglied des „Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs“ (verlängert bis 2014 im Oktober 2010) zusammen mit DIHK, ZDH, BFB, Bundeswirtschaftsministerium, Bundesbildungsministerium, Bundesarbeitsministerium sowie Kultusministerkonferenz und Integrationsbeauftragter der Bundesregierung.
  • Das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT stärkt die Kooperation zwischen Betrieben und Schulen. Ziel ist vor allem die fundierte Berufsorientierung und eine intensive ökonomische Bildung der Schüler.
  • www.inklusion-gelingt.de informiert und unterstützt Betriebe, damit diese die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung erfolgreich gestalten können.
  • Die BDA unterstützt aktiv die Förderung der erweiterten vertieften Berufsorientierung durch die BA.
  • Der „Deutsche Arbeitgeberpreis für Bildung“ zeichnet überzeugende Bildungskonzepte in Berufsschulen sowie anderen Bildungseinrichtungen aus.

Gute Ausbildungschancen für Jugendliche

Der Ausbildungsmarkt ist von Bewerbermangel geprägt, die Chancen junger Menschen auf Ausbildung sind gut. So stehen zum 30. September den wenigen unvermittelten Bewerbern deutlich mehr unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. Hintergrund ist das hohe Ausbildungsengagement der Unternehmen und der Rückgang der Schulabgängerzahlen: 2013 wurden 4,8 % weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als 2003. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Schulabgänger insgesamt um 6,6 % gesunken, die der nicht studienberechtigten Schulabgänger, die Hauptnachfrager nach einer Berufsausbildung sind, sogar um 22,9 %. Erfreulich ist darüber hinaus, dass die Zahl der Jugendlichen, die in den sog. Übergangsbereich münden, zwischen 2005 und 2012 deutlich rückläufig ist (-36,1 %).


Quelle: BA, 2013


Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Bildung | Berufliche Bildung
T +49 30 2033-1500
Juli 2014