argumente

Flexible Beschäftigungsformen schaffen Arbeit

Flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit, geringfügige oder befristete Beschäftigung haben als moderne Instrumente des Personaleinsatzes an Bedeutung gewonnen. Insbesondere die Zeitarbeit hat vielen Arbeitslosen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt geebnet. Dennoch werden flexible Beschäftigungsverhältnisse oft als „atypisch“ oder „prekär“ diffamiert.

Irrtum: Flexible Beschäftigung verdrängt „Normalarbeitsverhältnisse“.

  • Es gibt keine eindeutige Definition eines „Normalarbeitsverhältnisses“. Insbesondere Zeitarbeit und vollzeitnahe Teilzeitbeschäftigung erfüllen alle Kriterien, die mit „Normalarbeitsverhältnissen“ verbunden werden (volle Sozialversicherungspflicht, fehlende Befristung, tarifliche Entlohnung, Vollzeittätigkeit).
  • Zwischen 2006 und 2012 ist die Zahl abhängig Beschäftigter in einem „Normalarbeitsverhältnis“ um mehr als zwei Mio. gewachsen, während die Zahl flexibel Beschäftigter nur um 317.000 zugelegt hat (Stat. Bundesamt, 2013). Dies zeigt: Durch flexible Beschäftigungsformen wird zusätzliche Arbeit geschaffen.
  • Zuletzt waren lediglich zwei Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland in der Zeitarbeit beschäftigt (BA, 2013). Damit kann von einer breit angelegten „Verdrängung“ der Stammbeschäftigten keine Rede sein.

Fakt: Flexible Beschäftigung öffnet Wege in den Arbeitsmarkt.

  • Flexible Beschäftigungsformen ermöglichen Unternehmen oft erst die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Sie geben Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Möglichkeit, das Arbeitsvolumen an individuelle Bedürfnisse und betriebliche Notwendigkeiten anzupassen. Auf diese Weise werden Hürden für den Beschäftigungsaufbau gesenkt.
  • Zeitarbeit erleichtert Arbeitslosen die Rückkehr in Beschäftigung: Im zweiten Halbjahr 2012 waren rd. zwei Drittel der in der Zeitarbeitsbranche neu eingestellten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen vorher ohne Beschäftigung, fast jeder Dritte davon war vorher langzeitarbeitslos oder noch nie beschäftigt (BA, 2013).
  • Gerade für Geringqualifizierte sind flexible Beschäftigungsformen eine Brücke in den Arbeitsmarkt: 2012 waren über 41 % der abhängig Beschäftigten ohne Berufsausbildung in flexiblen Beschäftigungsverhältnissen tätig (Stat. Bundesamt, 2013).
  • Durch die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration Geringqualifizierter reduziert flexible Beschäftigung das Risiko sich verfestigender Langzeitarbeitslosigkeit. Berufliche Kenntnisse und fachübergreifende Fähigkeiten der Beschäftigten (wie z. B. Kommunikations- und Teamfähigkeit) bleiben so erhalten.
  • Flexible Beschäftigungsformen verbessern Chancen der Arbeitsmarktpartizipation. Gerade Teilzeitarbeitsverhältnisse haben wesentlich zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung, vor allem auch von Frauen mit Familienpflichten, beigetragen.
  • Insbesondere durch flexible Teilzeitarbeitsverhältnisse, Befristungen und den Einsatz von Zeitarbeit konnten die Unternehmen ihre Stammbelegschaft und deren Wissen auch in der letzten Wirtschafts- und Finanzkrise weitgehend halten. Diese Flexibilisierung hat wesentlich zur positiven Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland – anders als in den meisten anderen Industriestaaten – beigetragen. Damit wird deutlich, wie wichtig ein passender Beschäftigungsmix für einen gesunden, anpassungsfähigen Arbeitsmarkt ist

Irrtum: Flexible Beschäftigung führt zu „prekären“ Erwerbsbiographien.

  • Flexible Beschäftigung kann nicht mit Einkommensunsicherheit gleichgesetzt werden. Vor allem Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigung oder Zeitarbeitsverhältnisse umfassen auch anspruchsvolle Tätigkeiten, die gut honoriert werden.
  • Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse werden oft von Personen mit weiteren Einkommensquellen ausgeübt, die lediglich einen Hinzuverdienst anstreben. Dazu zählen insbesondere Schüler, Studenten und Rentner, die allein 42 % aller ausschließlich geringfügig Beschäftigten stellen (Stat. Bundesamt, 2013).
  • Zwei Drittel aller Erwerbstätigen ab 65 Jahren gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach. Beim größten Teil spielen dabei zwingende materielle Gründe keine Rolle (DIW, 2013).
  • Vor allem für Berufseinsteiger erhöhen flexible Beschäftigungsformen die Chance auf einen schnellen Einstieg gerade in unbefristete Beschäftigung: Mehr als jeder zweite befristet Beschäftigte wird direkt in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Zwischen 2005 und 2012 ist die Übernahmequote bei befristeten Arbeitsverhältnissen deutlich angestiegen – von 39 % auf 58 % (IAB, 2013).
  • Die Beschäftigungschancen von Langzeitarbeitslosen erhöhen sich durch die Aufnahme eines Zeitarbeitsverhältnisses deutlich und stellen im Vergleich zur weiteren Arbeitslosigkeit die eindeutig bessere Alternative dar (IAB, 2010).
  • Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit hat sich in Deutschland durch flexible Beschäftigungsverhältnisse nicht verkürzt. Im Gegenteil: Von 2001 bis 2012 ist die durchschnittliche Dauer der Arbeitsverhältnisse von abhängig Beschäftigten von 10,0 auf 11,2 Jahre gestiegen (OECD, 2014).

Fakt: Auch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität.

  • Flexible Beschäftigungsverhältnisse spiegeln vielfach die individuellen Vorstellungen und Lebensumstände der Beschäftigten wider.
  • Mehr als 80 % der Teilzeitbeschäftigten gehen freiwillig keiner Vollzeittätigkeit nach (Stat. Bundesamt, 2012). Insbesondere Frauen bevorzugen flexible Teilzeitarbeit, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Teilzeit ist vor allem angesichts einer weiterhin unzureichend ausgebauten Kinderbetreuungsinfrastruktur in Deutschland wichtig.
  • Zeitarbeit ermöglicht vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern innerhalb eines festen Arbeitsverhältnisses verschiedene Unternehmen und Tätigkeitsbereiche kennenzulernen. Auf diese Weise kann die berufliche Qualifikation fortentwickelt werden.

Fakt: Flexible Beschäftigung erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

  • Flexible Beschäftigungsverhältnisse leisten einen Beitrag zur Bewältigung steigender Flexibilitätsanforderungen und des wachsenden Wettbewerbsdrucks im Zuge der Globalisierung. Starrheiten im deutschen Arbeitsrecht können so abgefedert werden, um die notwendige betriebliche Flexibilität zu sichern.
  • Unternehmen brauchen Flexibilität, um schnell auf punktuelle Auftragsspitzen reagieren zu können. Insbesondere durch Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse werden Einstellungshürden gesenkt und Neueinstellungen bei noch unsicheren Zukunftserwartungen erleichtert. Damit sind Beschäftigungszuwächse auch bei vergleichsweise geringem Wirtschaftswachstum möglich.
  • Flexible Beschäftigungsformen sind eine wichtige Voraussetzung zur Bewältigung des Strukturwandels. Gerade im Dienstleistungssektor ist ein variabler Personaleinsatz von großer Bedeutung, um am Markt bestehen zu können.

Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), in: HWWI Policy Paper Nr. 74, S. 7, 2013.

„Die neue Normalität am Arbeitsmarkt zeigt, dass Teilzeit oder Zeitarbeit sehr oft sehr gut in die Lebensplanung junger Eltern oder älterer Fachkräfte passt, die so eher neue Dinge ausprobieren können. Und für viele Menschen sind die sogenannten atypischen Beschäftigungsformen die beste Chance in den Beruf zurück zu kehren.“

Broschüre downloaden

Ansprechpartner

BDA | DIE ARBEITGEBER
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Arbeitsmarkt
T +49 30 2033-1400
August 2014